Geht’s uns nicht gut?

Wirtschaftswachstum soll für Arbeitsplätze und Wohlstand sorgen. Nur geht die Rechnung nicht auf. Warum unser Wohlstand sinkt und wie wir gegensteuern können.

Standpunkt

Irene Steindl
Chefredaktion

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Danke der Nachfrage, tatsächlich könnte es besser sein, denn Österreichs Wohlstand schwindet – das zeigt der jüngste Wohlstandsbericht der Arbeiterkammer Wien. Der Bericht formuliert fünf Hauptziele einer wohlstandsorientierten Wirtschaftspolitik: fair verteilter materieller Wohlstand, Vollbeschäftigung und gute Arbeit, hohe Lebensqualität, intakte Umwelt und ökonomische Stabilität. Erschreckend dabei: Zum ersten Mal seit sechs Jahren verzeichnen alle Wohlstandsindikatoren Rückschritte. Besonders alarmierend sind die explodierenden Wohnkosten.

Was hat die Regierung unternommen, um die Teuerung einzudämmen? Wenig! Allein die Energiekrise als hauptverantwortlich für die Teuerung zu benennen greift zu kurz. Auch Unternehmensgewinne in bestimmten Branchen treiben die Inflation voran. Daher ist es dringend notwendig, die Löhne im Einklang mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten zu erhöhen, um die Kaufkraft zu erhalten und Reallohnverluste abzuwehren. Den diesjährigen Herbstlohnrunden kommt deshalb enorme Bedeutung zu, um den Wohlstand der Arbeitenden zu sichern.

Traditionell messen wir den Wohlstand am Bruttoinlandsprodukt, also der Wirtschaftsleistung des Landes. Das BIP sagt jedoch nichts darüber aus, wie Wohlstand verteilt ist. Und viele Faktoren, die Wohlstand beeinflussen, umfasst es erst gar nicht, etwa Bildung, Gesundheit, persönliche Zufriedenheit, Umwelt- und Klimaaspekte. Angesichts der Klimakrise werden zunehmend Stimmen laut, die mahnen, dass ein unbegrenztes Wachstum auf einem begrenzten Planeten nicht möglich sei. Auch große Institutionen wie die Europäische Union oder die Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) machen sich bereits Gedanken über alternative Wohlstandsindikatoren.

Die gute Nachricht: Es gibt Alternativen. Der Wohlstandsbericht der Arbeiterkammer Wien weist den Weg zu einer wohlstandsorientierten Wirtschaftspolitik. Auch die Idee der Besteuerung von Superreichen, wie sie Millionenerbin Marlene Engelhorn fordert, könnte dringend benötigte Mittel für Investitionen in Bildung und den Klimaschutz bereitstellen, von denen nicht nur Spitzenverdiener:innen profitieren.

Der renommierte französische Ökonom Thomas Piketty bringt unser „Wohlstandsproblem“ auf den Punkt: „Wir waren als Gemeinschaft noch nie so reich wie heute. Die Behauptung, dass wir uns das nicht leisten können, klingt für mich verrückt.“

In dieser Ausgabe:

  • Die Vermessenheit des Wohlstands
    Das Bruttoinlandsprodukt steht zunehmend in der Kritik, nichts über Wohlstand auszusagen: Denn während das BIP in den vergangenen Jahren anstieg, sinkt der Wohlstand im Land. Wer hat sich vermessen? Dieser Frage geht Johannes Greß in der Coverstory nach.

  • Welchen Wohlstand brauchen wir?
    Die große Frage beantwortet Ulrich Brand 

  • Da müssten Alarmglocken schrillen
    Wir haben jetzt schon den höchsten Kaufkraftverlust seit Beginn der Zweiten Republik, beklagt der neue Metaller-Chefverhandler Reinhold Binder im Interview mit Alexia Weiss. Kürzere Arbeitszeiten sind für ihn ein Muss, ein gesetzlicher Mindestlohn ein No-Go.

  • Inflationäre Fehlentscheidungen
    Wer von der Inflation profitiert und wer verliert

  • Was beschäftigt aktuell Betriebsrät:innen?
    Drei Betriebsrät:innen im Blitzlicht

  • Was man sich wirklich sparen könnte
    Sozialökonomische Betriebe kämpfen gegen Spardruck

  • Schauplatz Bauplatz
    Reportage zum ÖBB-Pumpspeicherkraftwerk Tauernmoos

  • Besteuert endlich die Superreichen!
    Im Gespräch mit der Millionenerbin Marlene Engelhorn

  • Kohle mit Ende
    Deutschland will bis 2038 raus aus der Kohleverstromung

  • Öffentliches Vermögen für ein gutes Leben
    Eine Analyse aus dem A&W-Blog

  • Wie Wohnen leistbar wird
    Inflation, Spekulation und Mietpreisexplosion: Die Wohnkosten wachsen vielen Menschen über den Kopf. Deshalb sind massive Investitionen in gemeinnützigen und sozialen Wohnbau jetzt ein Gebot der Stunde, wie Robert Misik recherchiert hat.

  • Alles andere als harmlos
    Historie: Ökonom Thomas Piketty über steigende Ungleichheit

  • Das Geld ist da, der Wille fehlt
    Das letzte Wort hat Helene Schuberth

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