Über Städte-Rankings, wo Wien immer vorne mitmischt, freut man sich dann aber schon – Hashtag: Lebensqualität. Und, tadaaa, genau diese Qualität kommt auch daher, dass wir am Sonntag zu haben. Alle chillen zwangsweise gemeinsam runter. Okay, ja, nicht alle, aber halt viele mehr, als wenn am Sonntag offen wäre, eh klar. Das soll auch so bleiben. Warum ich mich dann aufrege? Wegen der anderen Öffnungszeiten.
Waren Sie schon mal am Samstag um 17:51 Uhr in einem Wiener Supermarkt? Materialschlacht. Resteprügeln. (Und Mitmenschen manchmal gleich mit). Grant, Geschimpfe und Gedränge, wohin man schaut. Stress pur. Wer Wiener Schmäh auf die echte, aber die echt ungute Art will, geht am späten Samstagnachmittag einkaufen. Jaja, ich hör’ sie schon, die Gegenrede der „Selber schuld, wenn Sie’s eh wissen, dann gehen’s halt nicht genau dann einkaufen“-Fraktion.
Aber das ist halt schon ein bissi zu einfach. Haben Sie sich schon mal überlegt, dass das staatlich erwünschte Idealbild eines oder einer Österreicher:in das eines Vollzeit arbeitenden Wesens ist, das sich nebenbei – eventuell auch noch alleinerziehend – um Kinder kümmert und sich in der Freizeit ehrenamtlich engagiert? (damit man schön den rotierenden Sozialstaat aufrecht halten kann – aber das ist eine andere Schimpferei, darum geht’s jetzt nicht)? Fällt Ihnen da was auf? Haben alle die ganze Woche genügend Zeit, um einkaufen zu gehen, wenn sie Montag bis Freitag was anderes zu tun haben wie … ähm … Arbeit? Ich glaube nicht.
Und dann? Dann ist Wochenende! Und wir sind uns einig, dass wir den Sonntag frei haben wollen. Und dass jede:r (ausgenommen die mit den sieben Aufsichtsratsposten und den drei Haushälterinnen) am Wochenende Tausend Mini-Kleinigkeiten erledigen muss, zu denen er oder sie unter der Woche nicht gekommen ist. Der einzige Tag, an dem „Normalos“ aber gut Zeit zum Einkaufen haben, ist der, an dem die Geschäfte am frühesten, und zwar um 18 Uhr, zusperren müssen: der Samstag.

Das ist nicht nur ungünstig, das ist zum Schreien und zum Schimpfen. Statt sinnlos ideologisch über den Sonntag zu streiten, meine Damen und Herren, versucht es doch einmal mit etwas, wofür die Sozialpartnerschaft eigentlich steht: echte, gute, kreative Kompromisse.
Wie wär’s also mit Samstag länger öffnen, aber mit einer guten Absicherung für Mitarbeiter:innen oder einer Art von Bonus? Menschen brauchen Öffnungszeiten, die zu ihrem Leben passen. Mitarbeiter:innen brauchen Arbeitszeiten, die natürlich fair bezahlt sind.
Statt also immer wieder den Sonntag zu diskutieren, redet endlich über Öffnungszeiten, die für Menschen gut sind. Weil – pssst! – ohne die funzt das mit der Wirtschaft erst recht nicht.
Im Übrigen bin ich der Meinung, die Macht der Moloch-Monopole* muss gebrochen werden.
Bussis von eurer Lieblingsschimpferin
Lisa Sophie Steiner
Fanpost an: redaktion@arbeit-wirtschaft.at
*Moloch-Monopole ist meine Bezeichnung für multi- und internationale Konzerne, die oft vorbei an nationalstaatlichen Rechtssystemen eine weltweite Übermacht erlangt haben – und so alles andere „fressen“. Beispiele: Google, Meta, Amazon.
🤔 Geht es dir wie Anna-Christine?
Beschäftigte im Handel müssen viel aushalten. Das zeigt unser Artikel: https://www.arbeit-wirtschaft.at/arbeiten-im-einzelhandel-arbeitsbedingungen-und-das-laecheln-bleibt-trotzdem/
— Arbeit&Wirtschaft Magazin (@aundwmagazin.bsky.social) 24. Januar 2026 um 09:01