Essenszusteller: Sollen sie halt E-Bikes fahren!?

Mehr Sicherheit auf Radwegen, aber auf wessen Kosten? Das E-Moped-Verbot trifft vor allem prekär beschäftigte Rider:innen. | © APA-Images / Weingartner-Foto
Mehr Sicherheit auf Radwegen, aber auf wessen Kosten? Das E-Moped-Verbot trifft vor allem prekär beschäftigte Rider:innen. | © APA-Images / Weingartner-Foto
Das Verbot von E-Mopeds ist richtig – und ein Lehrstück darüber, wessen Interessen in Österreich (nicht) gehört werden.
Sie haben keine Pedale, wiegen 70 Kilo, beschleunigen binnen Sekunden auf 25 Stundenkilometer und laut Gesetz sind es trotzdem Fahrräder – zumindest bis zum 1. Oktober. Dann tritt eine Novelle der Straßenverkehrsordnung in Kraft, die die sogenannten E-Mopeds de facto verbietet.

Die Novelle wird Straßen und Radwege sicherer machen. Aber für Betroffene, allen voran die geschätzten 3.000 bis 4.000 überwiegend migrantischen Essenszusteller:innen im Land, ist es eine wirtschaftliche Katastrophe.

60 Wochenstunden

Jahr für Jahr bestellen mehr Menschen Essen bei Plattformen wie Foodora, Lieferando und Wolt. Und Jahr für Jahr drängen sich mehr Zusteller:innen mit E-Mopeds auf Verkehrsflächen, die eigentlich für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen gedacht sind. Das führt unweigerlich zu Konflikten – auch, weil der Fahrstil mancher Zusteller:innen mehr als abenteuerlich ist.

Aber: Essenszusteller:innen nutzen die Fake-Fahrräder nicht aus Jux und Tollerei. Die Arbeitsbedingungen in der Branche sind eines europäischen Landes unwürdig. Um einigermaßen über die Runden zu kommen, fahren viele Zusteller:innen 60 und mehr Wochenstunden. Mit einem herkömmlichen Fahrrad schaffen das die wenigsten.

E-Bikes können sich nur die wenigsten leisten

Erschwerend kommt hinzu: Die sogenannten Rider:innen werden meist nicht nach Stunden sondern pro Auftrag bezahlt – was einen „flexiblen Umgang“ mit Verkehrsregeln reizvoller macht. Wer später bremst, verdient auch mehr.

E-Mopeds haben zwei Vorteile: Mit ihnen können die Rider:innen länger und schneller zustellen. Und sie sind deutlich günstiger als E-Bikes. Den nun gesetzlich erzwungenen Umstieg auf ein E-Bike werden sich die wenigsten leisten wollen bzw. können.

Mangelnde Alternativen

Die Rider:innen bräuchten Alternativen. Die aber scheint man bei der Novelle aus dem – wohlgemerkt sozialdemokratischen – Verkehrsministerium nicht mitbedacht zu haben.

Die Novelle ist ein Lehrstück darüber, wessen Interessen im politischen Prozess gehört werden. Die Mehrheitsbevölkerung bestellt zwar liebend gerne Pizza und Burger, aber ist eben genervt von den E-Mopeds. Also müssen sie weg. Über die Konsequenzen für die Zusteller:innen – überwiegend migrantisch, prekär, nicht wahlberechtigt – scheint man sich keine Gedanken gemacht zu haben.

Ausbeutung verhindern

Für das Verkehrsministerium ist ein Verbot sicherlich die bequemere Lösung. Die unbequemere wäre gewesen: Reformen nicht auf dem Buckel der Entrechteten, sondern gegen die Mächtigen durchzusetzen. Ausbeutung und Scheinselbständigkeit in der Zustellbranche endlich den Riegel vorschieben. Und: Wenn Radwege zu eng werden, könnte man ja auch mal ein paar Parkplätze oder eine Autospur eindampfen. Auch das wäre ein Beitrag zur Verkehrssicherheit – und zum Umweltschutz!

🍕 Nach dreieinhalb Jahren Marktuntersuchung ermittelt die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) gegen den größten österreichischen Essenslieferdienst Foodora.

🔎 Der Verdacht lautet auf Marktmachtmissbrauch.

🚲 Und das bekommen nicht zuletzt die zu spüren, die das Essen ausliefern.

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— Arbeit&Wirtschaft Magazin (@aundwmagazin.bsky.social) 10. September 2026 um 17:00

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Über den/die Autor:in

Johannes Greß

Johannes Greß, geb. 1994, studierte Politikwissenschaft an der Universität Wien und arbeitet als freier Journalist in Wien. Er schreibt für diverse deutschsprachige Medien über die Themen Umwelt, Arbeit und Demokratie.

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