15,5 % Gender Pay Gap in Österreich: Diese drei Länder machen es besser

Eine Frau sitzt bei der Arbeit und denkt nach. Symbolbild Equal Pay Day
Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit: In Belgien, Schweden und Island gibt es dafür verpflichtende Lohnanalysen. | © Adobe Stock/Liubomir
Österreich gehört beim Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen zu den Schlusslichtern Europas. Dass es auch anders geht, zeigen etwa Belgien, Schweden und Island.
Gratis arbeiten? Für Frauen in Österreich beginnt das statistisch gesehen am 5. November 2026. Der Equal Pay Day markiert jenen Tag, ab dem Frauen bis Jahresende rechnerisch unbezahlt arbeiten, während Männer weiter verdienen. Mit einem hohen Gender Pay Gap von 15,5 Prozent zählt Österreich zu den Schlusslichtern Europas.

Damit sich die Lohnlücke schließt, muss sich einiges ändern. Länder wie Belgien, Schweden und Island zeigen, was Österreich besser machen kann.

Belgien

2024 lag der unbereinigte Gender Pay Gap in Belgien laut Eurostat bei nur 0,7 Prozent. Damit belegt das Land Platz 2 im EU-Ranking, direkt nach Luxemburg. Zum Vergleich: Der europäische Durchschnitt lag bei 11,1 Prozent.

Was ist der unbereinigte Gender Pay Gap?
Der unbereinigte Gender Pay Gap erklärt den prozentualen Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Frauen und Männern in der Gesamtwirtschaft, ohne dass er unterschiedliche Berufe, Qualifikationen oder Arbeitszeiten berücksichtigt.

Geschafft haben das die Belgier:innen unter anderem mit einem Gesetz gegen den Gender Pay Gap. Bei Branchenverhandlungen, die den österreichischen Kollektivvertragsverhandlungen ähneln, müssen die Verhandelnden seit 2012 auf Geschlechtergerechtigkeit achten. Berufe, in denen vor allem Frauen arbeiten, dürfen nicht systematisch schlechter bezahlt werden als männerdominierte Berufe.

Unternehmen mit mindestens 50 Angestellten müssen alle zwei Jahre analysieren, ob sie Frauen und Männer gleich bezahlen. Der Betriebsrat prüft die Ergebnisse. Zeigen sich Lohnunterschiede, müssen die Arbeitgeber festlegen, was sie dagegen tun und bis wann. Das belgische Institute for the Equality of Women and Men kritisiert jedoch, dass klare Ziele und strenge Strafen fehlen. Ein weiteres Problem ist die niedrige Frauenerwerbsquote: In Belgien liegt sie bei 69 Prozent, im EU-Durchschnitt bei 71 Prozent.

Eine erschöpfte Frau sitzt am Schreibtisch und rechnet. Symbolbild für Länder, in denen der Gender Pay Gap niedriger ist.
Belgien hat einen der niedrigsten Gender Pay Gaps in Europa. Unternehmen ab 50 Beschäftigten müssen ihre Entgelte regelmäßig überprüfen. | © Adobe Stock/Daniel

Schweden

Schweden gilt als Vorreiter bei der Gleichstellung. Zwar ist die Lohnlücke mit 11,2 Prozent deutlich höher als in Belgien, dafür liegt die Frauenerwerbsquote der 20- bis 64-Jährigen bei 81,9 Prozent.

Seit Jahren sorgt das Land konsequent für mehr Gleichstellung: Alle Arbeitgeber sind verpflichtet, Löhne jährlich zu analysieren. Dabei geht es nicht nur um gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Sie prüfen auch, ob das Unternehmen Tätigkeiten, die vor allem Frauen ausüben, schlechter bezahlt werden als Tätigkeiten von Männern. Bewertet werden hier Wissen und Fähigkeiten, Verantwortung, Anstrengung und Arbeitsbedingungen. Die Unternehmen analysieren gemeinsam mit den Beschäftigten, die dabei häufig von Gewerkschaften vertreten werden.

Schwedens Ansatz geht über die Bezahlung hinaus: Arbeitgeber müssen immer wieder prüfen, wo sie Beschäftigte benachteiligen könnten – etwa bei Arbeitsbedingungen, Einstellungschancen und Aufstieg, Aus- und Weiterbildung oder der Vereinbarkeit von Beruf und Elternschaft. Stellen sie Probleme fest, müssen sie die Gründe dafür untersuchen und handeln.

