Von Tirol in die Welt
„Der Standort punktet mit der Belegschaft“, sagt Robert Dreer, Vorsitzender des Betriebsausschusses und Angestellten- Betriebsratsvorsitzender. Die Beschäftigten hätten einen hohen Grad an Identifikation mit dem Unternehmen.
Komponenten von Plansee landen in Zukunftsbranchen, unter anderem in der Halbleiter- und der Bauindustrie, in der Luft- und Raumfahrt, in der Medizintechnik und der Elektronik, etwa in Smartphones. In der Forschungsabteilung tüfteln circa 150 Wissenschaftler:innen, in Sachen Digitalisierung und Innovation gehört man zu den Vorreitern in Österreich.
Die Herausforderung für uns als Betriebsrat ist, für unsere Kolleg:innen ein gutes Arbeitsumfeld zu schaffen. Es haben sich die Parameter geändert. Der Arbeitsdruck steigt.
Robert Dreer, Betriebsratsvorsitzender
Die Plansee Group verbindet drei Firmen am Standort in Reutte, verfügt über 36 Produktionsstandorte in Europa, Nordamerika und Asien. Sie beschäftigt über 11.000 Menschen weltweit, 2.500 davon in Reutte. Gründungsort trifft globale Industrie: „Wir sind als Unternehmen in der glücklichen Lage, die aktuell schwierige Phase in der Wirtschaft gut zu schaffen“, so Dreer. „Die Herausforderung für uns als Betriebsrat ist, für unsere Kolleg:innen ein gutes Arbeitsumfeld zu schaffen. Es haben sich die Parameter geändert. Der Arbeitsdruck steigt.“ Der Wettkampf mit internationaler Konkurrenz sei spürbar.
Großes Betriebsratsteam
Dreer selbst hat hier schon die Lehre gemacht – im Jahr 1985 als Werkzeugmaschineur – und konnte dann verschiedenste Bereiche des Unternehmens kennenlernen. Beim Einsatz für die Beschäftigten habe der Betriebsrat begrenzte Möglichkeiten, die rechtliche Situation durch das Arbeitsverfassungsgesetz (ArbVG, siehe Interview zum Thema auf Seite 28) sei nicht mehr ganz zeitgemäß: „Bei Einstellungen haben wir ein Beratungsrecht, kein Interventionsrecht“, gibt er ein Beispiel dafür. „Das fehlt uns“, so Dreer, der seit 2003 im Betriebsrat und seit 2015 dafür freigestellt ist. Oder auch beim Thema Betriebsvereinbarungen: Diese beruhen oft auf der Freiwilligkeit der Unternehmen. „Wir bei Plansee können da noch durch die Größe und das Standing des Betriebsrats mehr Druck auf die Geschäftsführung ausüben, für kleinere Firmen ist das oft schwierig.“
28 Kolleg:innen sind in Reutte im Betriebsrat, 14 als Ersatzmitglieder. Über Jahrzehnte hat er sich etabliert. Die To-dos wurden mit der Zeit immer mehr: „Wir sind wahnsinnig viel mit administrativen Themen eingedeckt. Wir haben aktuell circa 60 Betriebsvereinbarungen, die auch immer wieder zu erneuern sind.“

Baustelle ArbVG
Für einen Betriebsratsvorsitzenden sowie Aufsichts- und Verwaltungsrat sei es unumgänglich, sich laufend Wissen im Arbeitsrecht, Pensionsrecht und anderen Fachbereichen anzueignen. Dreer sieht einen dringenden Unterstützungsbedarf für die Betriebsratsgremien – wiederum gelte es da, beim ArbVG anzusetzen: „Eine Freistellung für den Betriebsrat gibt es ab 150 Beschäftigten, eine zweite ab 700 und eine dritte erst ab 3.000 Beschäftigten. Das ist definitiv zu wenig“, betont er. „Mein Betriebsratsteam hat einen Bereich mit über 1.100 Angestellten zu betreuen.“ Seine Rolle verlagerte sich dabei zunehmend in Richtung Verhandlungen mit dem Management. „Für mich persönlich wird der Kontakt zur Belegschaft definitiv weniger.“
🏥 Organizing statt Hinterzimmerpolitik: Michelle Rieder, Betriebsrätin im größten Ordensspital Österreichs, erzählt, wie die Beschäftigten mit neuen Methoden für ihre Rechte gekämpft haben.
💡 Was sie anderen Betriebsrät:innen rät.
— Arbeit&Wirtschaft Magazin (@aundwmagazin.bsky.social) 4. September 2026 um 12:30
Zudem verfolge er täglich, was sich geopolitisch tut. Zur internationalen Struktur des Konzerns kommen die Rohstoffe: Wolfram und Molybdän werden in Amerika, in Südkorea und auf der Iberischen Halbinsel gewonnen. Dreer: „Geografisch liegt Reutte ab vom Schuss. Aber wenn wir nicht global und offen denken, dann funktioniert es nicht.“
Fortbildung und Lehrlinge stünden seit jeher im Fokus. Am Standort in Reutte arbeiten circa 140 Lehrlinge. Das Unternehmen braucht Fachkräfte, um die stetige Weiterentwicklung und Innovation gewährleisten zu können. Dreer: „Weiter- und Ausbildung ist das Um und Auf. Das sichert uns die Arbeitsplätze. Ganz einfach.“