Gewerkschaftsjugend: Dort sein, wo der Schuh drückt

Inhalt

  1. Seite 1 - Qualität der Lehrausbildung
  2. Seite 2 - Forderungen an die Politik
  3. Seite 3 - Wo es die Mobilisierung der Jugend braucht
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Richard Tiefenbacher, Bundesvorsitzender der ÖGJ, führt eine der größten Jugendorganisationen Österreichs – er fordert die Jugendlichen auf, für ihre Interessen einzutreten, gegen mangelhafte Strukturen – wie etwa in Lehrberufen – aktiv zu werden und zu verändern.
Porträt Richard Tiefenbacher, Vorsitzender der ÖGJ
ÖGJ-Vorsitzender Tiefenbacher fordert die Jungend auf: „Auf die Straße gehen, demonstrieren, zum Streiken aufrufen, laut und aktionistisch sein!“

Wie kann sich hier die Jugend allgemein und die Gewerkschaftsjugend im Besonderen einbringen? Wie kann man noch deutlicher machen, dass es hier ein Eintreten gegen diese Klimakrise braucht?

Indem man hinschaut und Probleme aktiv in Angriff nimmt, das ist das Wichtigste. Da heißt es, auf die Straße gehen, demonstrieren, zum Streiken aufrufen, laut und aktionistisch sein.

Es braucht eine Jugendrebellion

Was kann die Gewerkschaftsjugend dazu beitragen, eine Mobilisierung zu erreichen?

Aufklärungsarbeit, das ist das Wichtigste. Als Gewerkschaftsjugend haben wir als oberstes Ziel, in Berufsschulen zu gehen, Betriebsversammlungen und Jugendversammlungen abzuhalten, die jungen Menschen zu uns zu holen und aufzuklären. Das beginnt unter anderem schon bei der Aufklärung über Fake News & Co. Junge Menschen müssen wissen und einschätzen können: Okay, das stimmt und das stimmt nicht. Mit diesem neuen Wissen bleibt einem dann ja gar nichts anderes mehr übrig, als zu sagen, so kann es nicht weitergehen.

Eigentlich braucht es eine Jugendrebellion: viele junge Menschen, die auf die Straße gehen, mit der Faust auf den Tisch hauen und sagen: Bis hierher und nicht weiter!

Und eigentlich braucht es eine Jugendrebellion: viele junge Menschen, die auf die Straße gehen, mit der Faust auf den Tisch hauen und sagen: Bis hierher und nicht weiter!

In den Kollektivvertragsrunden, die jetzt in den verschiedensten Branchen laufen, ist die Inflation ein großes Thema. Was sagt die Jugend dazu? Haben Sie Rückmeldungen, wie es die Jugend, besonders mit niedriger Lehrlingsentschädigung, trifft?

Definitiv. Die Inflation trifft Menschen mit geringem Einkommen am allerhärtesten. Und das ist halt einmal auch die Jugend, für die das Wohnen kaum noch leistbar ist, und die Spritpreise steigen weiter. Die Kollektivvertragsverhandlungen werden jetzt spannend. Da müssen sich die Arbeitgeber auf jeden Fall anschnallen, weil wir natürlich jene Erhöhungen fordern, die ein gutes Leben für Lehrlinge und alle Arbeitnehmer:innen sicherstellen.

Änderung des Schulsystems

Bei welchen Themen ist die Jugend denn derzeit noch gefragt, um ihre eigene Zukunft mitzugestalten? Wir haben schon über das Klima gesprochen. Was fällt Ihnen da noch ein?

Die Ausbildung per se – nicht nur die Lehrausbildung und das Studium, sondern das komplette Schulsystem. Das gehört verändert. Denn derzeit geht es nicht ums Stärken stärken der Schüler:innen. Ein Beispiel: Ganz wichtig ist derzeit, dass man weiß, wie Mathematik funktioniert. Aber wer sagt, dass politische Bildung nicht gleich wichtig ist wie Mathematik? Oder Kunst oder Tanzen? Stärken zu stärken wäre also schon einmal ein guter Startpunkt, um zu sagen, wir wollen etwas verändern.

Dann heißt es natürlich beim aktuellen Weltgeschehen nicht wegschauen, sondern hinschauen, aktiv dabei sein und verändern wollen. 

Und dann heißt es natürlich beim aktuellen Weltgeschehen nicht wegschauen, sondern hinschauen, aktiv dabei sein und verändern wollen. Wir merken, dass dieses politische Hin und Her, dieses Hickhack, den jungen Menschen oft zu viel wird. Die Folge sind Aussagen wie, dass die dort oben alles ein paar Kasperln sind … das interessiert mich alles nicht … was habe ich mit der Politik zu tun. Aber der Banker, der die Kredite vergibt, interessiert sich für die Politik oder der private Vermieter, der die Mietpreise festsetzt, der interessiert sich auch für die Politik. Daher ist es so wichtig, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern das politische Geschehen mitzuverfolgen, aktiv dabeizubleiben und etwas gegen Ungerechtigkeit zu tun. Und ganz wichtig, das Negative nicht zu sehr an sich heranlassen.

Da gibt es ein schönes chinesisches Sprichwort: Ein Schiff kann am Meer sein und es können die stärksten Wellen dagegenschlagen, aber es wird niemals untergehen. Aber wenn nur ein kleines Loch im Rumpf ist, dann säuft das Schiff ab und liegt am Grund des Meeres. Genauso ist es mit den negativen Einflüssen. Wenn man ein gutes Selbstbewusstsein hat und eine gute Mauer um sich gebaut hat, dann kann einen all das Negative auf der Welt nicht herunterziehen. Und daher muss auch die psychische Gesundheit im Vordergrund stehen, denn ohne Gesundheit ist alles andere unmöglich und unwichtig.

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Über den/die Autor*in

Alexia Weiss

Alexia Weiss, geboren 1971 in Wien, Journalistin und Autorin. Germanistikstudium und Journalismusausbildung an der Universität Wien. Seit 1993 journalistisch tätig, u.a. als Redakteurin der Austria Presse Agentur. Ab 2007 freie Journalistin. Aktuell schreibt sie für das jüdische Magazin WINA, für gewerkschaftliche Medien wie die KOMPETENZ der GPA-djp und sie bloggt wöchentlich zum Thema „Jüdisch leben“ auf der Wiener Zeitung. 2021 erschien ihr bisher letztes Buch "Jude ist kein Schimpfwort" (Verlag Kremayr & Scheriau).

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