Eine Frau spricht in ein Telefon und arbeitet an einem Laptop. Zwei Kinder buhlen um ihre Aufmerksamkeit. Symbolbild für den Spagat zwischen Familie und Beruf.
Gleichstellung endet in Schweden nicht beim Gehalt: Arbeitgeber müssen prüfen, ob sich Beruf und Elternschaft im Unternehmen vereinbaren lassen. | © Adobe Stock/Valerii

Die schwedischen Lohnanalysen können Unterschiede bei der Bezahlung innerhalb eines Unternehmens aufdecken, aber auch dort fehlen meistens strenge Sanktionen. Die Grenzen davon zeigen sich außerhalb des Betriebs. Der schwedische Arbeitsmarkt ist stark nach Geschlechtern getrennt und Frauen arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Branchen als Männer. Das Land will deshalb traditionelle Berufsbilder aufbrechen. Ziel ist etwa, mehr Männer für Sozial- und Pflegeberufe zu gewinnen und die Löhne in typischen Frauenbranchen zu steigern.

Island

In Island lag der unbereinigte Gender Pay Gap 2024 bei 10,4 Prozent – und das bei einer Frauenerwerbsquote von 84 Prozent. Seit Jahren bemüht sich das Land darum, dass Frauen besser bezahlt werden. Bislang mussten Unternehmen und Institutionen mit mehr als 25 Beschäftigten ihr Lohnsystem nach einem nationalen Standard zertifizieren lassen. Dafür gab es einen nationalen Standard. Er regelte, wie Unternehmen ihre Löhne prüfen und dokumentieren müssen. Ziel war, dass Frauen und Männer für gleiche oder gleichwertige Arbeit entsprechend bezahlt werden.

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📢 Doch statt auf WM-Vorbereitung stehen die Zeichen auf Boykott. Denn anders als ihre männlichen Kollegen erhalten die Spielerinnen für ihren Einsatz nicht einmal ein Taggeld.

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— Arbeit&Wirtschaft Magazin (@aundwmagazin.bsky.social) 25. August 2026 um 18:00

Seit September 2026 müssen Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten alle drei Jahre prüfen, ob Frauen und Männer unterschiedlich bezahlt werden. Die Ergebnisse müssen sie einer staatlichen Gleichstellungsbehörde vorlegen. Können sie Lohnunterschiede nicht erklären, müssen sie einen Plan erstellen, um diese zu verringern. Neu ist: Die Ergebnisse müssen für alle Beschäftigten zugänglich sein. Bisher erhielten sie nur die Zertifizierungsstellen.

Ähnlich wie in Schweden ist in Island der Arbeitsmarkt vor allem noch ein Problem – Branchen sind sehr stark männlich oder weiblich geprägt. Das Land verpflichtete deshalb Arbeitgeber und Gewerkschaften dazu, gegen traditionelle Rollen- und Berufsbilder entgegenzuwirken.

Alle Fakten und Quellen auf einen Blick

Faktenbox

  • Österreich hat im europäischen Vergleich einen besonders hohen Gender Pay Gap. Die Zahlen für 2024 im Vergleich:
    • Österreich: 15,5 %
    • Schweden: 11,2 %
    • Island: 10,4 %
    • Belgien: 0,7 %
    • EU-Durchschnitt: 11,1 %
  • In Belgien müssen Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten alle zwei Jahre prüfen, ob sie Frauen und Männer gleich bezahlen. Der Betriebsrat kontrolliert die Ergebnisse. Bei Lohnunterschieden kann ein Aktionsplan mit konkreten Maßnahmen erstellt werden.
  • In Schweden müssen Arbeitgeber jedes Jahr alle ausgezahlten Löhne analysieren. Dabei prüfen sie, ob das Unternehmen gleiche und gleichwertige Arbeit fair bezahlt. Berücksichtigt werden Wissen und Fähigkeiten, Verantwortung, Anstrengung und Arbeitsbedingungen.
  • In Island müssen Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten seit September 2026 ihre Lohndaten alle drei Jahre nach Geschlecht analysieren und einer staatlichen Gleichstellungsbehörde vorlegen. Nicht erklärbare Unterschiede erfordern einen Maßnahmenplan. Die Ergebnisse müssen für alle Beschäftigten zugänglich sein.

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Quellen

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Über den/die Autor:in

Greta Stampfer

Greta Stampfer hat Publizistik sowie Zeitgeschichte und Medien studiert und arbeitete seit 2014 als freie Journalistin. Seit 2023 ist sie Head of Digital von Arbeit&Wirtschaft.

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