Arbeitslosigkeit in Österreich geht zurück – Alles Wissenswerte

Bewerbungsgespräch für einen Job. Symbolbild für den Fachräftemangel in Österreich. Arbeitslosigkeit,
Die Arbeitslosigkeit in Österreich geht Anfang 2024 leicht zurück. | © Adobe Stock/Seventyfour
Die Arbeitslosigkeit geht in Österreich in den ersten Monaten des Jahres 2024 leicht zurück. Alles Wissenswerte gibt es hier in unserer Übersicht.
In Österreich definiert das Arbeitsmarktservice (AMS) Arbeitslosigkeit. Als arbeitslos gilt, wer unfreiwillig keiner Beschäftigung nachgehen kann, aber bereit wäre, eine Arbeit aufzunehmen. Demnach gelten Menschen, die sich der Erziehung ihrer Kinder oder der Pflege von Angehörigen widmen, nicht als erwerbslos. Auch Student:innen, Schüler:innen und Rentner:innen fallen nicht in diese Definition von Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist die Summe der zum Monatsende bei den regionalen Geschäftsstellen des AMS registrierten Personen, die nicht in Beschäftigung oder Ausbildung stehen.

Bei dieser Definition von Arbeitslosigkeit handelt es sich allerdings um das sogenannte nationale Konzept. Das internationale Konzept folgt den Definitionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und ermöglicht einen Vergleich mit anderen Ländern unabhängig von nationalen Besonderheiten. Die beiden Konzepte führen zu unterschiedlichen Ergebnissen, weil sie unterschiedliche Kriterien für die Erfassung von Erwerbslosigkeit verwenden. Zum Beispiel werden Personen, die aktiv nach Arbeit suchen, aber nicht beim AMS gemeldet sind, nach dem nationalen Konzept nicht als erwerbslos gezählt, nach dem internationalen Konzept aber schon. Im April 2024 waren in Österreich inklusive Schulungsteilnehmer:innen 367.847 Menschen arbeitslos gemeldet. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 6,8 Prozent.

Anzahl der Arbeitslosen in Österreich (ohne Schulungsteilnehmer:innen) im Jahr 2024 nach nationaler und internationaler Definition laut AMS:

Monat National (AMS) International (ILO)
April 2024 367.847 k.A.
März 2024 369.640 255.300
Feber 2024 321.655 254.600
Jänner 2024 343.800 257.100

Anzahl der Arbeitslosen in Österreich (ohne Schulungsteilnehmer:innen) im Jahr 2023 nach nationaler und internationaler Definition laut AMS:

Monat National (AMS) International (ILO)
Dezember 2023 329.328 258.500
November 2023 275.710 223.200
Oktober 2023 264.232 240.000
September 2023 251.844 244.700
August 2023 261.298 237.000
Juli 2023 250.227 252.800
Juni 2023 239.301 222.900
Mai 2023 248.037 208.100
April 2023 258.652 243.200
März 2023 259.440 234.200
Feber 2023 294.071 271.700
Jänner 2023 317.131 267.100

Arbeitslosenquote in Österreich

Neben den absoluten Zahlen ist in der Debatte auch die sogenannte Arbeitslosenquote von Bedeutung. Sie ist ein Indikator für den Arbeitsmarkt und drückt in Prozent aus, wie hoch der Anteil der Arbeitslosen an den Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Arbeitslose) ist. Im Jahr 2022 lag die Arbeitslosenquote in Österreich durchschnittlich bei 6,3 Prozent (Arbeitslosigkeit von durchschnittlich 332.645 Personen). Im Jahr 2023 war mit durchschnittlich 341.319 arbeitslosen Personen lediglich eine leichte Steigerung zu beobachten. Das entsprach eine durchschnittlichen Arbeitslosigkeit von 6,4 Prozent über das ganze Jahr betrachtet.

