„Der Job bedeutet auch, sich um die Seele zu kümmern“
Lesly und Yeison, Ehepaar und Pflegepersonen aus Kolumbien, seit zwei Jahren in Österreich
„Wir haben uns während der Ausbildung in Kolumbien kennen gelernt, sind beide diplomierte Krankenpfleger:innen und haben eine kleine Tochter. Wir haben vor etlichen Jahren erfahren, dass es die Möglichkeit gibt, nach Österreich zu kommen. Als ein Job fixiert war, haben wir einen Deutschkurs begonnen und ein Jahr lang in Kolumbien bis zu fünf Stunden täglich Deutsch gelernt, neben unserer Arbeit in der Pflege. Weil die Bedingungen dort schwierig sind, sind wir nach Österreich gekommen.
In Kolumbien arbeiten wir anders als hier: Dort sind wir diplomierte Krankenpfleger:innen und damit höher ausgebildet. Wir übernehmen etwa mehr Aufgaben, machen alles außer Medikamente zu geben und verbringen weniger Zeit mit administrativen Sachen. Hier arbeiten wir auch als diplomierte Krankenpfleger:innen. Am Anfang war es nicht leicht, die Kultur und auch das Gesundheitssystem in Österreich zu verstehen. Insgesamt mögen wir es hier aber sehr und möchten gerne auch langfristig bleiben. Wir wurden von Anfang an toll aufgenommen, und unsere Kolleg:innen sind wie eine Familie für uns. Trotzdem fragen uns ältere Patient:innen immer wieder, wieso wir hier in Österreich sind. Man spürt dann ihren Rassismus. Unsere Kolleg:innen unterstützen uns dann immer. Und wir erzählen den Patient:innen gerne von unserer Heimat, zeigen Fotos und kümmern uns um sie. Daraus entstehen schöne Gespräche.
Pflegearbeit ist extrem herausfordernd – doch vor Jahrhunderten waren die Bedingungen noch weitaus schlimmer. Vieles hat sich dank gewerkschaftlicher Kämpfe verbessert. Ein Blick in die Geschichte zeigt, warum der Einsatz für faire Arbeitsbedingungen bis heute so wichtig ist:
Was uns von den österreichischen Kolleg:innen unterscheidet, ist, dass wir viel körpernaher pflegen. So haben wir das in Kolumbien gelernt. Wir arbeiten etwa mit respektvollen Umarmungen und Berührungen. Das hilft uns über die Sprachbarrieren hinweg. Nur jemanden zu waschen und ihm Essen zu geben, ist nicht, was den Beruf ausmacht. Es geht darum, sich wirklich zu kümmern – auch um die Seele.“
* Name von der Redaktion geändert