Comeback der 60-Stunden-Woche
2018 novellierte die ÖVP-FPÖ-Regierung das Arbeitszeitgesetz. Seither gilt die 60-Stunden-Woche beziehungsweise der 12-Stunden-Tag. Die Normalarbeitszeit von 40 beziehungsweise 38,5 Stunden blieb gleichzeitig aufrecht, alles darüber hinaus sind Überstunden. Das Gesetz wurde ohne Einbindung der Sozialpartner beschlossen und gilt als Tabubruch. „Arbeitszeit ist ein austariertes System. Die Regierung Kurz hat das einfach durchgewunken – ohne Debatte, ohne Ausgleich“, sagt Susanne Haslinger von der Produktionsgewerkschaft PRO-GE.
Enorme Veränderungen der Arbeitswelt brachte zuletzt auch die Pandemie. Hunderttausende verloren ihre Jobs, Hunderttausende waren in Kurzarbeit. Und mitten in der Krise poppte erstmals die Forderung der Industriellenvereinigung (IV) nach einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf. Was Studien aus aller Welt belegen, nämlich dass Arbeitnehmer:innen in Kurzarbeit produktiver sind, konnten Unternehmer:innen nun live beobachten. „Ihr Umkehrschluss: Man kann auch mit weniger Leuten auskommen und durch eine Arbeitszeiterhöhung Zuschläge sparen“, sagt Haslinger.

In den vergangenen Monaten ist die IV wieder verstärkt mit der Forderung nach einer 41-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich an die Öffentlichkeit getreten: Wohlstand entstehe nur durch Leistung, so das Hauptargument. „41 statt 38,5 Stunden pro Woche ohne Lohnausgleich ist eine drastische Lohnkürzung von 6,5 Prozent“, rechnet Haslinger vor.
Die Arbeitszeitdebatte sei in Österreich keine ernsthaft geführte und eliminiere keine Strukturprobleme. Das Problem des Facharbeiter:innenmangels würde nicht gelöst, indem die wenigen Fachkräfte noch mehr eingesetzt werden. Arbeit ist in Österreich ohnehin nicht gut verteilt. 2024 wurden rund 169 Millionen Mehr- und Überstunden geleistet. Das entspricht annähernd 100.000 Vollzeitstellen. „Wirklich wichtig wäre es, neue Fachkräf te auszubilden. Das passiert aber nicht. Die Lehrlingszahlen gehen zurück“, so die Gewerkschafterin.