Kommentar: Was Mütter täglich leisten

Eine Mutter und ihr Sohn in der Küche. Symbolbild für den Vorwurf der Lifestyle-Teilzeit.
Die Arbeit von Müttern wird oft nicht gesehen. Besonders politisch nicht. Das muss sich ändern. | © Adobestock/Jacob Lund
Mütter in Österreich arbeiten mehr als die meisten Vollzeit-Beschäftigten – nur wird ein Großteil davon nicht bezahlt, nicht anerkannt und nicht gesehen. Warum die Debatte um „Lifestyle-Teilzeit" am Leben von Frauen mit Kindern komplett vorbeigeht.
Traurig, aber wahr: Manche Leute haben keinen blassen Schimmer davon, was Eltern tagtäglich leisten – sonst würden sie nicht von Lifestyle-Teilzeit faseln und so tun, als ob nach 20 Stunden „Erwerbsarbeit“ lässig in der Sonne gechillt würde. Kinder sind kein Hobby! Eltern tragen ja nicht nur diesen unglaublichen Batzen Liebe in sich. Sie tragen auch Verantwortung – ebenfalls einen gehörigen Batzen davon: für das Erledigen der Matheübungen, das Schneiden von Fingernägeln, die Bekämpfung von Läusen und für die „banalen“ Selbstverständlichkeiten wie Glück, Gesundheit und schlicht das Überleben der Kinder. Wer Kleinkinder hat, weiß, wovon ich rede.

Wer keine Kinder hat, sollte Frauen nicht für ihre Teilzeit-Arbeit shamen. Denn zu 80 Prozent sind es Mütter, die all das übernehmen. Und sie stehen unter Druck. Teilzeit ist kein Wellnessprogramm, im Gegenteil: Die meisten Frauen mit Kindern arbeiten weniger Stunden im Job, um mehr Stunden für die ganze andere Arbeit zu haben. Teilzeit ist da mehr eine Frage der Logik, nicht des Lifestyles. Und selbst dann mangelt es oft an Zeit, an Schlaf, an Geld sowieso.

Gewusst? Viele Mütter in Österreich stehen tagtäglich um fünf Uhr in der Früh auf. Doch anders als geschniegelte CEOs prahlen sie mit ihren morgendlichen Routinen nicht heldenhaft in Manager-Magazinen. Mütter machen eben selten Morgenmeditation oder genießen ein Papaya-Smoothie auf dem Balkon. Sie saugen Staub mit Augenringen, kochen das Mittagessen vor und packen Jausenboxen, während sie den kalt gewordenen Kaffee im Stehen trinken. Dann hetzen sie durchgeschwitzt zur Arbeit und kippen am Abend erschöpft ins Bett. Erholung? Nun, das hängt davon ab, ob der Kindergartenvirus in der Nacht bei einem der Kinder durchschlägt.

Die Wochenarbeitszeit der meisten Frauen mit Kindern schlägt die eines jeden Durchschnittsmannes in Vollzeitbeschäftigung – allerdings mit dem großen Unterschied, dass ihr Arbeitsvolumen nicht voll bezahlt wird. Sie bekommen auch keinen Überstundenausgleich oder Nachtzuschläge. Und wie die Debatte um Teilzeit zeigt, kriegen sie nicht einmal Respekt. Was sie leisten, ist so selbstverständlich wie unsichtbar.

📣Was, wenn Teilzeit fair wäre?
Teilzeit hält Österreich am Laufen. Trotzdem haben viele Beschäftigte weniger Einkommen, weniger Rechte und schlechtere Chancen. Das muss sich ändern!
✍️Unterschreib jetzt unsere Petition & setze mit uns ein Zeichen für faire Teilzeit.💪
#RedenWir #Teilzeit #FaireArbeit

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— @Arbeiterkammer (@arbeiterkammer.at) 19. Juni 2026 um 15:59

Arbeit ist in Österreich eben nicht gleich Arbeit: Für Erwerbsarbeit gibt es Geld und Anerkennung, für Care-Arbeit gibt es Altersarmut und Minderwertigkeitskomplexe. Dass dieses Konzept wenig Anreiz bietet, zeigt die sinkende Geburtenrate. Solange der Tag nicht mehr Stunden bekommt, braucht es bessere Maßnahmen als die Vollzeit-Keule vonseiten der Wirtschaftspolitik: Wie wäre es mit einem Batzen Wertschätzung?

& Info

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Über den/die Autor:in

Delna Antia-Tatić

arbeitet als Chefin vom Dienst beim Mitgliedermagazin „AK FÜR DICH“ und schreibt dort u. a. in ihrer „Care-Kolumne“ über die Vereinbarkeit von Job und Familie.

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