Luft nach oben

Ausgabe Jänner 2022: Ein weiteres Corona-Semester liegt hinter Tausenden Schüler:innen, Lehrer:innen und Eltern. Doch die Bildung und ihre Probleme reichen weit über die Schule hinaus.

Standpunkt

Anja Melzer
Chefin vom Dienst

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Aller Anfang ist schwer

Wenn Sie diese Ausgabe in Ihren Händen halten, wird meine Tochter gerade ihr Halbjahreszeugnis ausgehändigt bekommen haben. (Hoffentlich persönlich, die Omikron-Viruswelle schwappt in den letzten Tagen auch an ihrer Schule mehr oder weniger knapp vorbei.) Sie ist neun Jahre alt, geht in die dritte Klasse einer Ganztagsvolksschule in Wien und ist in ihrer gesamten Schullaufbahn mehr Tage mit Schutzmaske als ohne im Unterricht gesessen. Das Schreibschriftlernen – Stoff der zweiten Klasse, die sie lockdownbedingt über weite Strecken in unserer kleinen Wohnung verbrachte – habe ich ihr als alleinerziehende Mutter am Küchentisch beigebracht. Dass sie bis heute ein bisschen zu krakelig und manchmal noch immer falsch die Buchstaben formt, ist wohl also auch meinen mangelnden Pädagogikkenntnissen in der Schriftlehre sowie zeitgleicher Homeoffice-Auslastung zuzuschreiben. Dabei wird sie gerade das Schreiben ihr ganzes Leben lang begleiten.

„Ein Leben lang“ – das ist auch der Titel unserer diesmaligen Coverstory, und genau darum geht es: um lebenslanges Lernen. „Von der Wiege bis zur Bahre“, heißt es, „gibt es nicht nur Seminare“, das sollte man dazusagen. Denn Bildung beginnt nicht erst in der Schule, und sie endet auch nicht am letzten Schultag. Beides vergisst man gerne, insbesondere dann, wenn es darum geht, das Ganze zu finanzieren. Außerdem erschreckend: In Österreich wird Bildung so stark wie in fast keinem anderen europäischen Land vererbt – bis heute. Vom Bildungsgrad der Eltern hängt ab, welchen Weg das Kind einschlägt. Nur drei von 100 Kindern, deren Eltern den Pflichtschulabschluss haben, wechseln auf eine AHS. In Akademiker:innenhaushalten ist es dagegen jedes zweite Kind. Es zeigt sich, dass die meisten Probleme schon lange vorher da waren, die Pandemie hat sie nur verschärft oder sichtbarer gemacht.

Dieses Heft nimmt Sie mit auf einen bunten Rundgang: in die Kindergärten, die mehr sein müssen als „Abstell-Einrichtungen“, zu den Lehrlingen und deren Pandemie-Herausforderungen, in die gewerkschaftliche Erwachsenenbildung. Wir haben mit Betroffenen, Vorbildern und führenden Expert:innen gesprochen. Und am Schluss machen wir sogar einen Abstecher nach Island! Lesen und lernen.

In dieser Ausgabe

  • Ein Leben lang
    Über ein politisches Schlachtfeld namens Bildung
  • Wie bekommen Kinder von Anfang an gleiche Chancen?
    Die „große Frage“ beantwortet von Ali Dönmez
  • In Kinder investieren
    Warum Elementarpädagog:innen noch immer protestieren
  • Was ist uns (Kinder-)Bildung wert?
    Jahr für Jahr wird zu wenig Geld für Kinder bereitgestellt
  • Wie Schule diskriminiert
    Nichts spielt in der Schule eine so große Rolle wie die soziale Herkunft. Sie bestimmt auch, wer gefährdet ist, Opfer struktureller Diskriminierung zu werden. Alexia Weiss hat sich angesehen, wie man Ungleichbehandlung & Co. endlich aufbrechen kann.
  • Stimmungskiller Pandemie
    Eine Reportage bei „Jugend am Werk“
  • Worum es heuer gehen muss
    Die wichtigsten Vorsätze für 2022 auf einen Blick
  • Lebenslang lernen, lebenslang schuften
    Betroffene erzählen von ihrem zweiten Bildungsweg
  • Lernen am Esstisch statt in der Klasse
    Ein Beitrag auf dem A&W-Blog
  • Machtfaktor Bildung
    Wenn Betriebsrät:innen handlungsfähig bleiben wollen, brauchen sie gute Fortbildungen. Denn Wissen ist Macht. Irene Steindl hat sich in der gewerkschaftlichen Erwachsenenbildung umgesehen, denn auch die blieb nicht von Corona verschont.
  • Tagesschule statt Schlüsselkinder
    Über den langen Kampf für die Ganztagsschule
  • Dieses teure Leben
    Sie klettert hoch und immer höher: die Inflation. Die Auswirkungen davon spüren wir alle, insbesondere bei den Preisen für Strom, Benzin und Gas. Stefan Mayer hat in die Geschichte der Inflation geblickt und sich nach Lösungen für die aktuelle Lage umgehört.
  • Insel der Seligen?
    Besuch bei Österreicher:innen im fortschrittlichen Island
  • Die fetten Jahre sind vorbei
    Das letzte Wort hat Willi Mernyi
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