„Judith Wielander hat an mich geglaubt, als ich ganz unten war“
Anita Király: „Seit fast zwei Jahren arbeite ich in der Produktion des Spielkartenherstellers Piatnik & Söhne auf der Hütteldorfer Straße im 14. Bezirk in Wien. Ich bin sehr glücklich mit meinem Job und bin so froh, dass ich wieder arbeiten kann. Ich sage immer: Ich darf eigentlich den ganzen Tag Spielen. Ohne Frau Wielander hätte ich das nicht geschafft. Ich habe mich dafür eingesetzt, sie als Betreuerin zu bekommen und es hat sich ausgezahlt.
Bevor ich – gemeinsam mit Frau Wielander – meinen aktuellen Job gefunden habe, war ich länger arbeitslos. Ursprünglich habe ich viele Jahre in der Feinkostabteilung bei einem Supermarkt gearbeitet. Als die Firma insolvent wurde, musste ich mich neu orientieren. Ich habe immer wieder im Handel gearbeitet. 2018 habe ich mir bei einem Unfall das Knie verletzt. Es ist mittlerweile schon viel besser geworden, aber ich kann nicht lange stehen, schon gar nicht acht Stunden am Tag.
Das AMS hat mir immer wieder Stellen im Handel vorgeschlagen, aber an der Theke zu stehen ist für mich unmöglich, und die Arbeitgeber:innen haben dafür oft kein Verständnis. Ich habe alle Gesundheitsangebote wie Fit2Work oder eine Reha angenommen und nichts unversucht gelassen. Über Umwege wurde ich zu Monsun vermittelt und Frau Wielander hat mich verstanden. Ich bin online nicht so geübt, sie hat mir geholfen, eine Mailadresse für die Bewerbungen einzurichten und einen Überblick über meine Finanzen zu bekommen. Gemeinsam haben wir viele Bewerbungen ausgeschickt und Frau Wielander hat mir genau gesagt, wie ich reagieren soll, falls sich jemand telefonisch meldet.
Trotzdem war ich sehr überrascht, als mich jemand von der Firma Piatnik angerufen und mir einen Job angeboten hat. Die Bewerbung war schon über ein halbes Jahr her und im ersten Moment wusste ich gar nicht, wovon die Person redet. Als mir der Chef dann alles erklärt und gezeigt hat, habe ich alles auf eine Karte gesetzt und meine geringfügige Anstellung – die bis dahin meine Einkommensbasis war – gekündigt. Ich habe es nicht bereut.
Hoffnung behalten
Meine Geschichte zeigt, dass man den Glauben nicht verlieren darf. Das Tolle an meiner Arbeit ist, dass ich immer sitzen kann. Ich bin in der Produktion und schlichte Karten oder Würfel in Schachteln, zum Beispiel vom bekannten Spiel „Activity“. Wenn ich beim Abpacken zufällig zwei Sechser würfle, freue ich mich und bin sicher, dass es Glück bringt. Am Anfang war es schwierig mit den Kolleg:innen, weil ich die einzige Ungarin bin und sonst alle eine andere Sprache sprechen, aber mittlerweile verstehen wir uns sehr gut. Einmal hatte mein Chef ungarische Gäste in der Firma, mit denen ich mich unterhalten konnte, das war schön. Und als ich krank war, haben sich meine Kolleginnen zwischendurch nach mir erkundigt und haben mich umarmt und sich gefreut, als ich wieder in die Arbeit kam.
Die Arbeitszeiten sind ideal: Ich habe jetzt ein richtiges Wochenende und auch die Option, längeren Urlaub zu nehmen – das war im Handel nie möglich. Dieser Anruf damals hat mein Leben verändert und ich bin Frau Wielander so dankbar, dass sie immer an mich geglaubt hat, auch als ich ganz unten war.“
„Motiviert zu bleiben ist eine der größten Herausforderungen“
Judith Wielander: „Ich habe Frau Király vor circa vier Jahren als Teilnehmerin bei Monsun kennengelernt. Wir sind vom AMS gefördert und beraten arbeitssuchende Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Das Ziel ist grundsätzlich eine Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt. Oft geht es aber auch um Hilfestellungen rundherum: zum Beispiel um gesundheitsfördernde Maßnahmen, Hilfe bei Anträgen zu Finanzierungen und Förderungen oder – wie bei Frau Király – um Hilfe bei technischen Herausforderungen. Grundsätzlich dauert eine Betreuung bei Monsun circa zwölf Monate, mit der Option auf Verlängerung unter gewissen Voraussetzungen.
Frau Király hatte zwischendurch zwar Beschäftigungsversuche, sie ist aber immer wieder bei Monsun gelandet, und die Zusammenarbeit dauerte schlussendlich etwa eineinhalb Jahre. Ich freue mich, dass sie sich gut betreut gefühlt hat. Das versuche ich natürlich immer. Unser Ziel bei Monsun ist es, Menschen auch in höchst komplexen und herausfordernden Lebenssituationen immer bestmöglich zu beraten und zu betreuen.
Frau Király war von Anfang an sehr engagiert, sie wollte immer arbeiten und ist drangeblieben. So ergaben sich zuerst auch mehrere, wenn auch kürzere, Dienstverhältnisse. Das ist nicht selbstverständlich. Frau Király ist für sich eingestanden und blieb motiviert, und das ist ein sehr großer Faktor. Dazu kam dann noch eine Portion Glück, die für so einen Job, wie sie ihn jetzt hat, notwendig ist. Eine Vollzeitanstellung in der Produktion, die man sitzend ausführen kann, ist selten – darum freue ich mich umso mehr, dass es geklappt hat und Frau Király an ihrer Arbeitsstelle glücklich ist.“
#AK warnt vor möglichen Kürzungen bei AMS-Förderprogrammen im Zuge geplanter Budgeteinsparungen. #AK Chefin @renateanderl.bsky.social sagt, dass wir noch nicht wissen, wie hoch die Kürzungen seien, aber der Sparstift hier angesetzt werde. Das sei der falsche Weg.
on.orf.at/video/143221…— @Arbeiterkammer (@arbeiterkammer.at) 8. Mai 2026 um 13:59