Reportage: Scharfe Verhandlungen

In der Herbstlohnrunde setzen sich die Gewerkschafter für mehr Lohn für Metaller ein, und fordern Ausgleich, um Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen durch das neue Gesetz zum 12-Stunden-Tag zu kompensieren. Unbezahlte Überstunden und eine Nulllohnrunde sind für die Gewerkschafter nicht akzeptabel.
Gute Miene, harte Ansage: „Wir verhandeln für die Betriebe und Beschäftigten und bieten keine Plattform für politische Kampagnen“, erklärte Christian Knill, Sprecher der Arbeitgeberseite und Obmann FMMI (ca. 1200 Betriebe).

Forderungsprogramm mit Pfeffer: „Alle Wirtschaftsdaten sind deutlich positiv, jetzt sind die Beschäftigten an der Reihe. Heuer muss es bei der KV-Runde ordentlich klingeln“, sagte PRO-GE-Chef Rainer Wimmer zur Übergabe.
Foto (C) PRO-GE/flickr
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Länger arbeiten, weniger Mitbestimmung - die Regierung agiert derzeit im Dienste der Arbeitgeber. Unter diesen Voraussetzungen startet die Herbstlohnrunde. Lange und zähe Verhandlungen stehen bevor.

Inhalt

  1. Seite 1 - Die Bedürfnisse der ArbeitnehmerInnen ernst nehmen
  2. Seite 2 - Das neue Arbeitszeitgesetz verschiebt das Verhandlungsgleichgewicht zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer
  3. Seite 3 - Junges Engagement für gerechteren Lohn
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Der Startschuss für die Herbstlohnrunde der Metaller ist gefallen. Sie hat eine besondere Bedeutung, denn zwar werden jährlich mehr als 450 Kollektivverträge (KVs) verhandelt und abgeschlossen, die eine Reihe von wichtigen Spielregeln für das Arbeitsleben beinhalten, etwa Essenzielles wie Einkommen und faire Arbeitszeiten festlegen. Allerdings gilt der Lohnabschluss für die rund 192.000 Beschäftigten der Metallindustrie als richtungsweisend für alle anderen KV-Verhandlungen. „Wir sind der Schneepflug, ihr seid die, die hinter uns nachschieben“, verdeutlicht es Rainer Wimmer, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft PRO-GE.

Mit Frankfurter Richtung Paprikahendl

Traditionell wird der erfolgreiche Abschluss des Metallgewerbekollektivvertrags mit einem Paprikahendl zelebriert. Der Weg zum erfolgreichen KV 2019 scheint jedoch heuer ein sehr weiter zu werden. Das Arbeitszeitgesetz – der 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche –, welches die ÖVP/FPÖ-Regierung auf Wunsch der Wirtschaft mit 1. September in Kraft gesetzt hat, heizt die Stimmung an.

Es ist Donnerstag, 20. September, 11.30 Uhr in der Wirtschaftskammer Österreich, Wien Wieden. Zum Auftakt der Verhandlungen überreicht das Verhandlungsteam der Gewerkschaften PRO-GE und GPA-djp das Forderungsprogramm, darunter die fünfprozentige Lohnerhöhung. Eine deftige Jause mit Frankfurter, Senf und – dem Anlass entsprechend – Pfefferoni soll die Teams für die Gespräche stärken.

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Einig gegen den 12-Stunden-Tag:
Im Vorfeld der Herbstlohnrunde am 18. September
kamen erstmals alle Kollektivvertrags-verhandlerInnen zusammen – 900 BetriebsrätInnen hielten auf dem ­Gelände des ehemaligen Elin-Werks in Hirschstetten (jetzt Metastadt) eine Konferenz ab und einigten sich auf eine gemeinsame Linie für die KV-Verhandlungen.

An der Wand über dem Buffettisch ziert ein Portrait von Franz G. Dworak den Raum. Zwischen 1953 und 1961 war Dworak Präsident der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft und parallel auch Zensor bei der Nationalbank, also praktisch ein Vorreiter von Harald Mahrer, der somit nicht als Erster gleichzeitig ein hohes Amt in Wirtschaftskammer und Nationalbank besetzt.

Die ArbeitnehmerInnen haben sich auf die heurigen Verhandlungsrunden (und die kommenden im Jahr 2019) gut und präzise vorbereitet. Erstmals wurde von den Gewerkschaften PRO-GE und GPA-djp per Fragebogen im Vorfeld erhoben, wo die persönlichen Schwerpunkte der Beschäftigten in Bezug auf die Lohnrunde liegen.

Bedürfnisse erhoben

Die Fragen wurden Anfang September an die Beschäftigten der Metallindustrie verschickt, zwei Wochen später hatten bereits 40.000 Befragte geantwortet. Bis zum Verhandlungsstart wurden gar 61.090 Fragebögen an die Gewerkschaften retourniert. Die TeilnehmerInnen durften maximal vier von neun Themen ankreuzen. In der Auswertung ergaben sich daraus die Top Fünf für die ArbeitnehmerInnen: „kräftige Lohn- und Gehaltserhöhungen“ mit 52.161 Nennungen, eine „höhere Abgeltung für Überstunden und bei unattraktiven Arbeitszeiten“ (28.371), ein „gesichertes Wahlrecht, ob man für Überstunden Geld oder Zeit erhält“ (25.361), „Schutz und Mitbestimmung, damit überlange Arbeitszeiten die Ausnahme bleiben“ (24.811) und ein „Anspruch auf die 4-Tage-Woche“ (23.044).

Selbstverständlich sind die Befragungsergebnisse in das aktuelle Forderungsprogramm eingeflossen, das den Arbeitgeberverbänden überreicht wurde. Dazu zählen die Punkte höhere Zuschläge, bezahlte Pausen, Kündigungsschutz oder Anspruch auf längere Freizeitblöcke und die 4-Tage-Woche. Schon allein die stattliche Anzahl der TeilnehmerInnen zeigt, wie sehr das Thema Arbeitszeit die ArbeitnehmerInnen tatsächlich beschäftigt. Zudem wird deutlich, wie groß die Unsicherheit in Bezug auf die Änderungen im neuen Arbeitszeitgesetz ist.

Das unfaire Arbeitszeitgesetz sorgte überdies für eine Premiere der besonderen Art: Zwei Tage vor dem Herbstlohnrunden-Auftakt fand die erste österreichweite KV-VerhandlerInnenkonferenz statt. Dort einigten sich 900 Frauen und Männer aus sämtlichen Branchen auf eine gemeinsame Linie für die anstehenden Kollektivvertragsverhandlungen. Neben ordentlichen Lohn- und Gehaltserhöhungen sowie Erhöhungen der Lehrlingsbeihilfen wird es nun vor allem um die Arbeitszeit gehen. Die Forderungen der Gewerkschaften: Planbarkeit, Selbstbestimmung, Rechtssicherheit und nicht zuletzt eine Arbeitszeitverkürzung für alle Branchen.

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„Die Mitbestimmung der BetriebsrätInnen, die in Tausenden Betriebsverein­barungen quer durch alle Branchen die flexible Arbeitszeit ihrer KollegInnen fair regeln, zählt nicht mehr“, warnt ÖGB-Präsident Katzian vor dem neuen Arbeits­zeitgesetz.

Inhalt

  1. Seite 1 - Die Bedürfnisse der ArbeitnehmerInnen ernst nehmen
  2. Seite 2 - Das neue Arbeitszeitgesetz verschiebt das Verhandlungsgleichgewicht zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer
  3. Seite 3 - Junges Engagement für gerechteren Lohn
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