Arbeitslosenquote in Österreich im Jahr 2024 laut AMS:

  • April 2024: 6,8 Prozent
  • März 2024: 6,9 Prozent
  • Feber 2024: 7,6 Prozent
  • Jänner 2024: 8,1 Prozent

Arbeitslosenquote in Österreich im Jahr 2023 laut AMS:

  • Dezember 2023: 7,8 Prozent
  • November 2023: 6,5 Prozent
  • Oktober 2023: 6,3 Prozent
  • September 2023: 5,9 Prozent
  • August 2023: 6,1 Prozent
  • Juli 2023: 5,9 Prozent
  • Juni 2023: 5,7 Prozent
  • Mai 2023: 5,9 Prozent
  • April 2023: 6,2 Prozent
  • März 2023: 6,2 Prozent
  • Feber 2023: 7,0 Prozent
  • Jänner 2023: 7,5 Prozent

Ursachen für die Arbeitslosigkeit in Österreich

Die Ursache für Arbeitslosigkeit ist, dass Arbeitskräfteangebot und -nachfrage nicht zusammenpassen. Das bedeutet, dass Unternehmen zu wenige offene Stellen anbieten, deren Arbeitsbedingungen den Anforderungen der Arbeitssuchenden entsprechen. Weil die Gründe dafür sehr komplex sind, unterscheidet die Wissenschaft drei verschiedene Arten von Arbeitslosigkeit.

  • Saisonale Arbeitslosigkeit entsteht aufgrund von Schwankungen in der Nachfrage nach Arbeitskräften im Laufe des Jahres. Diese Schwankungen können klimatische oder gesellschaftliche Hintergründe haben. Sie tritt vor allem in Branchen wie Tourismus, Landwirtschaft oder Bauwesen auf. Betroffene Beschäftigte müssen daher im Jahresverlauf regelmäßig zwischen Beschäftigung und Arbeitslosigkeit wechseln.
  • Konjunkturelle Arbeitslosigkeit schwankt mit der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und dem Wirtschaftswachstum. In Zeiten wirtschaftlicher Rezessionen nimmt die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen ab. Unternehmen drosseln ihre Produktion, was zu Entlassungen führt. Bei einer wirtschaftlichen Erholung steigt die Nachfrage wieder an, und Unternehmen stellen vermehrt Arbeitskräfte ein.
  • Friktionelle Arbeitslosigkeit tritt aufgrund des natürlichen Wechsels von Arbeitsplätzen im Laufe des Erwerbslebens auf. Beschäftigte befinden sich in einer Übergangsphase zwischen zwei Arbeitsverhältnissen, die entweder freiwillig, beispielsweise aus persönlichen Gründen oder zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, oder unfreiwillig, durch Kündigung oder Betriebsschließungen, erfolgt. Die Dauer dieser Übergangsphase hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Verfügbarkeit von Informationen, die Mobilität der Arbeitnehmer und die Vermittlungsaktivitäten des Arbeitsmarktservices (AMS).
  • Strukturelle Arbeitslosigkeit entsteht durch langfristige Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur, wie technologischen Fortschritt, Globalisierung, Umweltschutz oder demografischen Wandel. Solche Veränderungen führen dazu, dass bestimmte Branchen, Regionen oder Qualifikationen an Bedeutung verlieren oder überflüssig werden, während andere an Bedeutung gewinnen oder neu entstehen. Dies führt zu einem Missverhältnis zwischen dem Angebot und der Nachfrage nach Arbeitskräften.

Wie melde ich mich arbeitslos?

Wer in Österreich lebt und bereits arbeitslos ist oder den Tag kennt, an dem er arbeitslos sein wird, kann sich beim AMS arbeitslos melden. Wer sich erst meldet, wenn er schon länger arbeitslos ist, hat Lücken im Leistungsbezug und in der Kranken- und Pensionsversicherung. Arbeitslos melden können Sie sich telefonisch unter 050-904 140 oder Persönlich auf einer AMS-Geschäftsstelle. Außerdem bietet das AMS die Funktion an, sich über ein online eAMS-Konto anzumelden.

