Betriebsratskommunikation: Reden ist Silber

Frau hört aufmerksam während eines geschäftlichen Kaffeetreffens zu. Symbolbild für Betriebsratskommunikation.
In der Betriebsratskommunikation ist entscheidend, im richtigen Moment zu schweigen. | © Adobestock/(JLco) Julia Amaral
Für Betriebsräte ist Kommunikation das Um und Auf – doch die wahre Kunst liegt darin, zu wissen, wann man spricht und wann man schweigt.
Kommunikation ist für Mitglieder eines Betriebsrats das Um und Auf. Und sie kann sich mitunter schwierig gestalten. Ein Beispiel: In der Kantine werden Gerüchte besprochen, und man selbst wüsste aus einem vertraulichen Betriebsratsgespräch etwas darüber zu sagen. Verführerisch, denn wer beteiligt sich nicht gern am Flurfunk? Manche Menschen erliegen der Versuchung, und das ist verständlich. Wenn man das nicht Klatsch und Tratsch nennt, sondern transparente Kommunikation, klingt es auch gleich viel besser. Ein bisschen was fürs Ego gibt’s obendrein, schließlich gelten Menschen, die etwas wissen, meist als interessanter als die, die nichts zu sagen haben. Und am Ende fühlt man sich gleich wichtiger als vorher.

Den Schmerz, etwas sagen zu können, es dann aber nicht auszusprechen, den muss man als Betriebsratsmitglied aushalten lernen. Das Geheimnis zu wahren ist unabdingbar. Die besondere Beziehung zwischen schutzbefohlener Person und Betriebsrat kann nur dann funktionieren, wenn sich alle darauf verlassen können, dass alles, was gesagt wird, dort bleibt, wo es gesagt wurde. Da muss man gegebenenfalls in Kauf nehmen, dass man als uninformiert gilt – oder als fad. Im schlimmsten Fall wird man selbst Gegenstand von Gerüchten.

Betriebsratskommunikation will gelernt sein

Das gilt im Übrigen nicht nur im Einzelfall. Betriebsratsmitglieder sind gut beraten, wenn sie sich sehr genau überlegen, was sie wo kommunizieren. Nicht immer ist es der laute Protest, der zum Ziel führt, nicht immer der G’stellwagen im Gesicht des anderen, der eine Lösung für alle möglich macht. Gerade in Verhandlungen ist das alte „suaviter in modo, fortiter in re“, also der freundliche Ton bei gleichzeitiger sachlicher Härte, angezeigt. Lautes Poltern macht vielleicht die Show, Erfolge kommen jedoch sachlich zustande. Weil aber ein freundlicher Tonfall von außen mit Nachgiebigkeit verwechselt werden könnte, sind geschlossene Türen bei schwierigen Gesprächen im kleinen Kreis oft zielführender.

⚡ Kündigungen gehören zu den härtesten Momenten im Betriebsratsalltag.

👤 @fabian_warzilek, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender bei Lieferando, hat das selbst erlebt.

💡 Was in solchen Situationen wirklich hilft, erklärt er hier.

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— Arbeit&Wirtschaft Magazin (@aundwmagazin.bsky.social) 5. Juni 2026 um 14:30

All das kann natürlich keine Einladung dazu sein, aus Bequemlichkeit zu schweigen. Schlafen ist keine Lösung. Man wird nicht dafür gewählt, dass man es sich im Betriebsratssessel bequem macht, sondern eher fürs Gegenteil: dass man auch dann spricht, wenn es unangenehm wird – und auch dann schweigen kann, wenn Plaudern Erleichterung verschaffen würde.

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Über den/die Autor:in

Konrad Mitschka

Konrad Mitschka ist Betriebsratsmitglied im ORF, wo er als Redakteur arbeitet.

Foto: ORF/Thomas Jantzen

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