Damit sich die Lohnlücke schließt, muss sich einiges ändern. Länder wie Belgien, Schweden und Island zeigen, was Österreich besser machen kann.
Belgien
2024 lag der unbereinigte Gender Pay Gap in Belgien laut Eurostat bei nur 0,7 Prozent. Damit belegt das Land Platz 2 im EU-Ranking, direkt nach Luxemburg. Zum Vergleich: Der europäische Durchschnitt lag bei 11,1 Prozent.
Geschafft haben das die Belgier:innen unter anderem mit einem Gesetz gegen den Gender Pay Gap. Bei Branchenverhandlungen, die den österreichischen Kollektivvertragsverhandlungen ähneln, müssen die Verhandelnden seit 2012 auf Geschlechtergerechtigkeit achten. Berufe, in denen vor allem Frauen arbeiten, dürfen nicht systematisch schlechter bezahlt werden als männerdominierte Berufe.
Unternehmen mit mindestens 50 Angestellten müssen alle zwei Jahre analysieren, ob sie Frauen und Männer gleich bezahlen. Der Betriebsrat prüft die Ergebnisse. Zeigen sich Lohnunterschiede, müssen die Arbeitgeber festlegen, was sie dagegen tun und bis wann. Das belgische Institute for the Equality of Women and Men kritisiert jedoch, dass klare Ziele und strenge Strafen fehlen. Ein weiteres Problem ist die niedrige Frauenerwerbsquote: In Belgien liegt sie bei 69 Prozent, im EU-Durchschnitt bei 71 Prozent.

Schweden
Schweden gilt als Vorreiter bei der Gleichstellung. Zwar ist die Lohnlücke mit 11,2 Prozent deutlich höher als in Belgien, dafür liegt die Frauenerwerbsquote der 20- bis 64-Jährigen bei 81,9 Prozent.
Seit Jahren sorgt das Land konsequent für mehr Gleichstellung: Alle Arbeitgeber sind verpflichtet, Löhne jährlich zu analysieren. Dabei geht es nicht nur um gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Sie prüfen auch, ob das Unternehmen Tätigkeiten, die vor allem Frauen ausüben, schlechter bezahlt werden als Tätigkeiten von Männern. Bewertet werden hier Wissen und Fähigkeiten, Verantwortung, Anstrengung und Arbeitsbedingungen. Die Unternehmen analysieren gemeinsam mit den Beschäftigten, die dabei häufig von Gewerkschaften vertreten werden.
Schwedens Ansatz geht über die Bezahlung hinaus: Arbeitgeber müssen immer wieder prüfen, wo sie Beschäftigte benachteiligen könnten – etwa bei Arbeitsbedingungen, Einstellungschancen und Aufstieg, Aus- und Weiterbildung oder der Vereinbarkeit von Beruf und Elternschaft. Stellen sie Probleme fest, müssen sie die Gründe dafür untersuchen und handeln.

Die schwedischen Lohnanalysen können Unterschiede bei der Bezahlung innerhalb eines Unternehmens aufdecken, aber auch dort fehlen meistens strenge Sanktionen. Die Grenzen davon zeigen sich außerhalb des Betriebs. Der schwedische Arbeitsmarkt ist stark nach Geschlechtern getrennt und Frauen arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Branchen als Männer. Das Land will deshalb traditionelle Berufsbilder aufbrechen. Ziel ist etwa, mehr Männer für Sozial- und Pflegeberufe zu gewinnen und die Löhne in typischen Frauenbranchen zu steigern.
Island
In Island lag der unbereinigte Gender Pay Gap 2024 bei 10,4 Prozent – und das bei einer Frauenerwerbsquote von 84 Prozent. Seit Jahren bemüht sich das Land darum, dass Frauen besser bezahlt werden. Bislang mussten Unternehmen und Institutionen mit mehr als 25 Beschäftigten ihr Lohnsystem nach einem nationalen Standard zertifizieren lassen. Dafür gab es einen nationalen Standard. Er regelte, wie Unternehmen ihre Löhne prüfen und dokumentieren müssen. Ziel war, dass Frauen und Männer für gleiche oder gleichwertige Arbeit entsprechend bezahlt werden.
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— Arbeit&Wirtschaft Magazin (@aundwmagazin.bsky.social) 25. August 2026 um 18:00
Ähnlich wie in Schweden ist in Island der Arbeitsmarkt vor allem noch ein Problem – Branchen sind sehr stark männlich oder weiblich geprägt. Das Land verpflichtete deshalb Arbeitgeber und Gewerkschaften dazu, gegen traditionelle Rollen- und Berufsbilder entgegenzuwirken.
Faktenbox
- Österreich hat im europäischen Vergleich einen besonders hohen Gender Pay Gap. Die Zahlen für 2024 im Vergleich:
- Österreich: 15,5 %
- Schweden: 11,2 %
- Island: 10,4 %
- Belgien: 0,7 %
- EU-Durchschnitt: 11,1 %
- In Belgien müssen Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten alle zwei Jahre prüfen, ob sie Frauen und Männer gleich bezahlen. Der Betriebsrat kontrolliert die Ergebnisse. Bei Lohnunterschieden kann ein Aktionsplan mit konkreten Maßnahmen erstellt werden.
- In Schweden müssen Arbeitgeber jedes Jahr alle ausgezahlten Löhne analysieren. Dabei prüfen sie, ob das Unternehmen gleiche und gleichwertige Arbeit fair bezahlt. Berücksichtigt werden Wissen und Fähigkeiten, Verantwortung, Anstrengung und Arbeitsbedingungen.
- In Island müssen Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten seit September 2026 ihre Lohndaten alle drei Jahre nach Geschlecht analysieren und einer staatlichen Gleichstellungsbehörde vorlegen. Nicht erklärbare Unterschiede erfordern einen Maßnahmenplan. Die Ergebnisse müssen für alle Beschäftigten zugänglich sein.
Das Thema bei Arbeit&Wirtschaft
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Das Thema in anderen Medien
- Der Standard: Frauen und Männer verdienen erst 2043 gleich viel
Quellen
- Statistik Austria: Einkommen – STATISTIK AUSTRIA – Die Informationsmanager
- Institute for the equality of women and men: Loi du 22 april 2012
- Institute for the equality of women and men: Eliminating the gender pay gap by law
- VRT Nachrichten: Immer mehr Frauen arbeiten, doch Belgien hinkt dem Rest Europas weiterhin hinterher. Woran liegt das?
- DO Diskrimineringsombudsmannen: Conduct a Pay Survey Each Year
- DO Diskrimineringsombudsmannen: Active measures
- Sweden Sverige: Gender equality | sw
- Arbeiterkammer: Väterkarenz im Schneckentempo
- Medlings-Institutet: Gender pay gap 2024
- Government of Iceland: Equal Pay Certification
- Island.is: New Requirements for Reporting on the Gender Pay Gap
- Statistics Iceland: Unadjusted gender pay gap 2024
- Lagen.se: SOU 2024:40: Genomförande av lönetransparensdirektivet
- Swedish Gender Equality Agency: Rapport
- Government.is: Act on Equal Status and Equal Rights Irrespective of Gender.pdf