Frage: Was passiert aktuell bei VW?
Antwort: Volkswagen steckt in einer schweren Krise. Vor allem in China sind die Verkäufe stark eingebrochen, während dort heimische Hersteller bei Elektroautos Marktanteile gewinnen. Auch der europäische Markt steckt in Schwierigkeiten: In Europa konnte VW zwar den Absatz von E-Autos steigern, verdient wegen hoher Batteriekosten damit jedoch weniger als mit Verbrennern. Hinzu kommen hohe Abschreibungen, Umbaukosten, US-Zölle und geopolitische Spannungen. Die IG Metall sieht laut einer Aussendung aber auch „jahrelanges Missmanagement sowie falsche Krisenkonzepte“. Anfang September hat sich der Autokonzern auf ein umfangreiches Sanierungs- und Transformationsprogramm geeinigt: Stellen sollen abgebaut, die Produktion reduziert und zugleich Milliarden in Forschung, Entwicklung und neue Anlagen investiert werden.

Frage: Wie viele Arbeitsplätze sollen wegfallen?
Antwort: Wie viele Arbeitsplätze bei Volkswagen wegfallen, ist noch offen. Vereinbart ist bislang der Abbau von 50.000 Stellen bis 2030. Laut Nachrichtenagentur Reuters könnte die Zahl auf 60.000 Jobs steigen. Ein Teil des Abbaus soll über Altersteilzeit oder Abfertigungen erfolgen, doch auch betriebsbedingte Kündigungen sind laut einem Konzerninsider nicht ausgeschlossen. Im Tochterunternehmen Porsche ist zudem von 4.000 weiteren Jobstreichungen die Rede – zusätzlich zu 5.000 bereits angekündigten Stellen bis 2035.
Frage: Drohen den Beschäftigten neben Stellenabbau weitere Einschnitte?
Antwort: Ob es weitere Einschnitte bei Volkswagen geben wird, ist offen. Fest steht bisher, dass Tariferhöhungen einbehalten, das Weihnachtsgeld gekürzt und Homeoffice künftig nur noch an acht statt zwölf Tagen im Monat möglich sein wird. Der Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management rechnet im Interview mit dem NDR mit weiteren Maßnahmen, die auf mehr Leistungsdruck für Beschäftigte hinauslaufen. Mittlerweile wurde bekannt, dass VW mehrere Tarifverträge mit der IG Metall kündigen will. Gewerkschaft und Betriebsrat wollen sich dagegen wehren, IG-Metall-Chef Thorsten Gröger spricht von einem üblen Foul.
Frage: Wird es auch zu Standortschließungen kommen?
Antwort: Vier VW-Werke haben derzeit keine gesicherte Zukunft: Emden und Hannover im Norden Deutschlands, Zwickau im Osten sowie Neckarsulm in Baden-Württemberg. Für diese Standorte könne zwischen 2031 und 2034 keine wettbewerbsfähige Anschlussproduktion garantiert werden, teilte VW mit. Findet der Konzern also keine wirtschaftlich tragfähige Alternative, droht die Schließung.
Frage: Was wären mögliche Alternativen?
Antwort: Möglich sind, eine zeitweise Rüstungsproduktion und der Bau chinesischer VW-Modelle in Deutschland. Bis Ende Juni 2027 soll ein Konzept vorliegen. Autoexperte Bratzel zufolge sei eine Schließung von vier Werken übertrieben. Mit entsprechenden Effizienzverbesserungen könne auch die Reduzierungen von zwei Werken in Deutschland genügen. Zudem seien Investitionen in E-Mobilität, autonomes Fahren und Robotik nötig. VW habe „hervorragende Techniker und Ingenieure“.
Frage: Wie reagieren Gewerkschaft und Betriebsrat auf die Pläne des Vorstands?
Antwort: Die IG Metall wirft den Vorständen der deutschen Autoindustrie vor, zentrale Trends bei E-Mobilität, Digitalisierung und Batterietechnik verschlafen zu haben. Die Folgen dieser Versäumnisse dürften nun nicht auf die Beschäftigten abgewälzt werden. IG-Metall-Chefin Christiane Benner warnte etwa vor Angriffen auf Mitbestimmung und 35-Stunden-Woche: „Da können wir nur sagen: Finger weg!“ VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo kritisierte den kommunikativen „Konfrontationskurs“ des Vorstands. Außerdem müsse in der Transformation „so viel Geld wie möglich im Unternehmen bleiben“ und Aktionär:innen sollten deshalb auf einen Teil ihrer Dividenden verzichten. Am 21. wurde ein Aktionstag in ganz Deutschland organisiert, inklusive Betriebsversammlungen, protestartigen aktiven Mittagspausen, Kundgebungen vor Werkstoren und Demonstrationen auf öffentlichen Plätzen
💔„Kündigung“ – ein Wort, das niemand gern hört. In Zeiten von Dauerkrisen trifft sie immer mehr Menschen.
✍️ Ute Groß, Betriebsrätin bei der „Kleinen Zeitung“, weiß, was dann zu tun ist. Wie sie Beschäftigte begleitet:
— Arbeit&Wirtschaft Magazin (@aundwmagazin.bsky.social) 21. Januar 2026 um 13:12
Frage: Kann die Krise auch Auswirkungen auf österreichische Arbeitnehmer:innen haben?
Antwort: Eine Studie des Supply Chain Intelligence Institute Austria ergab 2024, dass 135 österreichische Unternehmen mit Volkswagen in Verbindung stehen, rund 6.300 Arbeitsplätze sind besonders in den Automobilclustern Oberösterreich und der Steiermark unmittelbar von der Krise betroffen. Komponentenlieferanten würden die Folgen am schnellsten spüren und Maschinenlieferanten könnten längerfristig unter gestrichenen Projekten leiden.