Tag der Elementarpädagogik: Sorgen um die Jüngsten

Ein kleines Mädchen schreit im Kindergarten. Symbolbild für den Tag der Elementarpädagogik.
Die Probleme in der Elementarpädagogik spitzen sich immer mehr zu. | © Adobestock/poplasen
Am Tag der Elementarpädagogik soll auf die Missstände in diesem Bereich aufmerksam gemacht werden. In Wien bleiben dafür die Kindergärten geschlossen.
Der Tag der Elementarpädagogik soll aufzeigen, welche Bedeutung Kleinkindergruppen, Kindergärten und Horte für die Entwicklung der Kinder haben. Und er soll aufzeigen, welche Probleme es in diesem Bereich gibt. Es fehlt an Personal, Infrastruktur und Geld. Trotz neuer 15a-Vereinbarung und vollmundiger Versprechungen der Politik. Darin sind sich alle Sozialpartner:innen einig. In naher Zukunft dürfte die Nachfrage nach Arbeitnehmer:innen ein zentrales Problem werden. Um auf die Missstände aufmerksam zu machen – und um die Zeit für Fortbildungen zu nutzen – bleiben die Kindergärten in Wien daher für einen Tag geschlossen.

Tag der Elementarpädagogik: Fehlende Investitionen angeprangert

Die aktuelle 15a-Vereinbarung der Elementarpädagogik ist Arbeiterkammer (AK) und Österreichischem Gewerkschaftsbund ein Dorn im Auge. Denn es fehlt nach wie vor an Geld. „Die immer wieder von Minister*innen vorgebrachte ‚Kindergarten-Milliarde‘ ist eine reine Mogelpackung. De facto handelt es sich um eine Budgeterhöhung von 57,5 Millionen Euro pro Jahr. Das ist für eine längst überfällige Ausbildungsoffensive und ein Bauprogramm natürlich viel zu wenig“, bewertet Christian Meidlinger die aktuelle Situation. Er Vorsitzender in der younion _ Die Daseinsgewerkschaft.

Ein kleiner Junge im Kindergarten hält sich die Hände vor das Gesicht. Symbolbild für den Tag der Elementarpädagogik.
Österreich hinkt den internationalen Zielen bei der Kinderbetreuung hinterher. Es fehlt an Personal, Platz und Geld. | © Adobestock/Stefan Klein

Ab August 2023 soll die neue 15a-Vereinbarung gelten. Sie regelt die Finanzierung in der Elementarpädagogik. Vor allem geht es um den Ausbau des Kindergartenangebots und frühe Sprachförderung. Und darum, Kindern unter drei Jahren eine qualitativ hochwertige und zeitliche ausreichende Betreuung zu ermöglichen. Das ist Teil der sogenannten Barcelona-Ziele. Das sind Mindeststandards der Kinderbetreuung, die der Europäische Rat bereits im Jahr 2002 beschlossen hat. 90 Prozent aller Kinder zwischen drei und fünf Jahren hätten bis zum Jahr 2010 in einer formellen Betreuung sein sollen. Und ein Drittel der Kinder unter drei Jahren. Lediglich das Burgenland erfüllt das Ziel in beiden Altersklassen.

Entsprechend enttäuscht sind viele Expert:innen von der neuen 15-Vereinbarung zur Elementarpädagogik. „Wir, als Sozialpartner:innen hätten eine Milliarde Euro mehr pro Jahr gefordert. Herausgekommen ist eine Milliarde Euro als Gesamtbudget. Es wird ein bisschen mehr Geld investiert werden, das wird aber an den großen Problemen vorbeifinanziert werden. Das wirklich größte Problem ist die Personalknappheit, die in den schlechten Arbeitsbedingungen begründet ist“, ordnet beispielsweise Katharina Mader im Gespräch mit Arbeit&Wirtschaft das Paket ein. Sie ist Ökonomin und Referentin in der Abteilung Frauen der Arbeiterkammer, das Paket ein.

