Inflation in Österreich: Eine Übersicht

Eine Frau kauft auf dem markt Lebensmittel. Symbolbild für Inflation in Österreich.
Von Lebensmittel über Energie bis zur Miete – die Inflation in Österreich ist außer Kontrolle. | © Adobe Stock/Drone First
Die Inflation in Österreich ist auf dem höchsten Stand seit dem Jahr 1952. Gründe dafür gibt es viele. Arbeit&Wirtschaft gibt einen Überblick.
Die Inflation in Österreich erreichte im September 2022 mit 10,5 Prozent den höchsten Wert seit dem Jahr 1952. ist im Mai 2022 auf rund 8 Prozent geklettert. Ob damit der Höhepunkt erreicht ist, ist noch unklar. Denn sowohl die Einführung der CO₂-Abgabe als auch noch der heizintensive Winter sind dabei noch gar nicht mit eingepreist. Eine Entwicklung, die viele Expert:innen so nicht haben kommen sehen. Noch im Januar 2022 präsentierte Tobias Thomas, der Chef der Statistik Austria, eine Inflation von 2,8 Prozent für das Jahr 2021. Er erklärte damals den Gipfel der Inflation für erreicht. Er hat sich geirrt. Damit

Inflation in Österreich: Eine Übersicht

Damit wird die eine Krise von der nächsten überschattet. Kaum hatten viele Menschen Hoffnung, die Corona-Pandemie könnte bald ein Ende haben, marschierte Putin in der Ukraine ein. Der Krieg führt bis heute zu unerträglichem menschlichem Leid in der Ukraine und bei den Angehörigen. Hierzulande sind die Folgen noch nicht abzusehen. Ob die Gasversorgung gesichert ist und ob die Lebensmittelversorgung garantiert ist, ist unklar. Doch die Energiemärkte sind außer Rand und Band und die Preise explodieren.

Heizung herunterdrehen wegen zu teurer Energie. Symbolbild für die Inflation in Österreich.
Die Heizkosten steigen enorm. Diese Preissteigerung zeiht auch die Miete mit hoch. | © Adobe Stock/Yvonne Weis

Die Auswirkungen auf die Inflation in Österreich sind allerdings klar. Ein Drittel des aktuellen Preisanstiegs ist auf teurere Energie für Haushalte und gestiegene Treibstoffpreise zurückzuführen. Doch mit einem Lieferengpass ist das Problem noch nicht ausreichend begründet. Dazu kommen Spekulationen auf Rohstoffe an den Börsen. Außerdem erhöhen viele Anbieter ihre Preise im Schatten der Krise nur, um ihre Margen nach oben zu treiben. Eine Gewinn-Preis-Spirale ist in Gang gesetzt.

Mieten und Lieferketten treiben Preise hoch

Doch auch die Mieten treiben die Inflation in Österreich an. Wenn auch durch die Hintertür. Denn die Mieten sind an die Inflationsrate gebunden. Steigt sie, steigen auch die Mieten. Obwohl es keinen realwirtschaftlichen Grund dafür gibt. Die Mieter:innen sind so doppelt belastet. Einerseits durch die erhöhe Strom- und Heizrechnung, andererseits durch die Miete selbst. Energiearmut ist damit zu einem weit verbreiteten Problem geworden.

Probleme in den globalen Lieferketten befeuern die aktuelle Preissteigerung zusätzlich. Und das oft heimlich, still und leise. Denn es sind kleinere Probleme, die massive Auswirkungen haben können. Beispielsweise ein Schiff, das den Suezkanal verstopft. Oder ein Brand in einer Halbleiterfabrik. Auch die Zero-Covid-Stratgeie der Kommunistischen Partei in China hat erhebliche Auswirkungen auf die Verfügbarkeit (und damit auch die Preise) von Waren aller Art.

Lösungen gegen zunehmende Armut

Die Auswirkungen der Inflation liegen auf der Hand. Die Armutsgefährdung steigt. Derzeit sind in Österreich rund 1,5 Million Menschen arm oder armutsgefährdet. Also rund 17,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Preissteigerungen treffen auf Privathaushalte, deren Einkommen in der Corona-Pandemie gesunken sind. Die Zahl der Arbeitsstunden ist in den Jahren der Krise massiv zurückgegangen. Reserven sind kaum noch vorhanden. Doch Österreich ist eines der reichsten Länder der Welt. Armut – und vor allem Kinderarmut – müssten nicht sein.

Eine Eindämmung dieser Folgen muss das oberste Ziel der Regierung und der Gesamtwirtschaft sein. Eine unmittelbare Hilfe wären üppige Lohnabschlüsse. Lohnverhandlungen sind in Zeiten hoher Inflation kompliziert, aber dringend nötig. Denn Lohnsteigerungen sind die effektivste Anti-Teuerungs-Maßnahme. Und das Geld ist da. Denn viele Konzerne eilen zwischen den Krisen von Gewinnrekord zu Gewinnrekord. Wichtig ist, dass sich nicht nur der Nominallohn erhöht, sondern der Reallohn. Das bedeutet, dass der Lohn mindestens um die Höhe der Inflation steigen muss, aber auch die Produktivitätssteigerung mitberücksichtigen muss. Das ist die sogenannte Benya-Formel.

Gemeinsam gegen die Folgen der Inflation in Österreich

Doch nicht nur Arbeiterkammer, Gewerkschaften und die Gesamtwirtschaft können etwas gegen die Inflation in Österreich tun. Auch die Bundesregierung ist gefragt, die Folgen der Inflation in Österreich zu minimieren. Doch bis auf einen Gutschein für Haushalte, um den Preisschock bei den Energiekosten abzumildern, ist bisher nicht rausgekommen. Und selbst der wird erst mit der Jahresrechnung – also 2023 – ausbezahlt. Die Inflation wird Österreich noch das ganze Jahr beschäftigen. Lösungen müssen her, damit es nicht ausgerechnet die Schwächsten der Gesellschaft am härtesten trifft.

Über den/die Autor*in

Christian Domke Seidel

Christian Domke Seidel hat als Tageszeitungsjournalist in Bayern und Hessen begonnen, besuchte dann die bayerische Presseakademie und wurde Redakteur. In dieser Position arbeitete er in Österreich lange Zeit für die Autorevue, bevor er als freier Journalist und Chef vom Dienst für eine ganze Reihe von Publikationen in Österreich und Deutschland tätig wurde. Unter anderem sprang ein dritter Platz beim österreichischen Magazinpreis heraus.

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