Vermögensverteilung in Österreich: So ungleich sind Vermögen verteilt

reiche Personen stehen auf einem hohen Stapel Münzen, reiche auf einem niedrigen. Die Vermögensungleichheit in Österreich nimmt zu,
Die Vermögensungleichhit in Österreich wächst. | © Adobestock/frittipix
In kaum einem anderen europäischen Land ist Reichtum so ungleich verteilt wie in Österreich. Sogar die Österreichische Nationalbank möchte das Problem der Vermögensungleichheit angehen.
Vermögen sind in Österreich deutlich ungleicher verteilt als Einkommen. Besonders stark konzentriert sich der Reichtum an der Spitze: Die reichsten fünf Prozent der Haushalte besitzen mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens. Die untere Hälfte besitzt dagegen nur einen kleinen Teil. Wie groß die Unterschiede sind, ab welchem Vermögen man zu den reichsten zehn Prozent gehört und was der Gini-Koeffizient darüber aussagt, zeigen aktuelle Daten von OeNB und EZB.

Vermögensverteilung in Österreich: Das Wichtigste in Kürze

Top 5 Prozent besaßen 2025 durchschnittlich ein Nettovermögen von 5,12 Millionen Euro pro Haushalt.
Untere 50 Prozent besaßen 2025 nur 35.700 Euro pro Haushalt.
Top 10 Prozent: Die Schwelle lag laut OeNB 2021 bei rund 702.000 Euro Nettovermögen pro Haushalt.
Medianvermögen: 2021 lag es bei rund 128.000 Euro pro Haushalt.
Gini-Koeffizient: Vermögen sind wesentlich ungleicher verteilt als Einkommen.

Vermögensverteilung in Österreich: Wem gehört wie viel?

Das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz hat 2024 den Sozialbericht veröffentlicht. Darin zeigt sich, dass die wichtigste Trennlinie der Immobilienbesitz ist. Die reichere Bevölkerungshälfte wohnt im Eigenheim und mehr als die Hälfte des Immobilienbesitzes in Österreich gehört den oberen zehn Prozent der Vermögenden. Im Durchschnitt verfügen sie über achtmal so viel Vermögen wie Mieter:innen.

Mutter, Vater und zwei Kinder stehen am Gartenzaun ihres Eigenheims. Symbolbild für die Vermögensungleichheit in Österreich.
Wohneigentum ist eine zentrale Trennlinie bei der Vermögensverteilung in Österreich. | © Adobe Stock/Monkey Business

Österreich steht in Europa vorne in Sachen Vermögensungleichheit. Die ärmere Hälfte der Menschen besitzt gerade einmal 4,6 Prozent des Vermögens. Sie lebt zur Miete und hat – wenn überhaupt – höchstens einen Notgroschen auf dem Sparbuch. Die Coronakrise und die extreme Inflation haben die Armut in Österreich verstärkt, sodass die ärmsten 50 Prozent Österreichs kaum nennenswertes Vermögen haben.

Vermögensungleichheit verfestigt sich

Besonders deutlich wird die Vermögenskonzentration beim Finanzvermögen. Der BCG Global Wealth Report 2024 kommt für Österreich auf rund 400 sehr vermögende Menschen, die zusammen rund 350 Milliarden US-Dollar bzw. 323 Milliarden Euro Finanzvermögen hielten. Das waren mehr als ein Drittel des gesamten Finanzvermögens. Demgegenüber standen rund 7,2 Millionen Menschen, die jeweils weniger als 250.000 US-Dollar Finanzvermögen besaßen und zusammen ungefähr ein Drittel hielten.

So entsteht Vermögensungleichheit

Für Vermögensungleichheit gibt es eine Vielzahl von Faktoren. Zu den wichtigsten zählen:

  • Steuersysteme können die Vermögensverteilung beeinflussen: Wenn wohlhabendere Menschen einen geringeren Anteil ihres Einkommens und Vermögens an Steuern zahlen als ärmere Menschen, kann dies die Ungleichheit verschärfen. Steuerbefreiungen und Subventionen für Unternehmen und Vermögende können ebenfalls zu einer ungleichen Vermögensverteilung beitragen.
  • Ein Erbe kann einen erheblichen Einfluss auf das Vermögen einer Person haben. Menschen, die aus reichen Familien stammen, haben oft einen großen Vorsprung gegenüber Menschen aus ärmeren Verhältnissen. Dadurch kann sich Vermögen in wenigen Händen konzentrieren.
  • Politische Einflussnahme wohlhabender Menschen verhindert häufig wirksame Maßnahmen gegen die Ungleichverteilung. Wohlhabende Menschen und Unternehmen haben oft mehr Einfluss auf die Politik als ärmere Menschen.

Wie hoch ist der Gini-Koeffizient in Österreich?