Um sich arbeitslos zu melden, müssen Sie folgenden Daten weitergeben:

  • Name (Vorname und Zuname)
  • Sozialversicherungsnummer
  • vollständige Adresse
  • Beruf
  • letzte Beschäftigung und Zeitpunkt, wann diese geendet hat oder enden wird
  • Kontaktdaten (Telefonnummer, E-Mail-Adresse)

Auswirkungen von Arbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit hat eine ganze Reihe negativer Auswirkungen auf die betroffenen Menschen und die Gesamtwirtschaft. Das bekommt daher eine hohe Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Regierungen werden auch daran gemessen, ob es ihnen gelungen ist, die Arbeitslosigkeit zu senken. Sie gilt als gravierendes gesellschaftliches Problem.

Die offensichtlichsten Auswirkungen von Arbeitslosigkeit sind die finanziellen Einbußen. Die finanzielle Unabhängigkeit und damit auch die Zugehörigkeit zur Gesellschaft sind in unserem Wirtschaftssystem an die Einkünfte aus einer Erwerbsarbeit gekoppelt. Arbeitslose müssen mit einem geringeren Einkommen auskommen, das oft nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu sichern. Sie sind daher auf staatliche Unterstützung angewiesen. Diese Menschen können armutsgefährdet sein.

Ein Schild des Arbeitsmarktservice AMS an der Wand eines Gebäudes. Symbolbild für die Arbeitslosigkeit in Österreich.
Arbeitslosigkeit ist in Österreich Sache des AMS. | © Adobestock/elmar gubisch

Physische und psychische Folgen von Arbeitslosigkeit

Nicht unterschätzt werden dürfen zudem die psychischen Folgen von Arbeitslosigkeit. Eine Arbeitsstelle zu haben wir als „normal“ angesehen, arbeitslos zu sein ist häufig immer noch ein Stigma. Arbeitslose leiden oft unter einem Verlust von Selbstwertgefühl, Anerkennung und Sinnhaftigkeit. Sie fühlen sich nutzlos, isoliert und perspektivlos. Sie haben Schwierigkeiten, sich selbst zu motivieren, neue Ziele zu setzen und aktiv zu bleiben.

Damit hängen auch die gesundheitlichen Aspekte der Arbeitslosigkeit zusammen. Arbeitslose Menschen haben in höheres Risiko für verschiedene körperliche und psychische Erkrankungen, die durch Stress, Angst, Langeweile, mangelnde Bewegung und ungesunde Ernährung verursacht oder verstärkt werden können. Sie haben auch einen schlechteren Zugang zu medizinischer Versorgung und Prävention. Das alles kann auch die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt erschweren. 

Auch gesellschaftlich kann Arbeitslosigkeit dramatische Folgen wie kulturelle und soziale Isolation, Stigmatisierung, familiäre Spannungen und private Konflikte haben. Betroffene Menschen verlieren oft den Kontakt zu ihren ehemaligen Kolleg:innen und anderen Erwerbstätigen. Sie haben weniger Möglichkeiten, an gesellschaftlichen und kulturellen Aktivitäten teilzunehmen oder neue soziale Beziehungen aufzubauen. Darüber hinaus werden sie von Teilen der Gesellschaft und Politik als faul wahrgenommen.

Langzeitarbeitslosigkeit und Gramtneusiedl

Langzeitarbeitslosigkeit gilt in der Arbeitsmarktpolitik als besonders schwerwiegendes Problem. Zu dieser Gruppe zählen Personen, die ein Jahr lang ununterbrochen arbeitslos waren. In Österreich trifft das – je nach Bundesland – auf jeden vierten bis dritten arbeitslos gemeldeten Menschen zu. Bei Langzeitarbeitslosigkeit kommt eine Spirale in Gang. Menschen, die länger arbeitslos sind, tun sich schwerer eine Stelle zu finden. Je schwerer es wird, desto länger dauert die Arbeitslosigkeit. Menschen, die in die Langzeitarbeitslosigkeit rutschen, erhalten kein Arbeitslosengeld mehr, sondern die Notstandshilfe. Diese ist noch einmal geringer, was die Armutsgefährdung verschärft.

