Jugend fordert Zukunft

Inhalt

  1. Seite 1 - Bedürfnis nach Sicherheit und Stabilität
  2. Seite 2 - Zukunftsängste im Job
  3. Seite 3 - Die Wurzel der Probleme
  4. Seite 4 - Von der Theorie zur Praxis
  5. Seite 5 - Nächster Halt: Strukturwandel
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Junge Menschen stehen heutzutage vor zahlreichen Herausforderungen. Die Welt ist unsicherer geworden. Krieg, Teuerungen und Klimakrise bestimmen die Gegenwart, während die Pandemie immer noch nachwirkt. Wie schauen junge Arbeitnehmer:innen in die Zukunft und was brauchen sie, um diese zu gestalten?

Von der Theorie zur Praxis

Für Irene Stefka bedeutet ein stabiler Arbeitsplatz, dass das Unternehmen zukunftsfähige Arbeitsplätze anbietet.

Für Richard Tiefenbacher, den Vorsitzenden der ÖGJ, ist eines klar: Ein solcher Übergang ist nur gemeinsam mit den arbeitenden Menschen möglich. „Arbeitnehmer:innen und vor allem junge Menschen müssen aktiv in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Nur so ist ein sozial gerechter Wandel zu einer ökologischen Wirtschaft möglich.“ Dies gelte auch im Hinblick auf den Arbeitsmarkt. „Klar ist, grüne Jobs müssen auch gute Jobs sein“, so Tiefenbacher. „Nur gemeinsam können wir ein gutes Leben für alle erkämpfen. In der Klimafrage heißt das, dass sogenannte grüne Jobs auch immer gute Jobs mit einer fairen, kollektivvertraglich gesicherten Bezahlung und guten Arbeitsbedingungen sein müssen.“

Eine ganze Reihe von Branchen erfahre durch die Klimakrise einen Bedeutungszuwachs. Die von Tiefenbacher aufgezählte Bandbreite reicht von der Abfall- und Ressourcenwirtschaft über die Energie- und Gebäudetechnik bis hin zur Forschung. „Hier braucht es Qualifizierungs- und Umschulungsprogramme, damit Arbeitnehmer:innen nicht auf der Strecke bleiben.“ Auf einem „toten Planeten“ gebe es „weder Leben noch Jobs“, gibt sich Tiefenbacher überzeugt. „Deshalb brauchen junge Menschen ein Angebot an klimafreundlichen Lehrstellen und Ausbildungen.“

Klar ist, grüne Jobs müssen auch gute Jobs sein. 

Richard Tiefenbacher, Vorsitzender der ÖGJ

Den Übergang kann eine Chance sein

Dass gerade für Lehrlinge die Frage des Übergangs nicht nur Probleme, sondern auch Chancen bedeutet, sieht Thomas Moldaschl von der Abteilung Lehrausbildung und Bildungspolitik der AK Wien. „Das sind zwei Ebenen, auf denen der Klimaaspekt abgebildet ist“, sagt Moldaschl. „Vieles baut auf bestehende Lehrberufe auf.“ So gibt es etwa in der Elektrotechnik das Spezialmodul „erneuerbare Energie“, bei Kfz den Bereich „Elektromotoren“ und im Bereich Photovoltaik Schulungen für Dachdecker:innen. Gefragt sei auch der Lehrberuf Installations- und Gebäudetechnik. „Hier geht es unter anderem um den Austausch von alten Öl- und Gasheizungen.“

Allerdings hänge viel davon ab, welches technische Know-how in einem Ausbildungsbetrieb vorhanden sei. „Man muss Betriebe viel mehr dabei unterstützen, Klimatechnik zu vermitteln. Vor allem Kleinbetriebe, die einen großen Teil der Lehrausbildung ausmachen, stehen dabei vor Herausforderungen. 60 Prozent aller Lehrlinge sind in Betrieben, die weniger als 250 Beschäftigte haben. 15 Prozent sind in Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten.

Jugend: Mehr Betriebe müssen ausbilden

Diesen Betrieben muss man zur Seite stehen.“ Tue man dies nicht, habe dies für die Lehrlinge nachteilige Konsequenzen: „Wenn sich zum Beispiel ein Lehrbetrieb nicht mit dem Wechsel von Ölheizungen befasst, dann können den Jugendlichen diese Inhalte nicht vermittelt werden.“ Gleichzeitig gebe es nicht genug Betriebe, die ausbilden, also in die Qualifikation investieren. „Genau die braucht es aber, um den Wandel in der Breite zu verankern. Unternehmen sollten bereit sein, mehr Geld für Nachhilfeunterricht in die Hand zu nehmen oder Lehrlinge in Weiterbildung zu schicken. Denn fehlt diese Bereitschaft, bleibt es nur beim chronischen Jammern.“

Die Inhalte von Berufen ändern sich. Aber viele Berufe an sich bleiben erhalten. So wird es auch in Zukunft Maurer:innen geben. Der Schwerpunkt verlagert sich aber auf klimafreundliche Materialien und Techniken. 

Thomas Moldaschl, Abteilung Lehrausbildung und Bildungspolitik der AK Wien

Manchen Berufen fehle auch einfach die Attraktivität, weswegen junge Fachkräfte zunehmend fernblieben. Dies sei zum Beispiel in der Pflege der Fall. „Hier gibt es keinen Mangel an Interesse. Aber aufgrund langer Arbeitszeiten, schlechter Arbeitsbedingungen und niedriger Gehälter steigen die Leute nach einigen Jahren aus dem Beruf aus. Das ist ein von den Betrieben hausgemachter Mangel.“ Nicht in allen Fällen müsse das Rad neu erfunden werden, meint Moldaschl. „Die Inhalte von Berufen ändern sich. Aber viele Berufe an sich bleiben erhalten. So wird es auch in Zukunft Maurer:innen geben. Der Schwerpunkt verlagert sich aber auf klimafreundliche Materialien und Techniken, zum Beispiel in der Wärmedämmung. Auch in der Kfz-Branche wird es noch sehr lange Verbrennungsmotoren geben und daher Fachkräfte brauchen, die sich mit deren Wartung und Instandhaltung auskennen.“

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  2. Seite 2 - Zukunftsängste im Job
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