Jugend.Mitbestimmung.Jetzt

Foto (C) ÖGB-Verlag/Michael Mazohl
Jugend. Mitbestimmung. Jetzt.
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Es liegt in der Natur des Menschen, mitbestimmen zu wollen. Wenn die Regierung der Jugend ihre Stimme nimmt, wird sie laut. Denn das lässt sie sich nicht gefallen.

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Die politische Mitbestimmung und das Wahlrecht sind die zwei wichtigsten Merkmale einer Demokratie. Zwei Aspekte, die auch in der Arbeitswelt bedeutsam sind. Denn: „Die erste Form der demokratischen Mitbestimmung im Betrieb ist der Jugendvertrauensrat, der muss unbedingt bleiben. In der Schule gibt es den Klassensprecher, im Betrieb den Jugendvertrauensrat. Das ist ein gutes Training für alle guten BetriebsrätInnen. Und dafür setzen wir uns ein“, kommentierte etwa Bernhard Achitz, Leitender Sekretär des ÖGB, die Pläne der Bundesregierung, den Jugendvertrauensrat abschaffen zu wollen.

Der Jugendvertrauensrat (JVR) vertritt die Interessen der Lehrlinge und jungen Beschäftigten im Betrieb. Er kümmert sich darum, dass gesetzliche Bestimmungen zur Lehrlingsausbildung eingehalten werden, ist Ansprechperson bei schulischen und privaten Problemen und dient auch als Bindeglied zwischen Vorgesetzten und Lehrlingen. Er ist die Stimme der jungen Beschäftigten im Betrieb.

Laute Stimmen für die Lehrlinge

Rund 3.000 Jugendvertrauensräte und Jugendvertrauensrätinnen gibt es derzeit in Österreich. Eine von ihnen ist Victoria Schwarz. Sie ist in der Ausbildung zur Karosseriebautechnikerin bei einem großen Autozulieferer in der Nähe von Graz. Als im August 2017 die Neuwahlen zum Jugendvertrauensrat anstanden, war es für sie klar, dass sie sich der Wahl stellt. „Ich habe mich vorher schon engagiert, mich kannten die meisten Lehrlinge und ich verstehe mich mit ihnen sehr gut.“ Die Vorteile des Jugendvertrauensrats liegen für sie auf der Hand: „Meine Chefs sind froh, dass ich mit den gesammelten Anliegen der Lehrlinge zu ihnen komme. Sie hätten nie die Zeit, mit jeder und jedem Einzelnen lange zu reden.“

Problemvermeidung

Auch Josef Rehberger, Jugendvertrauensrat in der voestalpine Linz, weiß, was es heißt, Jugendvertrauensrat zu sein. Der gelernte Produktionstechniker ist dort Ansprechpartner für mehr als 460 Lehrlinge: „Der Jugendvertrauensrat ist wichtig, weil er die einzige Möglichkeit für Lehrlinge ist, im Betrieb mitzubestimmen. Die JVRs werden von den Lehrlingen gewählt, die bei Problemen zu uns kommen. Oft können wir hier schon im Vorhinein helfen, damit es erst gar nicht zu einem ernsthaften Problem kommt.“

Zeitintensive Gespräche sind dafür mitunter notwendig. Victoria Schwarz erzählt: „Ein Lehrling kam immer wieder zu spät, bei der Arbeit wirkte er oft abwesend und blieb auch manchmal unentschuldigt fern. Im Gespräch vertraute er sich mir an. Er hatte Krach mit seiner Freundin und Streit mit den Eltern.“ Gemeinsam mit dem Chef wurde eine Lösung gefunden und er kann die Lehre fertig machen. Victoria ist sich sicher: „Jemandem älteren hätte er sich nie anvertraut und er wäre heute möglicherweise ein Lehrabbrecher.“

Warum die Regierung vorhat, den Jugendvertrauensrat abzuschaffen, verstehen selbst so manche UnternehmerInnen nicht. Eine von ihnen ist Petra Mathi-Kogelnik, Geschäftsführerin von DM: „Der JVR ist eine wichtige Institution, da dadurch die Sichtweisen, Ansichten, Bedürfnisse und Interessen der Jugendlichen auch seitens der Gewerkschaften vertreten werden. Uns als Unternehmen ist es ein Anliegen, dass wichtige Themen unserer Jugendlichen direkt von ihnen kommen. Als Unternehmen sind wir offen, diese Themen gemeinsam mit dem JVR zu diskutieren und zu bearbeiten. Für uns ist der JVR eine wichtige Institution, um unsere Organisation weiterzuentwickeln.“

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