Herbstlohnrunde 2026: KV-Verhandlungen im Newsticker

Eine Frau verkauft einem Mann Brot. Symbolbild: Herbstlohnrunde 2026: Gewerkschaften und Arbeitgeber:innen ringen wieder um faire Abschlüsse. Alle News zu den KV-Verhandlungen finden Sie hier.
Herbstlohnrunde 2026: Gewerkschaften und Arbeitgeber:innen ringen wieder um faire Abschlüsse. | © Adobe Stock/DusanJelicic
Wer sitzt am Verhandlungstisch, wer bremst, und wo stehen die Gespräche gerade? Alle aktuellen Entwicklungen und News zu den KV-Verhandlungen 2026.

Die Herbstlohnrunde 2026 beginnt, und damit starten die Verhandlungsrunden über die Löhne Hunderttausender Beschäftigter. Im Ticker finden Sie alle News zu den KV-Verhandlungen: Wir berichten über Forderungen, den Stand der Gespräche und die Abschlüsse. Einen Überblick über alle laufenden Verhandlungen und bereits erzielten Abschlüsse bietet die aktuelle KV-Übersicht des ÖGB.

12.10.2026

EISENBAHN: HERBSTLOHNRUNDE STARTET FÜR 55.000 BESCHÄFTIGTE

Weil die Metaller:innen im Vorjahr einen zweijährigen Krisenabschluss erzielt haben, eröffneten die Eisenbahner:innen heute Nachmittag, am 12.10.2026, die Herbstlohnrunde. Der Bahn-Kollektivvertrag betrifft 55.000 Beschäftigte in 98 Eisenbahnunternehmen. Die Gewerkschaft vida fordert eine Inflationsabgeltung und ein Reallohnplus. Wer etwas leiste, müsse auch anständig bezahlt werden, sagt vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit. Fachbereichsvorsitzender Gerhard Tauchner fordert außerdem längere Ruhezeiten in der Bahnbranche. Die Arbeitgeberseite, vertreten durch Thomas Scheiber, strebt einen „maßvollen Abschluss“ an. Laut Momentum Institut haben die Eisenbahner:innen seit 2019 real 1,8 Prozent verloren, mehr als etwa der Handel (1,3 Prozent) oder das Handwerk und Gewerbe (0,3 Prozent). Die Inflation lag zwischen September 2025 und August 2026 im Schnitt bei 3,3 Prozent.

9.10.2026

VIDA: DIE ZEIT DER KRISENABSCHLÜSSE IST VORBEI

Ab Oktober verhandelt die Gewerkschaft vida für rund 283.500 Beschäftigte in den Bereichen Eisenbahn, Handel (Arbeiter:innen), private Autobusbetriebe, Straßengüterverkehr und private Sicherheitsdienste. „Krisenabschlüsse haben das Leben nicht billiger, aber die Beschäftigten ärmer gemacht. Diese Zeit ist vorbei“, sagt vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit bei einer Pressekonferenz zum Start der Herbstlohnrunde. Seit 2019 sind die Reallöhne um rund 0,8 Prozent gesunken, in der Gastronomie und in der Warenherstellung sogar um bis zu 2,7 Prozent. Gleichzeitig lag die Inflation im September bei 3,6 Prozent und die Arbeitslosenquote bei 6,7 Prozent.

Ein Mann arbeitet an den Gleisen und kontrolliert einen Zug. Symbolbild: Die Gewerkschaft vida bereitet sich auf die Herbstlohnrunde vor.
Die Herbstlohnrunde steht in den Startlöchern. Die vida fordert ein Ende der Krisenabschlüsse. | © Adobe Stock/littlewolf1989

Niedrige Abschlüsse treffen laut Hebenstreit auch den Staat, denn rund 75 Prozent des Steueraufkommens hängen direkt oder indirekt an Löhnen und Gehältern: „Nur ein Prozent weniger Lohnentwicklung im Dienstleistungssektor kostet rund 204 Millionen Euro an Steuern und 385 Millionen Euro an Sozialbeiträgen.“ Welche Forderungen die vida sonst noch mitbringt, erfahren Sie in unserer Kurzfassung.

