Was ist uns (Kinder-)Bildung wert?

In Österreich wird Jahr für Jahr zu wenig Geld für Bildung in die Hand genommen, jedes Bundesland hat eigene Regelungen. Das alles bleibt nicht ohne Auswirkungen.
Budget ist in Zahlen gegossene Politik. Glaubt man dieser Aussage, ist Bildung in Österreich wenig wert. Der Budgetentwurf für 2022 sieht wieder keinen Schwerpunkt für Bildung vor. Auch in der laufenden Finanzrahmenperiode 2022 bis 2025 sind von den 33 Milliarden Euro für budgetäre Schwerpunkte nur mickrige 72,2 Millionen Euro für Bildung budgetiert. Warum ist das so problematisch?

„Schon vor der Pandemie klaffte die Schere zwischen Bildungserfolg und sozioökonomischer Herkunft weit auseinander. In der Pandemie hat sich diese Situation verschärft“, so der AK-Bildungsökonom Philipp Schnell. Problematisch sei das vor allem für jene Schüler:innen, die jetzt schon Schwierigkeiten im Bildungssystem haben. Angesichts der Diskussion um Fachkräftemangel und steigender Jugendarbeitslosigkeit erscheine es fast zynisch, das Bildungsbudget nicht aufzustocken. Nach viel Kritik hat das Bundesministerium Mitte Jänner die Förderstunden um 109 Millionen Euro aufgestockt und fünf Millionen für Fördermaßnahmen rund um die Matura bereitgestellt – zumindest ein erster Schritt.

Wie gehen andere Länder mit diesen Herausforderungen um? Zwei Drittel der OECD-Länder haben als Reaktion auf die Pandemie die Bildungsausgaben erhöht, vor allem im Pflichtschulbereich. Die Niederlande etwa gaben 2021 rund 700 Euro pro Schüler:in für das Aufholen von Lernrückständen aus. In Österreich sind es rund 200 Euro.

Auch bei den Ausgaben für die Elementarpädagogik hinkt Österreich international nach. Im Durchschnitt geben EU-Länder ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Elementarbildung – also Kindergärten und -krippen – aus. Österreich investiert im Schnitt rund ein Drittel weniger in die Bildung der Kleinkinder. Nur Wien erreicht erstmals Ausgaben von einem Prozent des BIPs. Während im Regierungsprogramm noch eine „substanzielle Aufstockung“ der Mittel für die Elementarpädagogik angekündigt war, findet sich diese nicht im Budget.

„Die Elementarpädagogik kommt im Budget viel zu kurz“, kritisiert Judith Hintermeier, Frauenreferentin der Gewerkschaft younion. Der Mehraufwand seit Corona sei enorm – das Administrieren von Testungen, die Reinigungen, der Austausch mit den Gesundheitsbehörden. Es brauche dringend mehr Geld, um das Personal aufzustocken, um kleinere Gruppen zu ermöglichen und mehr Standorte zu schaffen. „Wir müssen jene Rahmenbedingungen schaffen, die die Kinder zum Lernen brauchen.“ Das Hauptproblem aber, so Hintermeier, seien die unklaren Zuständigkeiten: „Wir haben neun unterschiedliche Regelungen in neun Bundesländern. Das schafft ungleiche Chancen, je nachdem, in welcher Gemeinde Kinder aufwachsen.“ Damit Kinder unabhängig ihrer sozialen Herkunft die gleichen Chancen haben, fordern die Sozialpartner:innen und die Industriellenvereinigung einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ab dem ersten Geburtstag, längere Öffnungszeiten, ein zweites kostenloses Kindergartenjahr und zusätzliche Fachkräfte. Das erfordert eine Milliarde Euro jährlich.

Über den/die Autor*in

Irene Steindl

Irene Steindl ist freie Redakteurin und Schreibtrainerin für berufliches, journalistisches und kreatives Schreiben. Am Schreiben liebt sie vor allem den Prozess – wie aus Ideen ausgehreife Texte entstehen. Sie begleitet Privatpersonen und Unternehmen dabei, die richtigen Worte für den richtigen Anlass zu finden - für Magazintexte, Newsletter, Blogbeiträge, Flyer oder Sachbücher.

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