Der Gini-Koeffizient misst Ungleichheit. Ein Wert von 0 steht für vollständige Gleichverteilung, ein Wert von 100 für maximale Ungleichheit. Je höher der Wert ist, desto ungleicher ist das Vermögen verteilt. In Österreich bewegte sich der Gini-Koeffizient zwischen 2015 und 2022 durchgehend auf einem hohen Niveau.

Entwicklung Gini-Index zur Vermögensungleichheit in Österreich:

Jahr Gini-Koeffizient
2022 76,1
2021 74,2
2020 73,5
2019 73,9
2018 76,4
2017 78,8
2016 78,5
2015 77,9

Druck wächst: Vermögensungleichheit muss verringert werden

Gleichzeitig fehlt es am politischen Willen und öffentlichen Druck, die Vermögensverteilung in Österreich fairer zu gestalten. „In Österreich verzichten im ökonomisch stärksten Drittel zufolge nur 17 Prozent auf ihr Wahlrecht, im ökonomisch schwächsten Drittel sind es aber bereits 41 Prozent, die nicht zur Wahlurne gehen“, schreibt Julia Hofmann. Sie ist Referentin für soziale Ungleichheit und Verteilungsfragen in der AK Wien. „Über 80 Prozent der Bevölkerung empfinden die Unterschiede zwischen Arm und Reich mittlerweile als zu groß“, führt Hofmann aus. Längst wird auch vehement die Einführung einer Abgabe auf Übergewinne gefordert. 

Ab welchem Vermögen gehört man in Österreich zu den reichsten zehn Prozent?

Wer in Österreich zu den vermögendsten zehn Prozent der Haushalte gehört, verfügt über ein beträchtliches Nettovermögen. Laut Daten der Österreichischen Nationalbank lag die Schwelle 2021 bei rund 702.000 Euro Nettovermögen pro Haushalt. Zum Vergleich: Das Medianvermögen lag bei rund 128.000 Euro. Die Hälfte der österreichischen Haushalte besaß weniger, die andere Hälfte mehr.

Als Nettovermögen gilt der gesamte Besitz eines Haushalts – etwa Immobilien, Sparguthaben, Wertpapiere oder Unternehmensvermögen – abzüglich seiner Schulden.

Negative Folgen zu hoher Vermögensungleichheit

Hohe Vermögensungleichheit kann für eine Gesellschaft gefährlich werden. Dazu zählen eine geringere soziale Mobilität und politische Partizipation. Zudem können soziale Spannungen zunehmen.

Probleme hoher Vermögensungleichheit:

  • Gesunkene soziale Mobilität: Ärmere Menschen haben oft deutlich weniger Chancen, einen höheren Lebensstandard zu erreichen.
  • Geringere politische Partizipation: Ärmere Menschen sind häufig politisch weniger aktiv und ihre Interessen werden weniger stark vertreten. Dies kann zu einer Schwächung der Demokratie führen.
  • Kriminalität: In Gesellschaften mit hoher Ungleichheit ist die Kriminalitätsrate oft höher.
  • Geringeres Vertrauen in Institutionen: Menschen in ungleichen Gesellschaften haben oft ein geringeres Vertrauen in staatliche Institutionen wie die Polizei, das Rechtssystem und die Politik.
  • Geringere Wirtschaftsleistung: Es gibt Studien, die darauf hindeuten, dass hohe Ungleichheit zu einer geringeren Wirtschaftsleistung führen kann. Dies liegt zum einen daran, dass arme Menschen weniger Geld ausgeben können, was die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen schwächt. Zum anderen kann Ungleichheit zu Investitionshemmnissen führen, da Unternehmen in unsicheren und unruhigen Gesellschaften weniger investieren.
  • Höhere Armut: In Gesellschaften mit hoher Ungleichheit ist die Armutsquote oft höher. Dies kann zu sozialen Problemen wie Hunger, Obdachlosigkeit und mangelnder Bildung führen.

Maßnahmen gegen die Vermögensungleichheit in Österreich

Im Sozialbericht 2024 schlagen die Experten und Expertinnen der OeNB drei Maßnahmen vor, um die Vermögensungleichheit in Österreich zu verringern.

  • Vermögenssteuer: Sie soll auf Nettovermögen gezahlt werden, was Transparenz und Gerechtigkeit beim Vermögen erhöhen würde. Laut OeNB könnte ein Freibetrag von 50 Millionen Euro gelten. Erst, wer mehr hat, müsste bezahlen.
  • Erbschafts- und Schenkungssteuer: Sie könnte laut OeNB die soziale Mobilität und Chancengleichheit stärken, „indem sie unverdiente, leistungslose Einkommen aus Erbschaften besteuert und somit die übermäßige Vermögenskonzentration bekämpft”.
  • Besteuerung der „Bodenrente“: Die OeNB plädiert für die stufenweise Einführung einer Besteuerung der Bodenrente. Hintergrund ist, dass öffentliche Güter wie Infrastruktur (etwa eine neue U-Bahn-Station in der Nähe) den Wert von Grund und Boden steigern, ohne dass die Landeigentümer direkt dafür bezahlt hätten. Es gehe darum, dass die Allgemeinheit etwas vom Wertgewinn durch öffentliche Infrastruktur zurückbekäme.

