Viele Familien können sich die Schulkosten nicht leisten

Schulranzen stehen in einer Reihe. Symbolbild für die Schulkosten in öÖsterreich.
Mit dem neuen Schuljahr kommen auf die Eltern steigende Schulkosten zu. | © Adobe Stock/Gilbert Gulben
Der schulische Erfolg hängt in Österreich für Kinder zu einem hohen Grad von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern ab. Eine neue IFES-Studie zeigt, welche Maßnahmen Abhilfe schaffen könnten.
Eine neue IFES-Studie zeigt, welche Probleme Eltern mit der aktuellen Inflation im Bildungsbereich haben. Das ist doppelt dramatisch. Denn nicht nur, belasten die Schulkosten die Familien finanziell, sondern sie behindern auch den schulischen Erfolg der Kinder. Denn der ist in Österreich zu großen Teilen von der ökonomischen Situation der Eltern abhängig. Und es könnte noch schlimmer werden. Im September 2022 war die Inflation in Österreich zweistellig.

Inflation: Schulkosten belasten Familien

Anfang September war es so weit. Nach neun Ferienwochen mussten die Schüler:innen wieder zurück in die Schulen. Die einen freuten sich darauf wieder Freund:innen und Lehrer:innen zu sehen und die anderen hätten vielleicht noch gerne die ein oder andere Woche Entspannung mehr gehabt. Schulstart bedeutet nicht nur für die Kinder und Jugendlichen die Rückkehr in die Lernrealität, sondern es ist auch für die Eltern jedes Jahr eine Herausforderung. Denn die Schule und alles, was dazugehört, ist teuer. Das legte nicht zuletzt die Coronakrise offen, als plötzlich auf Heimunterricht umgestellt werden musste und Eltern vor dem Problem standen, Computer zu kaufen.

Eine Schülerin lehnt ihren Kopf an der Tafel an. Symbolbild für Schulkosten in Österreich.
Die Schule schafft es nicht, allen Kindern den Schulstoff zu vermitteln. Eltern, die es sich leisten können, gleichen das mit teurer Nachhilfe aus. | © Adobe Stock/detailblick-foto

Durch die akute Teuerung in diesem Jahr kämpfen viele Familien und alleinerziehende Mütter und Väter mit den finanziellen Herausforderungen, die auf sie in den kommenden Monaten auf sie zukommen werden. Die Arbeiterkammer Wien wollte es genauer wissen, wie die Eltern das Schuljahr 2022/23 und die anfallenden Schulkosten einschätzen. Daher beauftragte sie das IFES-Institut eine Studie durchzuführen. 809 Eltern wurden in den Monaten Juli und August dafür befragt.

Schulmaterial, Exkursionen, Nachhilfe: Ein teures Schuljahr

Die Ergebnisse sind alles andere als erfreulich, denn viele Erziehungsberechtigte kämpfen mit Geldsorgen und müssen auch bei den Bildungsausgaben ihrer Kinder sparen. „Eltern können sich das Schulmaterial oder Ausflüge der Kinder nicht leisten und sie können oftmals auch nicht mehr die Ganztagsschule bezahlen“, sagt Renate Anderl, Präsidentin der AK.

Fast alle Menschen spüren die Teuerung. Auch Familien mit mittleren Einkommen gaben bei der Befragung an, dass weniger Geld im Börsel ist als noch vor einigen Monaten. „Die IFES-Studie zeigt, dass die Teuerung schon längst bei den Eltern angekommen ist. 93 Prozent geben an, dass sie die Auswirkungen spüren “, sagt Elke Larcher, die Bildungsexpertin der AK. Der Großteil der Eltern geht davon aus, dass sich an den gestiegenen Ausgaben nicht viel ändern wird. Sie rechnen mit einem teuren Schuljahr, in dem Exkursionen, Schulmaterialien und die Nachhilfe kostspielig werden.