Die niederösterreichische Gemeinde Gramatneusiedl beweist allerdings, wie Langzeitarbeitslosigkeit abgeschafft werden kann – mit dem „Modellprojekt Arbeitsplatzgarantie Marienthal“ (MAGMA). Dabei handelt es sich um eine lokale Jobgarantie. Dabei macht der Staat langzeitarbeitslosen Menschen ein Jobangebot. Mit vernünftiger Bezahlung in einer gemeinnützigen Tätigkeit. Diese Aufgaben helfen, das Leben für alle in der Gemeinde zu verbessern. Und gleichzeitig die Teilnehmer:innen für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Denn auch das ist eine Folge von Langzeitarbeitslosigkeit. Dabei verlernen Betroffene einst erarbeitete Qualifikationen.

Arbeitslosigkeit in Österreich in Kürze

  • Arbeitslosigkeit kann für die betroffenen Menschen zu einem ernsten Problem werden, dass Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit hat.
  • Die Ursachen für Arbeitslosigkeit sind komplex. In der Wissenschaft wird zwischen konjunktureller, struktureller, friktioneller und saisonaler Arbeitslosigkeit unterschieden.
  • Eine Möglichkeit, Arbeitslosigkeit, vor allem aber Langzeitarbeitslosigkeit, abzuschaffen, ist eine Jobgarantie.

Häufige Fragen zu Arbeitslosigkeit:

Wie hoch ist die Arbeitslosigkeit in Österreich?
Im Jahr 2023 waren durchschnittlich 341.319 Personen arbeitslos. Im April 2024 waren in Österreich 36.847 Menschen erwerbslos gemeldet (inklusive 80.288 Schulungsteilnehmer:innen). Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 6,8 Prozent. So hat sich die Arbeitslosigkeit in Österreich im vergangenen Jahr entwickelt:

  • April 2024: 6,8 Prozent
  • März 2024: 6,9 Prozent
  • Februar 2024: 7,6 Prozent
  • Jänner 2024: 8,1 Prozent
  • Dezember 2023: 7,8 Prozent
  • November 2023: 6,5 Prozent
  • Oktober 2023: 6,3 Prozent
  • September 2023: 5,9 Prozent
  • August 2023: 6,1 Prozent
  • Juli 2023: 5,9 Prozent
  • Juni 2023: 5,7 Prozent
  • Mai 2023: 5,9 Prozent
  • April 2023: 6,2 Prozent
Was ist Arbeitslosigkeit?
Das Arbeitsmarktservice (AMS) definiert in Österreich Arbeitslosigkeit. Wer unfreiwillig keiner Beschäftigung nachgehen kann, aber bereit wäre, eine Stelle anzunehmen, gilt als arbeitslos. Schüler:innen, Menschen, die Familienangehörige pflegen, Student:innen und Pensionist:innen fallen nicht in diese Gruppe.
Welche Ursachen gibt es für Arbeitslosigkeit?
Die grundsätzliche Ursache für Arbeitslosigkeit ist eine Differenz zwischen dem Arbeitskräfteangebot und -nachfrage. Unternehmen bieten also keine Stellen an, die den Anforderungen der Arbeitskräfte entsprechen. Diese Differenz kann viele Gründe haben. Zu den gängigsten Ursachen zählen die konjunktureller, struktureller, friktioneller und saisonaler Arbeitslosigkeit.

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Über den/die Autor:in

Christian Domke Seidel

Christian Domke Seidel hat als Tageszeitungsjournalist in Bayern und Hessen begonnen, besuchte dann die bayerische Presseakademie und wurde Redakteur. In dieser Position arbeitete er in Österreich lange Zeit für die Autorevue, bevor er als freier Journalist und Chef vom Dienst für eine ganze Reihe von Publikationen in Österreich und Deutschland tätig wurde.

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