Forderung im Sinne der Kinder am Tag der Elementarpädagogik

Auf die Missstände soll der Tag der Elementarpädagogik aufmerksam machen. „Die Kolleg:innen in den Kleinkindergruppen, Kindergärten und Horten müssen das Versagen der Bundesregierung jeden Tag kompensieren. Oft wird dabei die Belastungsgrenze überschritten“, betont Manfred Obermüller die Dringlichkeit eines solchen Tages. Er ist Vorsitzender der Hauptgruppe eins in der younion. Die Pädagog:innen in Wien schließen deswegen am Tag der Elementarpädagogik die Kindergärten. Sie nutzen die Zeit für Weiterbildungen rund um das Thema Kinder- und Jugendrechte. Dabei unterstützt die younion die Einrichtungen auch finanziell.

Der Tag solle zu einem Zeichen an die Bundesregierung verstanden werden, so Obermüller weiter. Sie müsse eine deutliche und ehrliche Aufstockung des Budgets durchführen. Es geht darum, in ganz Österreich eine Ausbildungsoffensive zu starten. Aktuell fehlt es in diesem Bereich laut einer Studie für das Bildungsministerium an 1.800 Fachkräften. Bis zum Jahr 2030 könnte diese Lücke auf 13.700 anwachsen. Außerdem brauche es bundeseinheitliche Regeln für die elementaren Bildungseinrichtungen. Aktuell gibt es in den Bundesländern unterschiedliche Platz- und Personalvorgaben.

Auch die Österreichischen Kinderfreunde, die Interessenvertretung von Kindern und Familie, beteiligt sich am Tag der Elementarpädagogik. „Die Probleme liegen am Tisch – es gilt vonseiten der Regierung endlich die bildungspolitische Verantwortung zu übernehmen und diesen wichtigen Bildungsbereich ordentlich auszustatten“, fordert Jürgen Czernohorszky, der Bundesvorsitzender der Kinderfreunde. Er fordert:

  • Besserer Betreuungsschlüssel und kleinere Gruppen.
  • Mehr Förderangebote und Sprachförderung.
  • Kostenloses, qualitativ hochwertiges Mittagessen.
  • Kostenfreier, ganztägiger und ganzjähriger Kindergarten.
  • Ausbildungsoffensive für Fachkräfte im Kindergarten.

Alle Sozialpartner:innen beim Tag der Elementarpädagogik an Bord

Im Vorfeld zum Tag der Elementarpädagogik gab es bereits einen Kinderbetreuungsgipfel in der Hofburg. Daran beteiligten sich alle Sozialpartner:innen und Interessenvertretungen. Und zeigten sich bei diesem Thema einig. „Gerade auch vor dem Hintergrund des akuten Arbeits- und Fachkräftekräftemangels ist ein Turbo beim Ausbau der qualitätsvollen Kinderbetreuung vom Neusiedlersee bis zum Bodensee mit einer Ausweitung der Öffnungszeiten, die mit einer Vollzeitbeschäftigung vereinbar sind, ein Muss – wichtig für Frauen, Familien und den gesamten Wirtschaftsstandort Österreich“, stellte Martha Schultz klar. Sie ist Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und Bundesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft (FiW).

Gerade für die ländliche Region sei es wichtig, eine bedarfsgerechte und qualitätsvolle Kinderbetreuung anzubieten, erklärte Irene Neumann-Hartberger. Sie ist Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer und Bundesbäuerin. „Rahmenbedingungen für ein ausgewogenes Familien- und Berufsleben sind von größter Bedeutung für die Vitalität des ländlichen Raumes.“

Über den/die Autor*in

Christian Domke Seidel

Christian Domke Seidel hat als Tageszeitungsjournalist in Bayern und Hessen begonnen, besuchte dann die bayerische Presseakademie und wurde Redakteur. In dieser Position arbeitete er in Österreich lange Zeit für die Autorevue, bevor er als freier Journalist und Chef vom Dienst für eine ganze Reihe von Publikationen in Österreich und Deutschland tätig wurde. Unter anderem sprang ein dritter Platz beim österreichischen Magazinpreis heraus.

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