A&W Ausgabe 5 21

Zum Greifen nah

Ausgabe Juni 2021: Während viele in der Pandemie in die Armut stürzen, vermehren Überreiche in dieser Sekunde ihr Vermögen. Wenn es einen Zeitpunkt für Veränderung gibt, dann jetzt.

So fern und doch so nah

Während der Arbeit an dieser Ausgabe erreichte uns eine schreckliche Nachricht aus San José in Kalifornien. Ein Mann hatte während eines Gewerkschaftstreffens in einem Straßenbahnbetrieb um sich geschossen und acht seiner Kolleg*innen sowie am Ende sich selbst getötet. Viele weitere erlitten schwerste Verletzungen. Bis Redaktionsschluss waren die Hintergründe der Tat an jenem Maitag mitten in der Frühschicht noch nicht vollständig geklärt.

Amokläufe am Arbeitsplatz passieren gerade in den Vereinigten Staaten immer wieder. Gesamtamerika war laut dem globalen IGB-Rechtsindex 2020 die tödlichste Region für erwerbstätige Menschen. Auch hierzulande berichten Medien regelmäßig über solche Schießereien. Worüber wir allerdings wenig lesen: über brutale Gewalt, Unterdrückung, Willkür oder Verhaftungen am Arbeitsplatz andernorts. Wir haben uns für dieses Heft auf eine weite Reise begeben – nicht zu den paradiesischen Traumzielen, mit denen die Tourismusbranche im Zuge des sommerlichen Pandemie-Abklingens gerade wieder lockt, sondern zu den gefährlichsten Orten für Erwerbstätige auf der ganzen Welt. Das Globussymbol wird Ihnen beim Blättern immer wieder zeigen, in welcher Region der Erde Sie sich beim Lesen gerade befinden.

Menschenrechts- und Arbeitsrechtsverletzungen sind Teil verschiedenster Debatten. Unternehmen müssen endlich Verantwortung für ihre Lieferketten übernehmen. Dass in vielen Produkten zum Beispiel nur allzu oft Kinderarbeit steckt, das erzählt uns eine Story aus Sri Lanka. Eine andere, welche Gesetzesvorstöße Österreich, Deutschland und die Schweiz beim Thema Lieferketten gerade wagen. Auch das Thema Fluchtmigration und ihre Gründe haben wir uns genauer angesehen. Gewerkschaften weisen seit Jahren darauf hin, dass der globale Wohlstand ungleich und ungerecht verteilt ist. Auf wessen Kosten wir eigentlich im Alltag leben, beleuchtet unsere Coverstory.

All unsere Geschichten offenbaren: Globalisierung spaltet die Welt – in Gewinner*innen und Verlierer*innen, in Nutznießer*innen und Marginalisierte, in Blöcke der Macht und ohnmächtige Außenseiter*innen. Diese Ausgabe liefert mitunter starken Tobak, doch wir müssen hinsehen, damit sich etwas ändern kann.

In dieser Ausgabe

  • Coverstory: Return to Sender
    Die reichen Gesellschaften im Norden leben seit Jahrhunderten auf Kosten des globalen Südens. Eine Tatsache, die gerne verdrängt wird. Doch wie alles Verdrängte kehrt auch dieses irgendwann zurück.
  • Frei heißt noch lang nicht fair
    Internationale Handelsabkommen wie TTIP oder CETA haben in den vergangenen Jahren immer wieder zu Massenprotesten und großen Demonstrationen geführt. Was solche Pakte eint: Sie funktionieren nach den Spielregeln des Kapitals, um den Interessen großer Konzerne zu dienen. Und sie stellen auch Gewerkschaften vor neue Herausforderungen.
  • Und plötzlich sind wir aufgewacht
    Die International Labour Organization und die Alliance 8.7 wollen bis 2025 Kinderarbeit abschaffen. Doch die Pandemie wirft die Welt in diesem Kampf zurück – und das wird auch 2021, das Jahr gegen Kinderarbeit, nicht wiedergutmachen.
  • Podcast: „Wir zahlen doppelt und dreifach“
    Es lohnt sich für die Zivilgesellschaft, dafür zu kämpfen, dass die Allgemeinheit nicht auf den Corona-Kosten sitzen bleibt, sagt die Ökonomin und Attac-Mitbegründerin Alexandra Strickner. Die Macht der Konzerne stößt an ihre Grenzen.
  • Neue Regeln für die Globalisierung
    Lieferkettengesetze werden aktuell weltweit diskutiert: auf UNO-Ebene ebenso wie in der Europäischen Union. Auch in Österreich gibt es starke Stimmen dafür, Unternehmen zu verpflichten, sich die Arbeitsbedingungen und Auswirkungen der Produktion auf die Umwelt schon bei der Rohstoffgewinnung und in Zulieferbetrieben anzusehen.
  • Reportage: Wie der Mensch verschwindet
    Der Hafen hat Hamburg zu dem gemacht, was die Stadt heute ist: das Tor zur Welt. Ein Zentrum der Globalisierung mit Schirm, Charme und Folklore. Die Verlierer der Logistik-Choreografie lässt man außer Sichtweite ankern. Ein Spaziergang bei schlechtem Wetter.
  • Bauen für den Emir
    Am 11. Juni beginnt die Fußball-Europameisterschaft 2021. Die EM ist eines der letzten großen Fußballturniere, ehe im November und Dezember 2022 die Weltmeisterschaft in Katar stattfinden wird. Auf den Stadienbaustellen wird aktuell fleißig gearbeitet. Doch Menschen- und Arbeitsrechte werden dabei selten eingehalten.
  • Suche: neue Perspektive
    Warum flüchten Menschen? Wenn es um Fluchtgründe geht, denken die meisten an Krieg, Terror, Menschenrechtsverletzungen. Eine neue Studie plädiert für einen umfassenden Perspektivenwechsel. Man müsse sich die strukturellen globalen Ungleichheitsverhältnisse ansehen. Nur so könne man auch Lösungen finden.
  • Historie: Rassismus-Blockade gegen Gewerkschaften
    Die europäischen Kolonialmächte verboten einheimischen Arbeitnehmer*innen in Afrika, Asien und Lateinamerika fast immer, Gewerkschaften zu gründen. Mit den Befreiungsbewegungen kam ihre Chance – aber die Globalisierung setzt sie unter neuen Druck.
  • Zu guter Letzt: Soziales Europa – jetzt aber wirklich?
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