Tatsächlich sind die Ideen nicht neu. Eine Vermögenssteuer gab es in Österreich bereits von 1955 bis 1993. Auch die Erbschafts- und Schenkungssteuer schaffte die Bundesregierung erst im Jahr 2008 ab.

FAQ zur Vermögensungleichheit in Österreich:

Wie ungleich ist das Vermögen in Österreich verteilt?
Vermögen sind in Österreich stark ungleich verteilt. Die reichsten fünf Prozent der Haushalte besitzen mehr als die Hälfte des Nettovermögens, während die untere Hälfte verfügt dagegen nur über einen kleinen Teil. Besonders wichtig für die Vermögensverteilung ist der Besitz von Immobilien.
Ab welchem Vermögen gehört man in Österreich zu den reichsten 10 Prozent?
Laut Daten der Österreichischen Nationalbank lag die Schwelle 2021 bei rund 702.000 Euro Nettovermögen pro Haushalt. Wer mindestens über dieses Nettovermögen verfügte, gehörte zu den vermögendsten zehn Prozent der Haushalte.
Wie hoch ist das durchschnittliche Vermögen in Österreich?
Statt des Durchschnitts ist das Medianvermögen aussagekräftiger, weil sehr große Vermögen den Durchschnitt stark nach oben ziehen können. Das Median-Nettovermögen lag 2021 bei rund 128.000 Euro pro Haushalt. Das bedeutet: Eine Hälfte der Haushalte besaß weniger, die andere Hälfte mehr.
Was zählt zum Nettovermögen?
Zum Nettovermögen zählen sämtliche Vermögenswerte eines Haushalts, darunter Immobilien, Sparguthaben, Wertpapiere und Unternehmensvermögen. Davon werden bestehende Schulden abgezogen.
Was ist der Gini-Koeffizient?
Der Gini-Koeffizient zeigt, wie ungleich Einkommen oder Vermögen verteilt sind. Ein Wert von 0 bedeutet vollständige Gleichverteilung, ein Wert von 100 maximale Ungleichheit. Je höher der Wert, desto stärker ist die Ungleichverteilung.
Warum sind Vermögen in Österreich so ungleich verteilt?
Eine wichtige Rolle spielen Immobilienbesitz, Erbschaften, unterschiedliche Einkommen und das Steuersystem. Wer bereits Vermögen besitzt oder erbt, hat bessere Möglichkeiten, weiteres Vermögen aufzubauen.
Was kann gegen Vermögensungleichheit getan werden?
Im Sozialbericht 2024 werden unter anderem eine Vermögenssteuer, eine Erbschafts- und Schenkungssteuer sowie eine Besteuerung der Bodenrente diskutiert. Ziel solcher Maßnahmen ist es, die starke Konzentration von Vermögen zu begrenzen.

Mehr lesen

Vermögensverteilung: Wer hat, dem wird gegeben

Reichhaltiges Österreich

Besteuert endlich die Superreichen!

Sie brauchen einen Perspektivenwechsel?

Dann melden Sie sich hier an und erhalten einmal wöchentlich aktuelle Beiträge zu Politik und Wirtschaft aus Sicht der Arbeitnehmer:innen.

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder.
Mit dem Absenden dieses Formulars stimme ich der Verarbeitung meiner eingegebenen personenbezogenen Daten für den Zweck der Versendung und Verwaltung des Newsletters sowie des Gewinnspiels zu. Diese Zustimmung kann jederzeit widerrufen werden. Details dazu finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Über den/die Autor:in

Christian Domke Seidel

Christian Domke Seidel hat als Tageszeitungsjournalist in Bayern und Hessen begonnen, besuchte dann die bayerische Presseakademie und wurde Redakteur. In dieser Position arbeitete er in Österreich lange Zeit für die Autorevue, bevor er als freier Journalist und Chef vom Dienst für eine ganze Reihe von Publikationen in Österreich und Deutschland tätig wurde.

Sie brauchen einen Perspektivenwechsel?

Dann melden Sie sich hier an und erhalten einmal wöchentlich aktuelle Beiträge zu Politik und Wirtschaft aus Sicht der Arbeitnehmer:innen.



Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder. Mit dem Absenden dieses Formulars stimme ich der Verarbeitung meiner eingegebenen personenbezogenen Daten gemäß den Datenschutzbestimmungen zu.