Den Schmerz, etwas sagen zu können, es dann aber nicht auszusprechen, den muss man als Betriebsratsmitglied aushalten lernen. Das Geheimnis zu wahren ist unabdingbar. Die besondere Beziehung zwischen schutzbefohlener Person und Betriebsrat kann nur dann funktionieren, wenn sich alle darauf verlassen können, dass alles, was gesagt wird, dort bleibt, wo es gesagt wurde. Da muss man gegebenenfalls in Kauf nehmen, dass man als uninformiert gilt – oder als fad. Im schlimmsten Fall wird man selbst Gegenstand von Gerüchten.
Betriebsratskommunikation will gelernt sein
Das gilt im Übrigen nicht nur im Einzelfall. Betriebsratsmitglieder sind gut beraten, wenn sie sich sehr genau überlegen, was sie wo kommunizieren. Nicht immer ist es der laute Protest, der zum Ziel führt, nicht immer der G’stellwagen im Gesicht des anderen, der eine Lösung für alle möglich macht. Gerade in Verhandlungen ist das alte „suaviter in modo, fortiter in re“, also der freundliche Ton bei gleichzeitiger sachlicher Härte, angezeigt. Lautes Poltern macht vielleicht die Show, Erfolge kommen jedoch sachlich zustande. Weil aber ein freundlicher Tonfall von außen mit Nachgiebigkeit verwechselt werden könnte, sind geschlossene Türen bei schwierigen Gesprächen im kleinen Kreis oft zielführender.
⚡ Kündigungen gehören zu den härtesten Momenten im Betriebsratsalltag.
👤 @fabian_warzilek, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender bei Lieferando, hat das selbst erlebt.
💡 Was in solchen Situationen wirklich hilft, erklärt er hier.
— Arbeit&Wirtschaft Magazin (@aundwmagazin.bsky.social) 5. Juni 2026 um 14:30
All das kann natürlich keine Einladung dazu sein, aus Bequemlichkeit zu schweigen. Schlafen ist keine Lösung. Man wird nicht dafür gewählt, dass man es sich im Betriebsratssessel bequem macht, sondern eher fürs Gegenteil: dass man auch dann spricht, wenn es unangenehm wird – und auch dann schweigen kann, wenn Plaudern Erleichterung verschaffen würde.