Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel in Österreich

Zwei IT-Angestellte reparieren den Server. Symbolbild Fachkräftemangel in Österreich.
Mit mehr Druck auf arbeitslose Menschen reagiert die Regierung auf den Fachkräftemangel in Österreich. Eine gute Idee? | © Adobe Stock/Burlingham
Weil die Wirtschaft über den Fachkräftemangel in Österreich klagt, gestaltet die Regierung die Arbeitslosigkeit noch unerträglicher. Eine Übersicht.
Der Fachkräftemangel beherrscht die Diskussion über den aktuellen Arbeitsmarkt. Nicht die Arbeitslosigkeit. Kein Wunder. Dort vermeldete die Regierung jüngst eher Erfolge. Selbst Johannes Kopf, der Geschäftsführer des Arbeitsmarktservice (AMS), erklärte im Interview mit Arbeit&Wirtschaft, dass Österreich einen Arbeitnehmer:innen-Markt gäbe. Dass sie also bei Verhandlungen die Macht hätten. Er fordert unter anderem eine flächendeckende, ganztägige Kinderbetreuung, um das Problem zu lösen.

Fachkräftemangel in Österreich ist hausgemacht

Doch die erste Maßnahme von Martin Kocher, dem Wirtschaftsminister, war es, die Liste der Mangelberufe zu verlängern. Zu einem Mangelberuf wird ein Job, wenn es weniger als 1,5 Arbeitssuchende pro offener Stelle gibt. Dann dürfen die Arbeitgeber:innen auch in Drittstaaten nach Angestellten suchen. Das betrifft vor allem Unternehmen der Gastronomie und der Pflege. Auf den ersten Blick ist das eine unkomplizierte Lösung. Denn aktuell können rund 272.000 Stellen nicht besetzt werden. Doch es löst das Problem des Fachkräftemangels nicht. Das wird dadurch nur in Drittland verschoben. Die Personalprobleme sind hausgemacht. Fragwürdige Arbeitsbedingungen und schlechte Bezahlung werden so nur befördert.

Bewerbungsgespräch für einen Job. Symbolbild für den Fachräftemangel in Österreich. Arbeitslosigkeit,
Der Fachkräftemangel in Österreich ist selbstgemacht. | © Adobe Stock/Natalia

Die Bundesregierung hat allerdings noch weitere Maßnahmen geplant. Eine davon ist, die Notstandshilfe aus der Arbeitslosenversicherung herauszulösen. Eine Idee, die auf die schwarz-blaue Regierung von Sebastian Kurz (ÖVP) und Heinz-Christian Strache (FPÖ) zurückgeht. Das würde Hartz 4 in Österreich bedeuten. Und den Druck auf arbeitslose Menschen massiv verstärken. Dabei ist der jetzt schon enorm hoch. Was als Anreiz zu arbeiten verkauft wird, ist in Wahrheit Druck, schlechte Jobs anzunehmen. Arbeitslose Menschen sind mehr als Statistiken. Hinter jeder Zahl steckt ein individuelles Schicksal, das betrachtet werden muss.

Probleme der Arbeitslosenversicherung

Dabei sollte klar sein, dass es sich bei der Arbeitslosenversicherung um genau das handelt, was der Name sagt. Eine Versicherung. Das bedeutete, dass die Arbeitnehmer:innen für das Geld, dass sie eingezahlt, Anspruch auf bestimmte Leistungen haben. Und die fällt oft zu gering aus. Die Forderungen nach einer Erhöhung des Arbeitslosengeldes wird immer lauter. Zumal Österreich in dieser Hinsicht im internationalen Vergleich tatsächlich enorm schlecht abschneidet. Doch die verschärften Zumutbarkeitsbedingungen, das degressives Arbeitslosengeld und diverse Sanktionen machen klar, dass die Arbeitslosenversicherung in Österreich noch andere Probleme hat.

Und das mitten in einem Transformationsprozess. Inflation, Pandemie, Krieg, demografischer Wandel, Dekarbonisierung… die Herausforderungen sind gerade enorm. Nicht nur Österreich und die EU müssen gerade einen Wandel im Wirtschaftssystem einleiten, sondern die ganze Welt. So dramatisch diese Situation auch ist, so ideal ist der Zeitpunkt, auch einmal tiefergreifende und systemische Lösung anzugehen. Denn Lösungen für den Fachkräftemangel in Österreich liegen längst auf dem Tisch.

Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel in Österreich: Wandel als Lösung

Der angestrebte Wandel zielt vor allem auf mehr Nachhaltigkeit ab. Damit sind allerdings auch soziale Aspekte gemeint, nicht nur ökologische. In der Öffentlichkeit werden die angestrebten Arbeitsplätze dennoch als Green Jobs bezeichnet. Grundsätzlich geht es aber darum, dass der Sozialstaat die Krise auf dem Arbeitsmarkt überwindet und gute Arbeit schafft. Wie das gelingen kann, erklären Sabine Rehbichler, Geschäftsführerin von arbeit plus, und Miriam Baghdady, ÖGB-Volkswirtschaftsexpertin, im Doppelinterview.

Über den/die Autor*in

Christian Domke Seidel

Christian Domke Seidel hat als Tageszeitungsjournalist in Bayern und Hessen begonnen, besuchte dann die bayerische Presseakademie und wurde Redakteur. In dieser Position arbeitete er in Österreich lange Zeit für die Autorevue, bevor er als freier Journalist und Chef vom Dienst für eine ganze Reihe von Publikationen in Österreich und Deutschland tätig wurde. Unter anderem sprang ein dritter Platz beim österreichischen Magazinpreis heraus.

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