Autor*in – A&W Print

A&W PrintZehn Mal im Jahr erscheint die Zeitschrift Arbeit&Wirtschaft als Schwerpunktheft. Die Beiträge unserer Autorinnen und Autoren übernehmen wir in unser Online-Magazin.

Foto (C) Jai Wanigesinghe

Mit Szenarien in die Zukunft

Das Projekt „Mitbestimmung 2035“ stellt für die Diskussion über die Zukunft von Arbeit und Mitbestimmung interessante Grundlagen zur Verfügung.

Solidarische Instrumente

In Österreich gelten für die meisten Beschäftigten Branchenkollektivverträge. Das bringt viele Vorteile. Dennoch wird das in Europa immer mehr zur Ausnahme.

Foto (C) Archiv der Gewerkschaft PRO-GE/ANG-Archiv.

Kämpfe im Wandel

Im Jahr 1919 hat Österreich als erster demokratischer Staat den Betriebsrat eingeführt. Ein Streifzug durch 100 Jahre Geschichte.

Foto (C) ÖGB-Verlag/Michael Mazohl

Weibliche Interessen

Seit mehr als 100 Jahren setzen sich Frauen für ihre KollegInnen ein. An vielen Stellen dominieren aber weiter die Männer.

Foto(C) ÖGB-Archiv

Historie: Initiative M

Seit das Mitbestimmungsrecht der jungen ArbeitnehmerInnen im Betrieb gilt, ist die Gewerkschaftsjugend Schutzschild der JugendvertrauensrätInnen.

Nicht zuletzt: Die Freizeit hoch!

Nicht zuletzt: Die Freizeit hoch!

ie Arbeit hoch: So heißt das klassische Lied der österreichischen Arbeiterbewegung, das auf unzähligen Kundgebungen gesungen wurde und wird. Genauso wie in früheren Zeiten ist es auch heute notwendig, auf die Bedeutung menschlicher Arbeit zu verweisen: für die eigene Sinnstiftung, für die Schaffung von Mehrwert und Produktivität als Grundlage für ein gutes Leben aller.
Beim Kult um die Bedeutung der Arbeit in unserer Bewegung ist vielleicht manchmal der Gedanke zu kurz gekommen, dass das Leben, wenn es ein gutes sein soll, nie die Arbeit allein ausmacht. Die freie Zeit ist es doch, die wir genießen, die wir mit unseren Liebsten verbringen wollen – Zeit zum Spielen, auch zum Faulenzen, ja, und manchmal auch zum Ausschlafen –, die das Leben erst lebenswert macht. Neueste Studien und unsere Erfahrungen im Kontakt mit den Beschäftigten zeigen, dass insbesondere Jüngere zwar gerne und mit Leidenschaft eine gute Arbeit in einem guten Arbeitsklima verrichten. Gleichzeitig aber legen sie immer mehr Wert auf eine bewusste Gestaltung ihrer Freizeit. Überlange Arbeitszeiten und eine Erreichbarkeit rund um die Uhr sind längst nicht mehr „in“. Man will freie Zeit genießen und dafür entsprechende Rahmenbedingungen gesichert haben.
Gewerkschaften waren schon immer die wirksamste und erfolgreichste Bewegung, wenn es darum ging, menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen durchzusetzen. Der Kampf um den 8-Stunden-Tag stand am Beginn unserer Bewegung, und die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung war und ist immer ein fixer Bestandteilt unserer Agenda.

Es geht um eine Gestaltung der Arbeitszeit, die ein Mehr an Selbstbestimmung ermöglicht.

Was sich in letzter Zeit gewandelt hat, ist, dass es dabei um mehr geht als um eine lineare Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit. Vielmehr geht es um eine Gestaltung der Arbeitszeit, die ein Mehr an Selbstbestimmung ermöglicht, Beispiel: 4-Tage-Woche. Sie wurde etwa bei den jüngsten KV-Verhandlungen im Handel durchgesetzt und ermöglicht es den Beschäftigten, längere durchgehende Freizeitblöcke zu genießen.
Zuspruch für weniger Arbeitszeit
Erste Erfahrungsberichte zeigen, dass dieses Modell sehr viel Zuspruch findet. Ein Beispiel dafür ist die Freizeitoption. Erstmals in der Elektroindustrie durchgesetzt, kann bei diesem Modell eine Ist-Gehaltserhöhung in eine dauerhafte Arbeitszeitverkürzung umgewandelt werden. Wichtig dabei ist, dass es sich um eine freiwillige Möglichkeit handelt. Interessanterweise nehmen sehr viele junge Beschäftigte diese Option in Anspruch, was einmal mehr beweist, dass mehr Freizeit heute eine immense Bedeutung für die Beschäftigten hat.

Und was macht die Regierung? Sie bedient primär die Interessen der Großindustrie nach einer möglichst schrankenlosen Ausbeutung der Arbeitskraft durch die Ermöglichung überlanger Arbeitszeiten von 60 Stunden pro Woche.

Und was macht die Regierung? Sie bedient primär die Interessen der Großindustrie nach einer möglichst schrankenlosen Ausbeutung der Arbeitskraft durch die Ermöglichung überlanger Arbeitszeiten von 60 Stunden pro Woche. Hätten wir als Gewerkschaftsbewegung nicht so massiv gegen dieses Gesetz angekämpft, so wäre sicher weder das Prinzip der Freiwilligkeit (auch wenn es ein zweifelhaftes Recht ist) in den Gesetzestext gekommen noch die Klarstellung, dass günstigere Regelung aus Betriebsvereinbarungen oder Kollektivverträgen nicht unterlaufen werden dürfen.
Als Gewerkschaftsbewegung werden wir die Bemühungen für neue, innovative Arbeitszeitregeln, die den Bedürfnissen der Beschäftigten nach Selbstgestaltung gerecht werden, weiter intensivieren. Alles über einen Kamm zu scheren, wie es die Regierung tut, ist in Sachen Arbeitszeit jedenfalls der falsche Weg. Jede Branche, jede/r Beschäftigte/r in seinen oder ihren unterschiedlichen Lebensphasen hat unterschiedliche Bedürfnisse. Dort, wo wir Gestaltungsmacht haben, nämlich auf der Ebene der Kollektivverträge oder auch auf der betrieblichen Ebene, versuchen wir weiterhin, das gemeinsam mit den BetriebsrätInnen umzusetzen. Leider fehlt uns derzeit auf der Regierungsebene ein Gegenüber, das gewillt ist, ein Herz für die sozialen Anliegen der Beschäftigten zu zeigen. Aber wir werden sicher nicht lockerlassen, denn mehr und planbare Freizeit ist für ein gutes Leben von entscheidender Bedeutung.

Vorsicht vor den Nebenwirkungen!

Als Faustregel gilt: Je anstrengender die Arbeit, desto kürzer die Arbeitszeit. Wenn dieser Zusammenhang ignoriert wird, steigt das Unfallrisiko und Fehler häufen sich.