Gewinn-Preis-Spirale: Rekord-Profite heizen Inflation an

Eine OMV-Tankstelle bei Nacht. Konzerngewinne heizen die Gewinn-Preis-Spirale auf.
Viele Konzerne haben trotz Krise, Krieg und Pandemie enorme Gewinne gemacht. Die Gewinn-Preis-Spirale verstärkt die Inflation.
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Im Schatten von Krieg, Inflation und Pandemie erhöhen Unternehmen ihre Profite. Das befeuert die Inflation. Die entstandene Gewinn-Preis-Spirale frisst die Löhne auf.

Die Börse jubelt. Denn die Quartalsberichte tickern Milliardengewinne in die Unternehmenskassen. Und das mitten in einer globalen Pandemie. Während in der Ukraine ein Krieg tobt und die Inflation auf den höchsten Stand seit über vier Jahrzehnten geklettert ist. Denn viele Unternehmen nutzen die Krisen, um in deren Schatten die Preise zu erhöhen. Diese höheren Margen heizen die Inflation zusätzlich an. Eine Gewinn-Preis-Spirale entsteht.

Was ist eine Gewinn-Preis-Spirale?

Das jüngste Beispiel ist die OMV. Der Erdöl-, Erdgas- und Chemiekonzern konnte seinen Umsatz im ersten Quartal 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 146 Prozent steigern. Von 6,4 Milliarden Euro auf 15,8 Milliarden Euro. Das Ergebnis (wie im Q-Bericht) vor Steuern stieg um 91 Prozent. Von 1,1 Milliarden auf 2,1 Milliarden Euro. Im gleichen Quartal beschloss die österreichische Bundesregierung einen Energiekostenzuschuss für jeden Haushalt. Weil die Preise für Heizöl und Gas die Energiearmut verschärfen. Eine Gewinn-Preis-Spirale ist angelaufen.

Eine Gewinn-Preis-Spirale bedeutet, dass steigende Preise zu großen Teilen keine natürliche Ursache haben – wie etwa knappe Ressourcen oder steigend Nachfrage –, sondern auf höhere Gewinnmargen bei den Unternehmen zurückzuführen sind. Das hat Auswirkungen auf den Warenkorb. In den ersten vier Monaten des Jahres 2022 ist die Inflation in Österreich kontinuierlich gestiegen. Von 5,0 Prozent im Januar auf 5,8 und 6,8 Prozent im Februar und März. 7,2 Prozent waren es im April 2022. So viel waren es zuletzt im November 1981. Damals lag die Inflation bei 7,0 Prozent.

Höhere Margen statt marktgerechter Preise

Beeindruckende Quartalsergebnisse inmitten der Krise sind aber kein Exklusivrecht der Energiekonzerne. Auch der Baustoffkonzern Wienerberger oder der Aluminiumverarbeiter AMAG konnten ihren Gewinn vor Steuern verdoppeln. Es sind nicht nur große Aktiengesellschaften, die sich über ein zusätzliches Körberlgeld freuen. Die Bundesregierung unterstützte die Gastronomie in der Corona-Pandemie mit einer Senkung der Mehrwertsteuer. Die Rückführung auf das Vor-Pandemie-Niveau geben viele der (vorwiegend kleinen und mittleren) Unternehmer:innen allerdings an die Konsument:innen weiter.

Die Mieten steigen und die Gewinn-Preis-Spirale heizt die Inflation weiter an.
Indexmieten verschärfen die Inflation in diesem Jahr zusätzlich.

Die nächsten Profiteure der Gewinn-Preis-Spirale sind die Immobilienkonzerne. Denn viele Mieten sind an die Inflation gekoppelt. In regelmäßigen Abständen findet eine Anpassung der Miete in der Höhe der allgemeinen Preissteigerung statt. Die Mietanpassung fällt aktuell sehr hoch aus, obwohl die Kosten für die Vermietung nicht wirklich gestiegen sind. Im Jahr 2022 wird die Anhebung der Nettomieten etwa 0,25 Prozentpunkte der Inflation ausmachen. Weitere 0,25 Prozent kommen aus der Mehrwertsteuerrückführung in der Gastronomie, haben Markus Marterbauer, Chefökonom der Arbeiterkammer, und Michael Ertl, Referent für Konjunktur- und Verteilungsfragen bei der Arbeiterkammer, errechnet.

Gewinn-Preis-Spirale: Lohnverhandlungen schützen

Weil die Heiz- und Mietkosten im Gleichschritt steigen, leiden immer mehr Menschen in Österreich unter Energiearmut. Das bedeutet, dass die Wohnung kalt bleiben muss. Gleichzeitig ist jedes fünfte Kind in Österreich von Armut betroffen. Sie sprechen zu Hause von „Toastbrottagen“, wenn nicht mehr genug Geld für ausgewogene Mahlzeiten übrig ist. Auch hier führt eine Gewinn-Preis-Spirale zu einer Verschärfung der Situation.

Rainer Wimmer führt die Lohnverhandlungen und kämpft so gegen eine Gewinn-Preis-Spirale.
Rainer Wimmer, PRO-GE-Vorsitzender und SPÖ-Abgeordneter zum Nationalrat, streitet für höhere Löhne. | © Markus Zahradnik

Die nachhaltigste Maßnahme gegen eine Gewinn-Preis-Spirale ist eine Erhöhung des Reallohns. Rainer Wimmer, PRO-GE-Vorsitzender und einer der Chefverhandler in den Lohnrunden, betont im Gespräch mit Arbeit&Wirtschaft: „Eine hohe Inflation bedingt hohe Lohnabschlüsse. Denn die Menschen leiden unter der Preissteigerung massiv. Vor allem die, die nicht das große Geld verdienen. Die spüren die Energie- und Lebensmittelkosten.“ Dass sich die Wirtschaft diese Lohnerhöhungen leisten kann, machen die aktuellen Quartalsberichte deutlich.

Steigende Löhne sichern die Kaufkraft

Angesichts der bereits existierenden Gewinn-Preis-Spirale glaubt Ertl auch nicht daran, dass steigende Löhne die Inflation weiter befeuern: „Wenn die Hysterie kommt, dass steigende Löhne die Inflation antreiben, sollte man auch einmal den Perspektivenwechsel wagen: Die Unternehmen machen in einzelnen Branchen sehr gute Gewinne dank hoher beziehungsweise steigender Preise. Das führt dazu, dass die Inflation weiter steigt.“

Bei den Lohnverhandlungen gehe es darum, die Kaufkraft zu erhalten. Wird die Inflation dabei nicht berücksichtigt, kann das Realeinkommen nicht steigen. Dann frisst die Gewinn-Preis-Spirale den Lohn der Arbeitnehmer:innen auf. Mehr Informationen gibt es unter anderem in unserem Beitrag Was ist Inflation?

Über den/die Autor*in

Christian Domke Seidel

Christian Domke Seidel hat als Tageszeitungsjournalist in Bayern und Hessen begonnen, besuchte dann die bayerische Presseakademie und wurde Redakteur. In dieser Position arbeitete er in Österreich lange Zeit für die Autorevue, bevor er als freier Journalist und Chef vom Dienst für eine ganze Reihe von Publikationen in Österreich und Deutschland tätig wurde. Unter anderem sprang ein dritter Platz beim österreichischen Magazinpreis heraus.

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