Mit Kraft gegen die Krisen: Jahresrückblick 2022

Eine Frau steht vor einer gelben Wand und blickt mit dem Fernglas zurück. Symbolbild für den Jahresrückblick 2022.
Das Jahr 2022 ist vorbei. Zeit, es Revue passieren zu lassen. Denn die Themen werden uns auch 2023 begleiten. | © Adobestock/Alex
Inflation, Pandemie und Krieg. Das Jahr war geprägt von multiplen Krisen. Aber auch vom steten Ringen um Lösungen. Der Jahresrückblick 2022 gibt eine Übersicht.
Wer in letzter Minute noch ein nützliches Weihnachtsgeschenk sucht, der wird in der Apotheke fündig. Das Jahr 2022 verabschiedet sich, wie es begonnen hat. Mit einer Krankheitswelle. Viele werden froh sein, dass dieses Jahr endlich vorüber ist. Obwohl am 1. Jänner natürlich kein Problem wie durch Zauberhand verschwunden sein wird. Der Coronakrise folgte Russlands Einmarsch in der Ukraine. Daraufhin wurde Energie teuer, was die Inflation anheizte. Keine Regierung konnte auch nur eine dieser Krisen beenden, weswegen sie parallel weiterliefen. Das hatte Auswirkungen auf alle Politikbereiche und Gesellschaftsschichten. Arbeit&Wirtschaft sortiert den Jahresrückblick daher thematisch.

Jahresrückblick 2022: Das Jahr der Herausforderungen

In Sachen Bildung könnte Österreich ein Vorzeigeland sein. „Österreich hat sehr gute Voraussetzungen, was Struktur und Professionalität unserer staatlichen und öffentlichen Institutionen betrifft, um ein gelungenes und egalitäres und bestärkendes Bildungssystem bereitzustellen“, analysiert Ilkim Erdost. Sie ist Bereichsleiterin für Bildung und Konsument:innen der Arbeiterkammer Wien. Doch sie setzt auch nach: „Aber es gelingt uns nicht.“ Bildung und sozialer Aufstieg werden in Österreich vererbt. Wer hat, dem wird gegeben. Ein Problem, das sich durch alle Altersschichten zieht. Von der Elementarpädagogik bis zur Erwachsenenbildung.

Wenn Bildung vererbt wird, ist eine Zahl besonders wichtig: 368.000. So viele Kinder und Jugendliche sind in Österreich armuts- und ausgrenzungsgefährdet. Also zwanzig Prozent. Als die Inflation an Dynamik gewann, verschärfte sich das Problem. „Mehr als 20 Prozent der Familien sagen, dass sie sich die Nachmittagsbetreuung für das Kind nicht mehr leisten können. Gleichzeitig sagen die Eltern, dass sie mehr Stunden als bisher arbeiten müssen“, erläutert Erdost. Kostenfreier und flächendeckender Zugang zu ganztägigen Schulen könnte Abhilfe schaffen.

Inflation: Als Leben teuer wurde

Mit dem russischen Angriffskrieg beginnt in erster Linie eine humanitäre Krise in der Ukraine. In den restlichen Ländern der Welt setzt sich eine Inflationsspirale in Gang. Die Energiepreise explodieren. Markus Marterbauer, Chefökonom der Arbeiterkammer, analysiert die Situation schon früh in der Arbeit&Wirtschaft. Bereits im April warnte er davor, dass Unternehmen staatliche Unterstützungen und steigende Preise nutzen, um die Gewinnmargen zu erhöhen. Was die Preise nur noch rascher wachsen lassen würde. Auch die Mieterhöhungen sah Marterbauer voraus. In den vergangenen Monaten lag die Inflation konstant im zweistelligen Bereich und die Wohnkosten explodierten.

So global das Problem der Inflation auch ist, hätte Österreich dennoch frühzeitig die Möglichkeit gehabt, zumindest lokal etwas dagegen zu unternehmen. Doch stattdessen versucht die Bundesregierung nur, etwas gegen die Effekte der Teuerung zu unternehmen. Maßnahmen gegen die Inflation selbst gab es keine. Die Maßnahmen waren teuer, halfen aber nur kurzfristige. Nachhaltige Lösungen, die vor allem jenen helfen, die von der Teuerung am schlimmsten betroffen sind, ist die Regierung schuldig geblieben.

Jugend: Am Puls der Zeit

Kein Jahresrückblick 2022 kommt ohne den Widerstand der Letzten Generation aus. Die Kraft und der Wille der Jugend – aber auch die Ignoranz der Politik ihnen gegenüber – war Arbeit&Wirtschaft schon früh eine eigene Ausgabe wert. Darin wird erläutert, warum es vielen Politiker:innen an der Motivation mangelt, die Problemfelder anzugehen, für deren Aufmerksamkeit junge Menschen teils verzweifelt und öffentlichkeitswirksam demonstrieren.

So kommt es, dass viele Jugendliche vor allem in Betrieben erstmals mit dem Thema Demokratie und Mitbestimmung konfrontiert werden. Dank der Arbeitnehmervertreter:innen erfahren sie, wie es ist, sich einzubringen und konkrete Missstände zu beheben. Richard Tiefenbacher ist Bundesvorsitzender der ÖGJ. Er führt damit eine der größten Jugendorganisationen Österreichs. Im Interview mit Arbeit&Wirtschaft fordert er die Jugendlichen auf, (weiterhin) für ihre Interessen einzutreten.

