Länger arbeiten für eine bessere Pension? Unternehmen sind gefragt

Ein junger Mann und eine ältere Frau stehen und schauen in einen Laptop. Symbolbild für die Korridorpension.
Ohne die Unterstützung der Unternehmen kann keine gute Arbeitswelt für ältere Arbeitnehmer:innen entstehen. |©Adobestock/NDABCREATIVITY
Eine neue WIFO-Studie zeigt: Längeres Arbeiten bewirkt ein höheres Pensionseinkommen. Doch Unternehmen müssen für die Mitarbeiter:innen passende Rahmenbedingungen sorgen, denn nur so kann eine gute Arbeitswelt für ältere Arbeitnehmer:innen geschaffen werden, wie der AK-Pensionsexperte bekräftigt.
Das gesetzlich geregelte Pensionsantrittsalter in Österreich liegt bei 65 Jahren für Männer und bei 60 Jahren für Frauen. Ab dem Jahr 2024 wird jedoch auch das Antrittsalter für Frauen stückweise angehoben. Nach einer jährlichen Erhöhung um sechs Monate, heißt es ab 2033, dass auch Frauen mit 65 das Regelpensionsalter erreicht haben werden. Die Korridorpension, die für Männer jetzt schon möglich ist, wird mit der Anhebung des Pensionsalters ab 2028 somit auch für Frauen vorteilhaft werden.

Bei der Korridorpension kann das Pensionsantrittsalter zwischen dem 62. und dem 68. Lebensjahr selbstbestimmt werden. Anspruch haben aktuell Personen, die mindestens 480 Versicherungsmonate vorweisen können, bei Pensionsantritt nicht in einer Pflichtversicherung pensionsversichert sind und die keiner sonstigen selbstständigen oder unselbstständigen Erwerbstätigkeit nachgehen, die über der Geringfügigkeitsgrenze von 500,91 Euro liegt.

Korridorpension: Aufschub möglich, aber keine Allgemeinempfehlung

Ein Aufschub von einem Jahr bringt rund zehn Prozent mehr Pension – natürlich nur, wenn es die psychischen und physischen Möglichkeiten zulassen. „Schwerarbeiter können aus guten Gründen nach 45 Versicherungsjahren mit 60 in Pension gehen, sie haben zum einen eine kürzere Lebenserwartung und zum anderen ist die Ausübung von Schwerarbeit über das 60. Lebensjahr nicht zumutbar“, sagt Wolfgang Panhölzl, Pensionsrechtsexperte aus der Abteilung Sozialversicherung der AK Wien.

Nachdem bei der Korridorpension hohe
Abschläge vorgesehen sind, ist der Anreiz,
länger zu bleiben, beträchtlich.

Wolfgang Panhölzl, Pensionsrechtsexperte der AK Wien

Eine neue Studie des Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) hat nun untersucht, welche Auswirkungen eine längere Erwerbskarriere auf das Pensionseinkommen hat und zeigt, dass sich längeres Arbeiten auszahlen kann. Mit 100 bis 200 Euro netto (monatlich und 14-mal jährlich) mehr pro Arbeitsjahr, können Pensionist:innen rechnen. Jedoch profitieren nicht alle Berufsgruppen gleichermaßen. Personen, die im Verkauf, den personenbezogenen Dienstleistungen, in Handwerksberufen oder in der Maschinen- und Anlagenbedienung arbeiten oder als Hilfskräfte angestellt sind, müssen aufgrund der niedrigeren Einkommen mit geringeren Werten rechnen, während Arbeitnehmer:innen, die in der Technik angestellt oder akademische Fachkräfte sind, von höheren Werten ausgehen können.

Pensionszuschläge für längeres Arbeiten

Das Durchschnittsalter bei Pensionsantritt liegt bei 61,9 Jahren für Männer und bei 59,9 Jahren für Frauen. Nach erreichten 45 Einzahlungsjahren in die Pensionsversicherung steht einem:einer Pensionist:in mit 65 Jahren 80 Prozent des durchschnittlichen Erwerbseinkommens zu. Bei der Korridorpension gibt es hingegen für einen Antritt vor dem 65. Lebensjahr Abschläge für jedes Jahr weniger, sowie Zuschläge für jedes Jahr über dem Regelantrittsalter. Nimmt man als Beispiel eine Bürokraft, zeigt sich, dass die Person, wenn sie mit 62 in Pension geht, mit rund 500 Euro an Abschlägen zu rechnen hat, während sie mit der gleichen Summe zusätzlich rechnen kann, wenn sie sich entscheidet, bis 68 zu arbeiten.

