Warm, satt und sauber reicht nicht! Was Pflege wirklich bedeutet

Inhalt

  1. Seite 1 - „Ich würde mir wünschen, die Regierung würde einen Tag mit uns verbringen“
  2. Seite 2 - „Ich werde mich nicht rausdrängen lassen, ohne für bessere Bedingungen zu kämpfen“
  3. Seite 3 - „Wenn weiter Personal reduziert wird, geht es nur mehr ums warm, satt und sauber halten – und so könnte ich nicht arbeiten“
  4. Seite 4 - „Der Job bedeutet auch, sich um die Seele zu kümmern“
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Sie waschen, verbinden, dokumentieren – und halten die Hand, wenn jemand seine letzten Atemzüge macht. Fünf Pflegepersonen erzählen, was ihren Beruf wirklich ausmacht.

„Wenn weiter Personal reduziert wird, geht es nur mehr ums warm, satt und sauber halten – und so könnte ich nicht arbeiten“

Marion, 56 Jahre alt, Pflegeassistentin Geriatrie und Hospiz

„Eigentlich wollte ich immer Krankenpflegerin werden, aber ich bin bei meiner Oma aufgewachsen und die hatte Mindestpension, und wir konnten uns die Ausbildung nicht leisten. Also habe ich eine Friseur:innenlehre gemacht, habe meinen – mittlerweile verstorbenen  – Mann kennen gelernt, und wir haben unseren Sohn bekommen. Er ist hörbehindert zur Welt gekommen, und so kam ich mit der Pflege mehr in Kontakt. Ich habe dann die Ausbildung zur Pflegeassistentin gemacht und arbeite jetzt in der Geriatrie und im Hospiz. In diesem Beruf möchte ich auch in Pension gehen.

Ich bin nicht jeden Tag im Hospiz – einer spezialisierten Einrichtung zur Begleitung und Pflege von unheilbar kranken Menschen, deren Lebensende absehbar ist – und darüber bin ich auch froh, weil es einen unheimlich ausbrennt. Die Bewohner:innen sind jünger, es ist emotional viel belastender und man arbeitet ganz anders. Hier steht nicht Körperpflege im Vordergrund, sondern sozusagen die „letzte Reise”. Wir besprechen ihren Abschied aus der Welt auch mit den Menschen, fragen, welche Musik sie hören wollen, was sie anziehen möchten, was am Nachtkästchen neben dem Sterbebett stehen soll. Wir hatten mal einen Herrn, der wollte auf der Terrasse sterben, und wir haben das möglich gemacht. Er saß dann dort mit einem Glas Wein und einer Zigarette. Es ist ein unglaubliches Privileg, jemandem in seinen letzten Momenten die Hand halten zu dürfen. Wenn jemand verstirbt, ist es mein Ritual, diese Person dann noch zu waschen.

Unsere Arbeit wird aber komplizierter: Wir müssen immer mehr dokumentieren, immer mehr Papierarbeit machen. Das ist wichtig, aber ich verschiebe das oft auf den Abend und mache Überstunden, um in meiner Arbeitszeit ganz für die Patient:innen da sein zu können. Mir ist der Mensch wichtiger als der Computer. Der Personalmangel ist jetzt schon ein Problem. Wird das Personal weiter reduziert, dann geht es nur mehr ums warm, satt und sauber halten, der Mensch kommt da zu kurz. Und so könnte ich nicht arbeiten.“

Eine Pflegerin misst mit einem Stethoskop den Herzschlag.
Viele Pflegepersonen kämpfen täglich gegen Überlastung. | © Adobe Stock/Halfpoint

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  1. Seite 1 - „Ich würde mir wünschen, die Regierung würde einen Tag mit uns verbringen“
  2. Seite 2 - „Ich werde mich nicht rausdrängen lassen, ohne für bessere Bedingungen zu kämpfen“
  3. Seite 3 - „Wenn weiter Personal reduziert wird, geht es nur mehr ums warm, satt und sauber halten – und so könnte ich nicht arbeiten“
  4. Seite 4 - „Der Job bedeutet auch, sich um die Seele zu kümmern“
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Über den/die Autor:in

Sandra Gloning

Sandra Gloning ist freie Online- und Print-Journalistin in Wien mit einem breiten Themenfeld rund um Frauen, Lifestyle und Minderheiten und dem Ziel, Geschichten aus dem echten Leben zu erzählen.

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