Jugendvertrauensrat: Starke Lobby im Betrieb

Verantwortung übernehmen, damit es allen Lehrlingen gut geht, so sieht Jonas Maureder seine Rolle als JVR.
Fotos (C) Markus Zahradnik

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Junge Menschen am Beginn ihres Berufslebens stehen vor vielen Herausforderungen. Da ist es gut, dass mit dem Jugendvertrauensrat ein effektives Instrument der Mitbestimmung am Arbeitsplatz existiert. Denn gerade Lehrlinge brauchen zur Wahrnehmung ihrer Interessen eine starke Vertretung.
Angesprochen auf seine Funktion als Jugendvertrauensrat, zieht Jonas Maureder folgenden Vergleich: „Ein Jugendvertrauensrat, das ist wie ein Klassensprecher. Aber eben für die jungen Leute im Betrieb.“ Jonas Maureder ist Vorsitzender des Jugendvertrauensrats bei der voestalpine in Linz, einem der größten Ausbildungsbetriebe in Österreich. Maureder sieht seine zentrale Aufgabe so: „Wir schauen, dass es den Lehrlingen gut geht. Das ist eine Rolle, die ich gerne übernehme.“

Ein Jugendvertrauensrat, das ist wie ein Klassensprecher. Aber eben für die jungen Leute im Betrieb. 

Jonas Maureder, Jugendvertrauensrat voestalpine Linz

Vom Himmel gefallen sind Jugendvertrauensräte als Instrument betrieblicher Mitbestimmung nicht. Wie so vieles mussten sie gewerkschaftlich durchgesetzt werden. Zwar gab es bereits 1946 erste Jugendvertrauensratswahlen. Doch erst am 9. Juli 1972 verabschiedete der Nationalrat das „Bundesgesetz über betriebliche Jugendvertretung“. Ein Erfolg der Kampagne „M wie Mitbestimmung“ der Österreichischen Gewerkschaftsjugend. 51.000 Menschen unterzeichneten die mit der Kampagne verbundene Petition zur gesetzlichen Regelung des Jugendvertrauensrates.

Die Geschichte der Vertrauensräte reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück. Damals übernahmen sogenannte Vertrauensmänner die gewerkschaftliche Organisation in den sich rapide entwickelnden Industriegebieten. Zu Beginn der Ersten Republik gab es ab 1919 erstmals einen gesetzlichen Schutz für Betriebsrät:innen. Bis dahin landeten sie oft auf „schwarzen Listen“ der Unternehmen und wurden von diesen auf die Straße gesetzt ohne eine Chance auf Neuanstellung in einem anderen Betrieb. Heute ist klar geregelt, dass in jedem Betrieb mit mindestens fünf jugendlichen Arbeitnehmer:innen ein Jugendvertrauensrat (JVR) zu wählen ist.

„Als JVR für bessere Arbeitsbedingungen eintreten, das stärkt die Persönlichkeit“, so Mohab Finjan.

Mit dem Jugendvertrauensrat gemeinsam stärker

Einer von ihnen ist Mohab Finjan. Der junge Mann hat sein Büro in einer Filiale der Bank Austria im Wiener Bezirk Floridsdorf. „Ich wollte immer schon Bankkaufmann werden, von klein auf“, erzählt er enthusiastisch. „Das war immer mein Ding. Einen Anzug tragen und arbeiten.“ Die Mitarbeit im JVR sieht er für sich auch als Türöffner. „Man knüpft viele Kontakte, und ich arbeite gerne mit Menschen. Außerdem will ich in Eigenregie nach vorne gehen.“

Ich durfte um mich herum ein komplett neues Team aufstellen. Das hat Spaß gemacht und war eine wertvolle Erfahrung im Alter von 18 Jahren. 

Mohab Finjan, Jugendvertrauensrat Bank Austria

Zum JVR kam Finjan auf Eigeninitiative. „Nach meinem ersten Lehrjahr war JVR-Wahl bei der Bank Austria. Ich habe den Vorsitzenden gefragt, was der JVR macht und was er für die Jugendlichen tut. Er hat mir erklärt, dass es um Interessenvertretung geht und dass der JVR sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Lehrlinge einsetzt.“ Nur kurze Zeit später übernimmt Mohab Finjan das Amt von seinem Vorgänger und wird Vorsitzender: „Ich durfte um mich herum ein komplett neues Team aufstellen. Das hat Spaß gemacht und war eine wertvolle Erfahrung im Alter von 18 Jahren.“

Ganz einfach war es für ihn persönlich trotzdem nicht. Zwar gibt es für die JVR-Arbeit Freistellungen, doch vieles wird in der Freizeit erledigt. „Als ich den Vorsitz übernehmen durfte, war ich gerade im Lehrabschluss. Das war stressig. Neben der Arbeit hatte ich noch Berufsschule. Es hat mich aber am Ende des Tages sehr glücklich gemacht und gestärkt.“

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