Runder Tisch: Von Mut, Luxus und Solidarität

Inhalt

  1. Seite 1 - Beweggründe für betriebsrätliches Engagement
  2. Seite 2 - Häufigste Probleme der betriebsrätlichen Praxis
  3. Seite 3 - Informationsaustausch mit der Gewerkschaft
  4. Seite 4 - Betriebsrätlicher Alltag
  5. Seite 5 - Größte Erfolge
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Drei ArbeitnehmervertreterInnen erzählen über ihren Arbeitsalltag und die Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und Gewerkschaft.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Karner: Im Voraus sind unsere Einsatzzeiten schwer planbar: Termine werden oft sehr kurzfristig angesetzt – auch aus dem Grund, weil es zum Beispiel Probleme in den Betrieben gibt, BetriebsrätInnen genauso wie ArbeitnehmerInnen unsere Beratung und Unterstützung dringend brauchen. Dann fahren wir entweder in den Betrieb, treffen uns in der Gewerkschaft, an einem neutralen Ort oder wir telefonieren einfach mit ihnen.

Mayer: Ich habe immer einen Überblick darüber, was in der kommenden Woche bei uns los ist. Mein typischer Arbeitstag fängt damit an, dass ich meine E-Mails checke und Notizen abarbeite. (Termin-)Freie Zeit nutze ich, um in die Produktion zu gehen und mit den KollegInnen zu sprechen, einfach präsent zu sein. Außerdem habe ich eine Laufgruppe ins Leben gerufen, die sich zweimal in der Woche um 6.30 Uhr trifft und gemeinsam Sport macht.

Heimberger: Da ich keine freigestellte Betriebsrätin bin, gehe ich somit in erster Linie meiner Tätigkeit als Kosmetikerin und Fußpflegerin nach. Ich habe ein Betriebsratshandy und bin jederzeit für alle erreichbar. Meine KollegInnen in den 17 Filialen wissen, dass ich für sie zuständig bin, und melden sich, wenn sie etwas brauchen. An meiner Seite habe ich auch die freigestellten BetriebsrätInnen, die ich bei Problemen jederzeit kontaktieren kann.

Mayer: Hier muss man schon sagen, dass es ein Luxus ist, freigestellter Betriebsrat zu sein oder freigestellte Betriebsräte zu haben. Bei mir kommt es zum Beispiel auch vor, dass ich mir während der Arbeitzeit die „Zeit im Bild“ ansehe. Denn es gehört zu meiner täglichen Arbeit dazu, auf dem Laufenden und gut informiert zu sein. Will man Betriebsratsarbeit gut machen – egal ob für 30 oder 130 MitarbeiterInnen –, dann braucht man auch ausreichend Zeit dafür.

Heimberger: Ja. Obwohl man sich die Tätigkeit selbst aussucht und sehr gerne macht, ist Zeitmanagement schwierig. Das Tolle bei DM ist aber, dass wir ein Betriebsratsbüro haben, welches die wichtigsten Informationen filtert und sofort an die BetriebsrätInnen weiterleitet, einige Zeit später auch an alle MitarbeiterInnen. Früher wurden diese Infos zeitgleich an alle verschickt. Die Neuregelung hat den Vorteil, dass alle BetriebsrätInnen genug Zeit haben, zu recherchieren, und wenn die ersten Anfragen eintrudeln, auch Antworten geben können.

Welche Rolle spielt Weiterbildung?

Mayer: Immer dann, wenn es der Terminkalender zulässt, nehme ich an Tagesseminaren zu bestimmten Themen teil wie etwa zum Arbeitnehmerschutz. Absolviert habe ich schon die Gewerkschaftsschule und habe nun mit der ReferentInnen Akademie der Arbeiterkammer begonnen. Das sind drei sehr hochwertige und interessante Tagesseminare.

Karner: Zusätzlich zu den spezifischen Ausbildungen der Gewerkschaft vida habe ich auch die Gewerkschaftsschule in Kärnten besucht. Wunschziel war die BetriebsrätInnen-Akademie, die ich zurzeit besuche.

Mayer: Die Gewerkschaftsschule hat den Vorteil, dass man ein Netzwerk aufbauen kann und einen guten Überblick darüber bekommt, was man bereits kann und was man noch lernen muss, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen.

Karner: Ja, die Gewerkschaftsschule macht einfach Lust auf mehr. Bei vielen wird erst hier das Interesse für Interessenpolitik geboren. Im eigenen Bundesland zu netzwerken ist etwas Tolles. Und das lernen viele erst in dieser Ausbildung.

Mayer: Von zentraler Bedeutung war die Bildungsreise nach Brüssel, die im Rahmen der Gewerkschaftsschule organisiert wurde. Ich bin als EU-Bürger hingeflogen, und als ich zurückkam, war mir klar, dass die EU ein gutes Projekt ist, das sich lohnt.

Wie überzeugen Sie ArbeitnehmerInnen am besten, der Gewerkschaft beizutreten?

Karner: Das ist unterschiedlich. Es hängt immer davon ab, mit welchen Persönlichkeiten man es zu tun hat. Es kommt vor, dass sich Beschäftigte selbst bei uns melden oder wir aufgrund von bestimmten Signalen feststellen, dass in einem Betrieb etwas getan werden muss. Wenn wir Mitglieder werben, verteilen wir Info-Material und sagen ganz offen, wer wir sind, was wir machen und ganz wichtig: Wir drängen uns niemandem auf.

Foto (C) ÖGB-Verlag/Michael Mazoh
Julius Mayer ist Betriebsratsvorsitzender beim Lebensmittelhersteller Mars Austria. Wenn es darum geht, ArbeitnehmerInnen zu ihrem Recht zu verhelfen, ist er immer zur Stelle – wie etwa für Zeit­arbeite­rInnen, die über viele Monate falsch entlohnt wurden. Außerdem hat er gemeinsam mit seinem Team bereits den Betriebsrats-Award verliehen bekommen – sein persönliches Highlight der vergangenen Jahre.

Und als Betriebsrat?

Mayer: In unserem Betrieb sind alle MitarbeiterInnen auch Gewerkschaftsmitglieder. Als Betriebsrat begegne ich allen KollegInnen auf Augenhöhe. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass es nicht viel bringt, neue KollegInnen überfallsartig von einer Gewerkschaftsmitgliedschaft überzeugen zu wollen. Deswegen bin ich da auch nicht so verbissen, in erster Linie bin ich ein Freund und Kollege, der für sie da ist, wenn sie Fragen haben, etwas nicht verstehen und Unterstützung brauchen. Alles andere ergibt sich mit der Zeit dann fast wie von selbst.

Heimberger: Bei DM haben wir es bisher so gehandhabt, dass ich intensiv mit den JugendvertrauensrätInnen zusammenarbeite. Die Durchfahrten mit der GPA-djp, die ich bereits erwähnt habe, bieten eine gute Gelegenheit, sich auszutauschen.

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  1. Seite 1 - Beweggründe für betriebsrätliches Engagement
  2. Seite 2 - Häufigste Probleme der betriebsrätlichen Praxis
  3. Seite 3 - Informationsaustausch mit der Gewerkschaft
  4. Seite 4 - Betriebsrätlicher Alltag
  5. Seite 5 - Größte Erfolge
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