Schulischer Erfolg ist vom Einkommen der Eltern abhängig

In Österreich hängt der schulische Erfolg stark von drei Komponenten ab – Zeit, Geld und die Bildung der Eltern. Passen diese drei Faktoren, steht einem Erfolg nicht mehr viel im Weg. Sollten die Eltern keine Akademiker:innen sein oder die Matura haben, weniger Einkommen erhalten oder Zeit für die Kinder fehlen (wegen des Jobs, oder weil sie alleinerziehend sind), wird es in Österreich eng mit dem schulischen Erfolg. „Die Schule ist daher in einem gewissen Maße privatisiert. Kann man die Zeit aufbringen? Hat man das Geld dafür? Kann man die Kinder begleiten und unterstützen? Sonst wird es unheimlich schwer für manche Kinder“, sagt Anderl. Sie sieht das österreichische Schulsystem deshalb auch nicht zukunftsfit und krisenfest. Das gilt für alle Bildungsabschnitte.

In Oberösterreich hatten 21 Prozent aller Schüler:innen (insgesamt 36.000) im vergangenen Schuljahr Nachhilfe in Anspruch genommen. Die Eltern gaben dafür im Schnitt 570 Euro pro Kind aus. In Summe waren das 11,5 Millionen Euro, wie eine andre IFES-Studie, die ebenfalls im Auftrag der AK Oberösterreich durchgeführt wurde, ergab. Die Schule verfehlt hier also ihre ureigene Aufgabe. Nämlich den Kindern den Stoff ausreichend zu vermitteln. Das liegt jedoch nicht an der mangelnden Kompetenz der Lehrer:innen, sondern an den fehlenden finanziellen Mitteln und den dadurch fehlenden Lehrkräften.

Chancenindex als Ausweg aus Schulkosten-Falle

„Als Arbeiterkammer fordern wir, dass Schule so organisiert wird, dass Nachhilfe nur mehr eine absolute Ausnahme ist. Wie kann das gelingen? Es braucht die Zeit zum Üben und Fragen stellen, die Kinder und Jugendliche in der Nachhilfe bekommen, auch in der Schule. Für uns bedeutet das eine Schulfinanzierung nach dem AK-Chancenindex“, sagt Larcher.

Bei dem AK-Chancenindex handelt es sich um einen Forderungskatalog, wie man die Schule der Zukunft gerecht finanzieren kann. Das Modell orientiert sich an internationalen Beispielen, die zeigen, wie es auch gehen kann. So ist beispielsweise neben der Basisfinanzierung der Schulen ein gestaffelter Chancenindex-Zuschlag eine denkbare Lösung. Dabei geht es darum, dass Schulen mit individuell anfallenden Zusatzaufgaben in Form eines Stufenmodells finanziell besser ausgestattet werden. So könnten in den jeweiligen Fällen mehr Lehrer:innen, Schulpsycholog:innen oder Sozialarbeiter:innen angestellt, oder die Gelder für Fortbildungen, Bildungsgerechtigkeit und Schulentwicklung verwendet werden.

Fairness und Gerechtigkeit statt steigender Schulkosten

Profitieren würden davon so gut wie alle Schulen. Pro Schuljahr würden sich die Kosten auf insgesamt 300 Millionen Euro belaufen. 176 Millionen für Volksschulen und 132 für Mittelschulen. Eine „Investition in mehr Gerechtigkeit“, wie die AK betont. Martin Polaschek (ÖVP), der Bildungsminister, ist gefordert, die Schule fairer und fit für die Zukunft zu machen. Denn die Eltern fühlen sich von der Politik kaum gehört und Diskriminierung im Bildungsbereich ist in Österreich seit Jahren Alltag.

„Eltern haben das Gefühl, dass die Politik nicht die passenden Rahmenbedingungen schafft, dass ihre Kinder und Jugendlichen gut durch die Teuerung kommen. Sieben von zehn Eltern fühlen sich von der Politik im Stich gelassen“, sagt Larcher. Wenn man das Potenzial der Schüler:innen nutzen will und Chancengerechtigkeit nicht nur ein Schlagwort bleiben soll, dann braucht es Taten und die ausreichende Finanzierung der Schulen – wie es sich in einem Sozialstaat gehört. Denn Aufgaben sollten nicht nur die Schüler:innen, sondern auch die Politik machen müssen.

Über den/die Autor*in

Stefan Mayer

Stefan Mayer arbeitete viele Jahre in der Privatwirtschaft, ehe er mit Anfang 30 Geschichte und Politikwissenschaft zu studieren begann. Er schreibt für unterschiedliche Publikationen in den Bereichen Wirtschaft, Politik und Sport.

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