Zwei Plattformen teilen sich den Markt
Die Probleme der Branche enden nicht bei den Arbeitsbedingungen. Aktuell hat die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) Foodora aus einem anderen Grund im Visier: Marktmachtmissbrauch. Dreieinhalb Jahre lang hat die Behörde den Markt für Online-Lieferplattformen durchleuchtet und rund 2.500 Wiener Gastronomiebetriebe befragt. Ende August leitete sie Ermittlungen ein. Namentlich nannte die BWB das Unternehmen nicht, Foodora bestätigte es aber selbst.
Der Zusteller-Markt ist aufgeteilt: Foodora, vormals Mjam, hält laut BWB 50 bis 60 Prozent, Lieferando 40 bis 50 Prozent. Für die Lokale sind die Plattformen längst kein kleines Zusatzgeschäft mehr: Die befragten Wiener Betriebe erwirtschaften im Schnitt ein Viertel bis ein Drittel ihres Umsatzes darüber.
Exklusivität, Bestpreis, Strafgebühren
Diese Abhängigkeit spiegelt sich in den Verträgen zwischen Lieferdienst und Gastro-Betrieben: Exklusivitätsvereinbarungen, bei denen Restaurants für bessere Konditionen auf konkurrierenden Plattformen pausieren müssen, und Bestpreisklauseln, die es Lokalen verbieten, ihre Speisen auf eigenen Kanälen günstiger anzubieten. Dazu einseitige Vertragsänderungen und Strafgebühren von bis zu zehn Euro, wenn die Küche Bestellungen zu langsam bearbeitet.
„Steigende Abhängigkeiten der Restaurants [von den Plattformen] können sich negativ auf Preise, Angebot und Arbeitsbedingungen der Zusteller:innen auswirken”, so BWB-Generaldirektorin Natalie Harsdorf in der Presseaussendung.
„Das schwächste Glied in der Plattformkette”
Für die Arbeiterkammer ist das bei den schlechten Arbeitsbedingungen der Lieferant:innen nicht überraschend. Der Wettbewerb werde auch auf dem Rücken der Bot:innen ausgetragen. Statt fixer Anstellungen gebe es nur freie Dienstverhältnisse, kritisiert AK-Direktorin Silvia Hruška-Frank in einer Presseaussendung. Die Fahrer:innen seien „das schwächste Glied in der Plattformkette”, so Markus Petritsch von der Gewerkschaft vida. Ob die Ermittlungen daran etwas ändern, ist offen.
Gegen Essenszusteller ermittelt nun @bwboesterreich.bsky.social. „Der Wettbewerb in dieser Branche wird auf dem Rücken der Fahrer:innen ausgetragen. Es braucht wirkungsvolle Sanktionen bei eklatanter Unterentlohnung”, sagt #AK Direktorin Silvia Hruška-Frank. 🔽🔽
— @Arbeiterkammer (@arbeiterkammer.at) 31. August 2026 um 12:38