Krise in der Pflege

Als das Jahr 2022 begann, lagen zwei Jahre Coronapandemie hinter den Menschen. Zwei Jahre, die allen Bürger:innen klargemacht hatten, wie wichtig Pflegeberufe sind. Und dass die Menschen, die diese Berufe ausüben, unverzichtbar sind für einen funktionierenden Sozialstaat. Deswegen hat Arbeit&Wirtschaft mit diesen Leistungsträgern gesprochen und gefragt, was sich für sie geändert hat. Doch die Bestandsaufnahme kommt nicht ohne zynische Selbstironie aus.

Die Pflege ist eine Branche in einem besorgniserregenden Zustand. Jede:r Siebte spielt laut aktueller Erhebungen mit dem Gedanken, zu kündigen. Fast die Hälfte erwägt einen Jobwechsel. Jede:r Dritte zeigt depressive Anzeichen. Jede:r Zweite leidet unter schwerer Erschöpfung und ebenso viele unter Angstsymptomen. Die Liste ist lang, und sie ist schrecklich. Arbeit&Wirtschaft hat sich ihr angenommen.

KV-Verhandlungen: Wir rechnen ab

Der Jahresrückblick 2022 zeigt, dass viele Beschäftigten das gleiche Probleme haben. Ihr Lohn reicht kaum noch zum Leben. Dabei geht es um grundsätzliche Dinge. Um die Miete für die Wohnung, die Heizkosten und einen vollen Kühlschrank. Mit Teuerungsraten wie in den 1970er-Jahren waren für die Gewerkschaften kräftige Lohnerhöhungen das wichtigste Ziel. Die Erwartungen der Beschäftigten sind groß, der Druck ist entsprechend hoch. Die Menschen verlassen sich auf die Gewerkschaften. Die Herbstlohnrunde war für viele ein Hoffnungsschimmer.

Denn von allen Maßnahmen gegen die Inflation hilft keine so zielgerichtet, wie gute Lohnabschlüsse. Sie stellen die Versorgungssicherheit der Bürger:innen sicher. Und sie sind tragen zur Gerechtigkeit bei. Denn mittlerweile ist zwar jedem klar, dass Krisen zwar in regelmäßigen Abständen kommen, aber jeder in gleichem Maße zur Lösung beiträgt. Ein Phänomen, dem wir eine eigene Ausgabe von Arbeit&Wirtschaft gewidmet haben.

Budget 2023

Während sich der Jahresrückblick 2022 den vergangenen zwölf Monaten widmet, musste die Regierung sich dem kommenden Jahr stellen. Zumindest in finanzieller Hinsicht. Mit dem Budget für das Jahr 2023. Während Finanzminister Magnus Brunner von der Bevölkerung weniger Vollkaskomentalität einfordert, vermissen Volkswirt:innen klare Aussagen hinsichtlich der Einnahmen. Beispielsweise AK-Ökonom Marterbauer. Der beklagt das Fehlen der Besteuerung von großen Vermögen und Erbschaften genauso wie ein Maßnahmenprogramm gegen die klaffende Steuerlücke. Ihm geht es vor allem darum, dass am Ende „nicht wieder die Arbeitnehmer:innen für die diversen Budgetgeschenke bezahlen“.

Genau das ist aber das Problem. Denn alle Maßnahmen der Regierung gegen die Inflation haben einen gemeinsamen Nenner. Es fehlt an Treffsicherheit. Helene Schuberth, Chefökonomin des ÖGB, kritisiert, dass die beschlossenen „Entlastungspakete“ vorwiegend auf Einmalzahlungen basieren. Der rasante Inflationsanstieg wird damit nicht gedämpft, und die Inflationsrate wird auch in den nächsten Jahren voraussichtlich hoch bleiben.

Demokratie und Vertrauen im Jahresrückblick 2022

Auch die Demokratie in Österreich ist bei einem Jahresrückblick 2022 Thema. Grund dafür, oder besser Schuld daran, haben entlarvende und skandalöse Chatprotokolle. Geht es nach ihnen, ist manche tragende Säule der Meinungsbildung kaum mehr als ein Selbstbedienungsladen für Menschen in Machtpositionen. Das böse Wort Bananenrepublik war zuletzt in aller Munde, von politischer Unredlichkeit und einem zutiefst korrupten System ganz zu schweigen. Arbeit&Wirtschaft wagte sich an eine Analyse.

Doch in dieser Hinsicht gibt es einen Lichtblick. Betriebliche Mitbestimmung stärkt die Demokratie. Wer in einem Unternehmen mit Betriebsrat arbeitet, spürt die positiven Auswirkungen von Mitbestimmung. Das schärft das Bewusstsein dafür, dass Demokratie in allen Bereichen wichtig ist. Betriebsrät:innen tragen daher wesentlich zum Funktionieren der Demokratie bei.

Arbeitsmarkt der Zukunft

Doch Arbeit&Wirtschaft arbeitet vor allem lösungsorientiert. Alle Themen wagen deswegen auch einen Blick in die (bessere) Zukunft. So auch beim Thema Arbeitsmarkt. Green Jobs gelten als besonders zukunftsfit und chancenbringend. Warum ist der Arbeitsmarkt dann gerade hier ausgetrocknet? Wie uns neue Initiativen und eine Umweltstiftung zu mehr Elektrotechniker:innen oder Heizungsinstallateur:innen verhelfen sollen. Die Reportage zum Thema geht ins Detail.

Über den/die Autor*in

Christian Domke Seidel

Christian Domke Seidel hat als Tageszeitungsjournalist in Bayern und Hessen begonnen, besuchte dann die bayerische Presseakademie und wurde Redakteur. In dieser Position arbeitete er in Österreich lange Zeit für die Autorevue, bevor er als freier Journalist und Chef vom Dienst für eine ganze Reihe von Publikationen in Österreich und Deutschland tätig wurde. Unter anderem sprang ein dritter Platz beim österreichischen Magazinpreis heraus.

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