Gestiegene Produktivität
Um wettbewerbsfähig und wirtschaftlich erfolgreich zu sein, steigern viele Betriebe die Produktivität. 73 Prozent der Betriebsratsvorsitzenden geben an, dass Produktivität für die Führungsebene in ihren Betrieben eines der wichtigsten Themen ist. Mehr als die Hälfte berichtet zudem, dass die Produktivität in den vergangenen drei Jahren gestiegen ist. Für die Beschäftigten bedeutet das in vielen Fällen: mehr Aufgaben in weniger Zeit, bei gleichbleibendem oder sogar sinkendem Personalstand. ÖGB-Bundesgeschäftsführer Willi Mernyi betont: „Die Steigerung der Produktivität geht eindeutig zu Lasten der Beschäftigten. Der Druck in der Arbeit steigt, während die Belastungen immer größer werden. Unternehmen müssen endlich erkennen: Ihre Mitarbeiter:innen sind ihr wichtigstes Kapital. Wer das Arbeitstempo ständig erhöht, gefährdet die Gesundheit der Beschäftigten.“
Mehr Krankenstände
Während die Arbeit intensiver wird, nehmen Krankenstände zu laut Studie zu, und immer mehr Beschäftigte fühlen sich unter Druck, auch während ihrer Freizeit oder während eines Krankenstandes zu arbeiten. In vielen Betrieben hat sich das Arbeitsklima spürbar verschlechtert.
„Die Arbeit wird immer intensiver, was in einer steigenden Anzahl von Krankenständen resultiert. Gleichzeitig wird von Vertreter:innen der Wirtschaft nach einem höheren Pensionsalter gerufen. Unsere Umfrage zeigt deutlich, dass hier völlig an der Realität vorbei argumentiert wird“, zieht AK-Direktorin Silvia Hruška-Frank Bilanz. Willi Mernyi, Bundesgeschäftsführer des ÖGB, sagt: „Es reicht, dass Beschäftigte die Rechnung für den wirtschaftlichen Druck zahlen. Unternehmen müssen aufwachen und verstehen: Gute Arbeit braucht gute Bedingungen – denn ohne Beschäftigte gibt es keinen Erfolg.“
Mitbestimmung gerät in Bedrängnis
Immer häufiger versuchen Unternehmensführungen zudem, Betriebsratsgründungen in Unternehmen zu verhindern. Dort, wo es einen Betriebsrat gibt, wird dessen Einbindung in Unternehmensentscheidungen erstmals schlechter bewertet als in den vergangenen Jahren. Dabei zeigt die Studie auch: Wo Betriebsrät:innen gut eingebunden sind, funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Beschäftigten und Management besser.
Fachkräftemangel: teils hausgemacht
Dabei wird eine gute Beziehung zwischen Unternehmen und Mitarbeitenden immer wichtiger. Denn rund 63 Prozent der Betriebe haben Schwierigkeiten, Personal zu finden, so der Strukturwandelbarometer. Gleichzeitig schöpfen viele vorhandene Arbeitskraftpotenziale trotz Fachkräftebedarf nicht aus. 35 Prozent der Unternehmen zeigen beispielsweise geringe Bereitschaft, Langzeitarbeitslose einzustellen, 29 Prozent zögern bei Beschäftigten über 50 Jahren, 22 Prozent lehnen Teilzeitkräfte ab, und 17 Prozent schließen Personen mit Betreuungspflichten aus. Der Fachkräftemangel, über den viele Betriebe klagen, ist damit zu einem gewissen Teil hausgemacht.
Österreichs Produktivität ist seit 2019 um 3,5 Prozent gestiegen – häufig durch Arbeitsverdichtung. 🔨
Eine Befragung von 1.500 Betriebsrät:innen zeigt, Produktivitätssteigerungen sind eher durch Prozessoptimierungen und die Weiterbildung von Beschäftigten zu erzielen als durch Arbeitsdruck. 🎓📈
— A&W Blog (@aundw.bsky.social) 9. Juli 2026 um 09:22
Frauen zahlen den höchsten Preis
Das trifft besonders Frauen. Wenn Unternehmen Teilzeitkräfte oder Menschen mit Betreuungspflichten ablehnen, wirkt sich das insbesondere in Form einer höheren Arbeitslosigkeit von Frauen aus.Werden Frauen mit Betreuungspflichten beschäftigt und Teilzeitmodelle angeboten, so entstehen daraus aber häufig langfristige Nachteile. Teilzeit bedeutet für viele Frauen geringere Einkommen, schlechtere Karrierechancen und niedrigere Pensionen. „Personalpolitik ist oft noch nicht fair. Es braucht echte Gleichstellung: gleiche Chancen, faire Bezahlung und Arbeitszeiten, die zum Leben passen“, so Mernyi.