Auch Arbeitsplatzverluste durch KI werden befürchtet. In der Industrie gehört sie seit Jahren zum Standardrepertoire. Wie sieht man das dort?
Breiner: Die Sorge ist natürlich da, und man kann es den Kolleg:innen nicht verübeln: In unserem Konzern haben einmal um die 1.000 Menschen gearbeitet, heute sind es zwischen 200 und 300. Das hängt natürlich mit dem technologischen Fortschritt zusammen.
Falkinger: Das mag sein, gleichzeitig wird KI aber oft als diese Wundertechnologie dargestellt, die alles machen kann. Am Ende braucht es immer den Menschen, der sie bedient, überprüft und sich überlegt, was die KI tun soll. Also in einer Wissensinstitution wird ein großer Teil der Belegschaft wahrscheinlich immer bleiben, weil es Menschen braucht, die das Unternehmen führen und Entscheidungen treffen, die dafür sorgen, dass alles funktioniert. Die wichtigere Diskussion ist: Was ist an menschlichen Arbeitsplätzen wichtig, und wie muss man Leute ausbilden?
Breiner: Da stimme ich zu, denn vor allem Arbeitsplätze für Menschen, die wenig Schule haben – da hat man in Betrieben mancherorts Leute hinstellen können, die – auf gut Deutsch gesagt – nur bis drei zählen können mussten. Aber von diesen Stellen gibt’s immer weniger. Auch Hilfsarbeiter:innen sind heute in Wahrheit oft Facharbeiter:innen, weil die Maschinen, die sie bedienen, viel komplizierter sind, als manche Führungskraft glaubt.
Falkinger: Und da kommen wir wieder zur Bildung.
Breiner: Ja, und wir kommen zum Thema Sprache. Ich merke das im Betrieb, das Deutschangebot für Geflüchtete und Migrant:innen muss sich verbessern. Jemand, der schnell die Sprache lernt, hat in Österreich viel weniger Probleme. Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht macht es viel mehr Sinn, Menschen ab Tag eins die Sprache beizubringen. Und man gibt den Populist:innen kein Futter.
Wenn sich die Populist:innen nicht über mangelnde Deutschkenntnisse beschweren, dann über die Kosten von Deutschkursen. Der Kern ihrer Politik ist doch, keine Lösungen für gelingende Integration zu präsentieren.
Breiner: Ich war damals in Traiskirchen, nachdem 2015 die vielen Geflüchteten aus Syrien angekommen waren. Wenn man sieht, wie die Menschen dort aufgehoben waren – die haben in den Gängen geschlafen, in Zelten im Garten –, dann kann man nicht so blöd daherreden. Das menschliche Mitgefühl war schon mal stärker in unserer Gesellschaft. Ich weiß nicht, wie man das zurückholt, dass wieder allgemein gilt: Das ist ein Mensch, und er hat ein Recht auf Hilfe, genauso wie wir, wenn wir flüchten müssten.
Die Regierung will den Standort Österreich stärken – der ÖGB sagt klar: Das geht nur mit fairen Regeln, Qualifizierung für alle und Schutz vor Billigkonkurrenz.
Jetzt heißt es: Industriepolitik mit sozialem Kompass!
#Industriestrategie
Wir halten fest: Es gibt mehrere Herausforderungen, mit denen sich die Gesellschaft konfrontiert sieht. Wir wollen jetzt auch einen positiven Ausblick versuchen: Was macht Ihnen Hoffnung, dass wir diese Herausforderungen bewältigen?
Falkinger: Ich nehme einen Punkt vorweg, den vermutlich alle nennen würden: Die jungen Menschen machen mir Hoffnung.
Polaschek: Was mir Hoffnung macht, hat auch der Bundespräsident bei seiner Neujahrsansprache betont: Wir brauchen einen europäischen Patriotismus. Vielleicht bin ich eine hoffnungslose Optimistin, aber das kann gelingen. Wir haben mit Europa ein sehr hohes Niveau erreicht – an Sicherheit, an Wohlstand, an Vernetzung. Und natürlich kann das verschwinden, wenn man nicht aufpasst. Wir müssen es schaffen, das wieder aufzuzeigen, und da sind viele Teile der Gesellschaft gefragt, von den Politiker:innen über die Medien bis hin zu den Betrieben und Betriebsrät:innen. Wenn wir das schaffen, dann ist meine Hoffnung, dass wir als Europa auch stark bleiben.
Breiner: Meine Hoffnung ist etwas, das ich in meinem Betrieb sehe, wo wir eine schöne Weihnachtsfeier mit 35 Nationalitäten veranstalten können. Wenn das Zusammensein dort funktioniert, dann ist das auch in Europa und weltweit möglich. „Die da oben“ führen diese Gefechte aus, aber die Bevölkerungen, sozusagen „wir hier unten“, vertragen uns eigentlich gut.
Falkinger: Mir ist noch etwas eingefallen: Ich habe das Gefühl, wenn man wirklich bemüht ist, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und sich für sie interessiert, dann funktioniert das auch. Dann kommt man miteinander in Kontakt, kann auch konträre Meinungen austauschen, manchmal Sichtweisen verändern. Meine Hoffnung ist, dass, wenn uns gelingt, öfter solche Gespräche zu führen, sich auch etwas zum Positiven verändert.