Rund zwanzig Wohnungen besuchen sie, mehr als fünf Mietanbote verschicken sie direkt im Anschluss, ohne Erfolg. Und das, obwohl das junge Paar alle formalen Voraussetzungen für eine Mietwohnung erfüllt: Lena ist Studentin und kommt aus Wien, ihre Eltern können aber für die Wohnung bürgen, Lenas Partner ist Berufseinsteiger mit fixem Einkommen. In ihrer alten Wohngemeinschaft fühlt sich Lena längst nicht mehr wohl, eine eigene Wohnung wünscht sie sich schon länger: „Es geht schon an die Substanz, wenn man keinen Ort mehr hat, an dem man sich zurückziehen kann”, erzählt sie.

Steigende Preise schaffen Machtgefälle
Lenas Geschichte ist kein Einzelfall: Zwischen 2015 und 2025 sind die Wohnkosten bei Mietwohnungen laut Statistik Austria um knapp 40 Prozent gestiegen, auf die wenigen günstigen Wohnungen kommen oft hunderte Interessent:innen. Mittlerweile ist jede vierte Person, die in Österreich mietet, armutsgefährdet.
Obwohl der geförderte Wohnbau Wien im internationalen Vergleich noch gut dastehen lässt, spricht die AK von einem Marktversagen. Aufgrund der hohen Nachfrage von Anleger:innen wurden Neubauten in den letzten Jahren nicht primär als Wohnraum angedacht, sondern eher als Kapitalanlage konzipiert. Das trieb die Preise zusätzlich in die Höhe. Hinzu kommt die Inflation. Auch in den Beratungsgesprächen der AK Wien macht sich das bemerkbar. „Aufgrund der hohen Inflation steigen die Mieten viel schneller, als man es gewöhnt war, da einerseits der Hauptmietzins und andererseits die Betriebskosten erhöht werden”, so Simone Brunnhauser, Referentin für Wohnrecht bei der AK Wien. Die Folge: Es melden sich vermehrt Mieter:innen, die ihre Mietkosten nicht mehr stemmen könnten. Die Mietpreisbremsen der Bundesregierung würden Mieter:innen zwar kurzfristig entlasten. Durch befristete Mietverträge verliere diese Wirkung jedoch an Kraft, weil die Miete bei jeder Vertragsverlängerung erneut angehoben werden könne.
Doch nicht nur die steigenden Kosten seien ein Problem. Personen, die am privaten Mietwohnungsmarkt suchen, würden von Vermieter:innen häufig als „Bittsteller:innen” behandelt, kritisiert Brunnhauser. Oft müssten bereits vor einer Besichtigung Gehaltsnachweise, KSV-Auszüge oder andere sensible Unterlagen übermittelt werden. Teilweise würden sogar Motivationsschreiben oder sechs Monatsmieten Kaution verlangt sowie Servicepauschalen und Vertragserrichtungskosten verrechnet, obwohl diese rechtlich nicht zulässig seien.
Tricks und Scams bei der Wohnungssuche
Auch bei der Mietervereinigung zeigt sich ein ähnliches Bild in den Beratungsgesprächen. Besonders angespannt sei die Situation bei privaten Neubauwohnungen, wo es keine Mietzinsobergrenzen gibt. Gleichzeitig würden Wohnungsinserate teilweise mit ungewöhnlich niedrigen Betriebskosten werben, um Mieter:innen anzulocken. „Werden die Betriebskosten zu Beginn des Mietverhältnisses zu niedrig angesetzt, dann kommt es nach der ersten Betriebskosten-Abrechnung zu hohen Nachzahlungen und in der Folge zu höheren Gesamtmieten”, so Juristin und Wohnrechtsexpertin Nina Schönwiese von der Mietervereinigung.
Wenn die Wohnung sehr schön und sehr günstig ist und der Vermieter sich im Ausland befindet, sollte man schon stutzig werden.
Simone Brunnhauser, AK Wien.
Die schwierige Wohnungssuche hat inzwischen auch einen eigenen Markt hervorgebracht. Neben klassischen Immobilienplattformen werben kostenpflichtige Suchportale mit exklusiven Wohnungsangeboten und besonders preiswerten Wohnungen. Gleichzeitig häufen sich immer mehr Betrugsmaschen. Regelmäßig taucht dabei der sogenannte „Auslandstrick” auf – angebliche Eigentümer:innen geben an, sich im Ausland zu befinden und verlangen eine Überweisung der ersten Miete und Kaution, bevor die Schlüssel übergeben werden. „Wenn die Wohnung sehr schön und sehr günstig ist und der Vermieter sich im Ausland befindet, sollte man schon stutzig werden”, warnt Brunnhauser von der AK Wien.
Worauf man achten soll
Wer derzeit eine Wohnung sucht, sollte außerdem den Mietvertrag vor der Unterzeichnung bei der AK oder Mietervereinigung prüfen lassen. Dabei werden unter anderem Mietzins, Betriebskosten, Kaution und mögliche unzulässige Vertragsklauseln kontrolliert. Menschen mit Anspruch auf eine Gemeindewohnung oder eine geförderte Wohnung können außerdem die Angebote der Wohnberatung Wien nutzen. Wohnungen werden dort in der Regel unbefristet und deutlich günstiger vergeben als am privaten Markt.
Für Lena und ihren Partner endete die monatelange Suche schließlich doch erfolgreich, allerdings nicht über ein Wohnungsportal. Ihre neue Wohnung fanden sie über Bekannte, noch bevor sie öffentlich ausgeschrieben wurde. „Ohne persönliche Kontakte hätten wir wahrscheinlich noch viel länger gesucht”, sagt Lena. Für sie ist die Geschichte gut ausgegangen. Doch nicht jede:r kann bei der Suche nach einer Wohnung auf ein entsprechendes Netzwerk zurückgreifen. Vor allem für Menschen mit Migrationsgeschichte gestaltet sich die Wohnungssuche schwierig – viele davon haben zusätzlich mit Diskriminierung zu kämpfen.
🏡Wohnen braucht Sicherheit.🏡
Befristete Mietverträge machen Mieter:innen abhängig und setzen sie unter Druck. Die #AK berät Mieter:innen zu ihren Rechten und setzt sich für leistbares, sicheres Wohnen ein. Ein Zuhause darf kein Druckmittel sein. #Spruchtag #Wohnen #AKhilft— @Arbeiterkammer (@arbeiterkammer.at) 10. Juli 2026 um 16:45
Die Österreichische Gewerkschaftsjugend hat dazu eine Kampagne ins Leben gerufen, die das Ziel hat, die Wohnungssuche und -vergabe vor allem für junge Menschen fair zu gestalten. Dabei fordert die ÖGJ nicht nur einen Mietpreisdeckel und mehr sozialen Wohnbau, sondern auch eine österreichweite Leerstandsabgabe, den Ausbau der Wohnbeihilfe und leistbare Erstfinanzierung für junge Menschen beim Eigenheim. Mehr Infos zur Petition.
* Name von der Redaktion geändert