Mobilität: Mit der Bahn aus der Krise?

Ein roter Zug fährt aus einem Tunnel neben einem Fluss. Symbolbild für die Mobilitätswende und die Autoindustrie, die immer mehr unter Druck gerät.
230.000 neue Stellen möglich: Der Bahnsektor könnte zum Auffangbecken für Beschäftigte aus der kriselnden Autoindustrie werden. | © Adobestock/Markus Mainka
Klimaziele, E-Mobilität, sinkende Nachfrage, Exportabhängigkeit – die heimische Autoindustrie ist unter Druck. Von einer Mobilitätswende könnten Umwelt und Lohnabhängige profitieren.
Hohe Löhne, stabile Anstellungsverhältnisse, starker gewerkschaftlicher Organisationsgrad: Mit seinen 35.000 direkt Beschäftigten und 1,3 Prozent Anteil an der Bruttowertschöpfung ist die österreichische Autoindustrie eine „Erfolgsgeschichte“. Aber eine „mit Risiken“. Davor warnt Gerhard Streicher, Senior Researcher im Forschungsbereich „Strukturwandel und Regionalentwicklung“ des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO, bei einem Mediengespräch von Diskurs. Das Wissenschaftsnetz.

Dem Klima mögen Öffi-Ausbau, Elektromobilität und Dekarbonisierungspfade nützen – die österreichische Autoindustrie stellen sie aber vor Herausforderungen. Die Kernkompetenz der hiesigen Industrie liegt vor allem im Bereich des Verbrennungsmotors, erklärt Streicher. „Neue Kompetenzfelder“, wie die Herstellung von Batterien oder Brennstoffzellen, „müssten erst aufgebaut werden“.

Doch eine langfristige Industriestrategie im Bereich der Kfz-Herstellung zu entwickeln, ist schwierig. 80 Prozent der hierzulande gefertigten Produkte gehen ins EU-Ausland, Österreichs Produktion orientiert sich vor allem an Deutschland.

Vom Auto- zum Bahnland?

Anders bei der Bahn: Das Zielnetz 2040, die langfristige Strategie des Bundes zum Ausbau des Bahnnetzes in Österreich,  gibt konkrete Transformationspfade vor und die Auftraggeber sind meist staatlich. Im Gegensatz zur Automobilindustrie ist die Planungssicherheit hoch, betonen Lukas Cserjan und Laura Porak vom Institut für die Gesamtanalyse der Wirtschaft der JKU Linz. Dementsprechend stabil ist das Arbeitskräftewachstum in der Branche, von 20.300 im Jahr 2016 auf 28.000 im Jahr 2026.

Neben einem Autoland ist Österreich nämlich auch ein Bahnland. Die Republik ist etwa Weltmarktführer im Bereich Gleisbaumaschinen und Sensortechnik. Sie rangiert bei den Bahn-Patenten weltweit auf Platz 1. Die Bahnindustrie, so Cserjan und Porak, besitzt „das Potenzial im Zuge des industriellen Umbaus langfristig gute Jobs zu schaffen“. Bis 2040 könnten durch den Ausbau des Bahnnetzes, die Modernisierung von Bahnhöfen oder Investitionen in digitale Steuerungssysteme bis zu 230.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Das berechneten die beiden Forscher:innen in ihrer Studie „Mobilitätswende produzieren“.

🎶 Nur noch kurz das Klima retten?

So einfach ist es nicht, Betriebsräte können aber Veränderungen anstoßen. Tipps dafür gibt es hier:

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— Arbeit&Wirtschaft Magazin (@aundwmagazin.bsky.social) 2. April 2026 um 17:00

Eine Transformation dieser Größenordnung ist jedoch kein Selbstläufer. Hierfür müsste „politisch noch viel mehr passieren“. Cserjan und Porak betonen die Notwendigkeit einer staatlich koordinierten Industrie- und Arbeitsmarktpolitik, die grüne Industrien fördert und Arbeitskräfte aus der kriselnden Automobilbranche in andere Sektoren vermittelt.

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Über den/die Autor:in

Johannes Greß

Johannes Greß, geb. 1994, studierte Politikwissenschaft an der Universität Wien und arbeitet als freier Journalist in Wien. Er schreibt für diverse deutschsprachige Medien über die Themen Umwelt, Arbeit und Demokratie.

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