Runder Tisch: Von Mut, Luxus und Solidarität

Inhalt

  1. Seite 1 - Beweggründe für betriebsrätliches Engagement
  2. Seite 2 - Häufigste Probleme der betriebsrätlichen Praxis
  3. Seite 3 - Informationsaustausch mit der Gewerkschaft
  4. Seite 4 - Betriebsrätlicher Alltag
  5. Seite 5 - Größte Erfolge
  6. Auf einer Seite lesen >
Drei ArbeitnehmervertreterInnen erzählen über ihren Arbeitsalltag und die Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und Gewerkschaft.

Was war bisher Ihr größter Erfolg?

Karner: Die Pflege in Kärnten wirft immer gröbere Problemstellungen auf. Und damit haben wir uns in den vergangenen Jahren intensiv beschäftigt und eine Anpassung im Heimgesetz unterstützt. Der Pflegeschlüssel wurde gesenkt, für die Beschäftigten eine Entlastung. Wesentlich ist aber auch, dass die Strafen bei Übertretung für die Pflegeheimbetreiber drastisch erhöht wurden. Das ist ein sehr großer Erfolg, auf den wir stolz sind. Außerdem haben wir es geschafft, in diesen Jahren sehr viele Körperschaften zu gründen, vor allem in diesen Pflegeheimen. Dadurch war es auch möglich, für einige notwendige Veränderungen sowie eine breitere öffentliche Wahrnehmung für diese Berufsgruppe zu sorgen.

Mayer: Besonders stolz bin ich auf zwei Sachen, eine davon die Verleihung des Betriebsrats-Awards vom Land Niederösterreich für erfolgreiche Mitgliederwerbung. Das war mein persönliches Superhighlight der vergangenen Jahre – es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn sich jemand, in diesem Fall die Fachgewerkschaft und der ÖGB, für all die Arbeit und Mühe im Betrieb bedankt. Viele unserer KollegInnen im Betrieb sind im Zuge der Lohnkürzungen aus der Gewerkschaft ausgetreten. Gemeinsam mit meinen BetriebsratskollegInnen konnte ich ihr Vertrauen zurückgewinnen. Wir sind mittlerweile zu 100 Prozent organisiert, auch die ZeitarbeiterInnen sind der Gewerkschaft beigetreten.

Wie haben Sie das geschafft? Was ist Ihr Geheimnis?

Mayer: Ganz wichtig ist es, authentisch zu sein. Es bringt nichts, wenn ich 20 gute Gründe für eine ÖGB-Mitgliedschaft aufzähle, wenn der Kollege, den ich versuche zu werben, nichts oder wenig damit anfangen kann. Daher versuche ich, immer meine eigenen Erfahrungen und plakative Beispiele in ein Gespräch einfließen zu lassen. Weil ich sehr gut in Bildern sprechen kann, funktioniert das bei mir nahezu immer.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Mayer: Heutzutage hat doch fast jeder eine Haushaltsversicherung. Wenn die Bude abbrennt oder das Wasserrohr bricht, dann ist man versichert. Doch was passiert eigentlich, wenn jemand in der Firma einen Schaden verursacht? Sogar grob fahrlässig, weil er am Vorabend mit Freunden feiern war? Einem Kollegen zwei Finger abzwickt, wie bei uns im Unternehmen vor langer Zeit geschehen? Darüber denken die wenigsten nach. Damit man für so eine Situation gut gerüstet ist, ist für Gewerkschaftsmitglieder die Berufshaftpflichtversicherung des ÖGB da. Wenn ich dieses Beispiel nenne, muss ich in den meisten Fällen nicht viel mehr erzählen – obwohl das nur ein Vorteil von vielen ist.

Verraten Sie uns nun auch Ihr zweites Erfolgserlebnis?

Mayer: Dieses betrifft ZeitarbeiterInnen, die über einen Zeitraum von drei Monaten einen Arbeitseinsatz bei uns hatten. Nach Beendigung des Arbeitseinsatzes meldeten sie sich bei mir und baten um Überprüfung ihrer Löhne. Bei Durchsicht der Unterlagen kam mir das Grausen. Sie arbeiteten 40 Stunden in der Woche und am Monatsende bekamen sie nur etwas mehr als 700 Euro. Bei der Krankenkasse wurden sie immer wieder ab- und angemeldet.
Ich nutzte all meine Kontakte und begleitete die 40 Betroffenen zur Gewerkschaft. Dort erhielten sie eine Soforthilfe in der Höhe von 260 Euro, wurden vor Gericht vertreten und bekamen Tausende Euro nachbezahlt. Außerdem kam die Zeitarbeitsfirma gewaltig unter Druck und zog sogar personelle Konsequenzen. Es war schön, hier mitzuwirken, die richtigen Fäden zu ziehen und den betroffenen ArbeiterInnen zu ihrem Recht zu verhelfen.

Heimberger: Ich muss schon gestehen, dass ich hier nicht mithalten kann. So große Erfolge wie die beiden Kollegen hatte ich bisher nicht. Aber trotz großer Erfolge darf man die kleinen Freuden nicht vergessen, weil sie genauso wichtig sind. Mein persönliches Highlight erlebe ich jedes Mal, wenn mich jemand anruft und Danke sagt. Danke, dass du geholfen hast. Danke, dass du zugehört hast. Danke, dass du da bist.

Das Gespräch führte
Amela Muratovic

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Arbeit&Wirtschaft 1/18.

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amela.muratovic@oegb.at
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aw@oegb.at

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  2. Seite 2 - Häufigste Probleme der betriebsrätlichen Praxis
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