Eine Anhebung des Regelpensionsalters wäre ungerecht.

Wolfgang Panhölzl, Pensionsrechtsexperte der AK Wien

„Die Korridorpension ermöglicht einen Pensionszugang ab dem 62. Lebensjahr, wenn mindestens 40 Versicherungsjahre vorliegen. Nachdem bei der Korridorpension hohe Abschläge vorgesehen sind, ist der Anreiz, länger zu bleiben, beträchtlich“, so Panhölzl. Die Zahlen für das Jahr 2021 zeigen, dass von 42.847 Männern, die insgesamt in Pension gingen, 9.225 (22 Prozent) die Möglichkeit wahrgenommen haben, mit der Korridorpension vor dem Erreichen des Regelpensionsantrittsalters von 65 Jahren, in Pension zu gehen.

Differenzierter Zugang notwendig

Wäre es daher insgesamt sinnvoll, später in Pension zu gehen? Nein, da es keine generellen Arbeitsbiografien gibt und in vielen Branchen ein längeres Arbeiten über das aktuelle Regelpensionsalter kaum möglich ist. „Eine Anhebung des Regelpensionsalters wäre ungerecht. Es gibt extreme Unterschiede von bis zu sieben Jahren bei der Lebenserwartung nach sozialen Status. Weiters nimmt die physische Leistungsfähigkeit zwischen dem 60. und 65. Lebensjahr rapide ab“ meint Panhölzl von der AK.

Es sind beispielsweise die Branchen Bau, Verkehr, Pflege oder auch Reinigung, welche körperlich sehr fordernd und anstrengend sind. Außerdem ist das Pensionsantrittsalter seit 2010 bei Frauen und Männern um mehr als 2,5 Jahre gestiegen. Denn das faktische Pensionsalter an das gesetzliche heranzuführen, hat einen breiten politischen Konsens. „Dieser Trend wird sich auch in den nächsten Jahren aufgrund der Anhebung des Frauenpensionsalters fortsetzen“, sagt Panhölzl und plädiert deshalb für einen differenzierten Zugang zum Thema.

Unternehmen müssen altersgerechtes Arbeiten ermöglichen

Wenn es physisch oder psychisch möglich ist, länger auf dem Arbeitsmarkt zu bleiben, dann kann es neben den finanziellen Anreizen auch sinnstiftend sein. Aber, wenn jemand gerne länger arbeiten möchte, dann müssen die Arbeitsbedingungen für Dienstnehmer:innen altersgerecht von den Unternehmen gestaltet werden. „Es braucht die Rücksichtnahme auf die gewandelten Arbeitsfähigkeiten. Wichtig sind aber auch Wertschätzung und das Erkennen und Akzeptieren eines eventuell längeren Schulungsbedarfs bei der Einführung von Neuerungen, wie beispielsweise von IT-Systemen oder ähnlichen“, sagt Panhölzl. Vom Wissen der älteren Arbeitnehmer:innen können die jüngeren Generationen erheblich profitieren und lernen.

Finanzielle Anreize für einen längeren Verbleib in der Arbeitswelt, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, müssen jedoch gesetzlich geregelt werden. „Diese sollen aber nicht mit Zuverdienstanreizen zur Pension konkurrieren. Darüber hinaus sollte das Herabsetzen der Arbeitszeiten im Pensionskorridor zwischen dem 62. und 68. Lebensjahr durch Teilpensionsmodelle und Altersteilzeit gefördert werden“, so der Experte. Die Korridorpension schafft also einen Entscheidungsspielraum. Doch Unternehmen sind explizit gefordert, damit Arbeitnehmer:innen auch über 65 Interesse daran haben, länger im Betrieb zu bleiben.

Über den/die Autor*in

Stefan Mayer

Stefan Mayer arbeitete viele Jahre in der Privatwirtschaft, ehe er mit Anfang 30 Geschichte und Politikwissenschaft zu studieren begann. Er schreibt für unterschiedliche Publikationen in den Bereichen Wirtschaft, Politik und Sport.

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