24.9.2026

DIE BENYA-FORMEL ALS RICHTWERT DER LOHNPOLITIK

Wenn Gewerkschaften und Arbeitgeber:innen über neue Kollektivverträge verhandeln, fällt ein Begriff besonders häufig: die Benya-Formel. Seit Jahrzehnten gilt sie als Richtwert für die Lohnpolitik in Österreich. Die Idee dahinter: Löhne sollen um die rollierende Inflation, also den Durchschnitt der Preissteigerungen der letzten zwölf Monate, steigen und zusätzlich um den mittelfristigen Produktivitätszuwachs der gesamten Wirtschaft. Es geht bewusst nicht darum, wie produktiv einzelne Betriebe sind. Denn sonst würden Branchen wie die Pflege bei Lohnerhöhungen fast leer ausgehen. Mehr Details zur Benya-Formel und dazu, wie ihr Namensgeber Anton Benya bis heute die Kollektivverhandlungen prägt, gibt es hier.

24.9.2026

BINDER (PRO-GE): „KOCHERS RATSCHLÄGE ZU KV-VERHANDLUNGEN VERZICHTBAR“

Alle Jahre wieder startet die Herbstlohnrunde, und alle Jahre wieder werden Vorschläge zu den Rahmenbedingungen gemacht – teilweise auch von Unbeteiligten. So schlug etwa Nationalbank-Gouverneur Martin Kocher kürzlich im Gespräch mit „Die Presse” vor, einen Teil der Lohnerhöhungen für kapitalgedeckte Pensionen zu verwenden.

Reinhold Binder, Vorsitzender der PRO-GE, lehnt den Vorschlag des ehemaligen Bundesministers für Arbeit und Wirtschaft ab. „Die Ergebnisse in den einzelnen Branchen sollen einerseits den Kaufkraftverlust ausgleichen und andererseits den Anteil an der Produktivität abbilden. Dass den Beschäftigten nun ein Teil ihrer Lohnerhöhungen weggenommen werden soll, um damit an der Börse zu spekulieren, kann wohl niemand ernsthaft in Erwägung ziehen“, erklärte Binder deutlich in einer Presseaussendung.

Reinhold Binder, Vorsitzender der Gewerkschaft Pro-Ge, im Interview zum Thema Industriepolitik und Transformation.
Reinhold Binder (Foto) hat wenig übrig für den Vorschlag von Nationalbank-Gouverneur Martin Kocher, Lohnerhöhungen am Kapitalmarkt zu investieren. | © Markus Zahradnik

23.9.2026

HANDEL: UMSATZPLUS STATT DAUERKRISE

Vor dem Start der Verhandlungsrunden für den Handel widerspricht die Gewerkschaft GPA der Darstellung der WKÖ, die Branche stecke in einer durchgehenden Krise. Die aktuellen Zahlen sprechen eine andere Sprache: So legte im Juli 2026 der Einzelhandel real um 2,0 Prozent zu, der Lebensmittelhandel sogar um 4,1 Prozent. Die Insolvenzen im Handel gingen im ersten Halbjahr um 4,6 Prozent zurück.

„KV-Verhandlungen dürfen nicht auf Bauchgefühl und Dauerkrisenrhetorik beruhen“, sagt GPA-Chefverhandlerin Linda Keizer. Die mehr als 420.000 Handelsangestellten hätten durch die Teuerung und Abschlüsse unter der Inflation real an Kaufkraft verloren. Ein fairer Abschluss sei deshalb keine Belastung für die Branche, sondern eine Investition in Beschäftigte und Nachfrage.

18.9.2026

REALLÖHNE SEIT 2019 UM 0,8 PROZENT GESUNKEN

0,8 Prozent: So stark sind die Reallöhne durchschnittlich seit 2019 zurückgegangen. In der Gastronomie und der Warenherstellung betrug der Rückgang sogar bis zu 2,7 Prozent. Für Roman Hebenstreit, den Chef der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida, ist das inakzeptabel, nicht zuletzt, da sich dadurch die Kaufkraft verändert. Hebenstreit: „Diese Krisenabschlüsse haben die Lebensmittel nicht billiger, aber die Beschäftigten ärmer gemacht. Höhere Löhne sind der Sprit, den der Wirtschaftsmotor jetzt braucht.“

Im Oktober sitzt die Gewerkschaft vida mit der Wirtschaftskammer am Verhandlungstisch. Es geht um die Kollektivverträge für Bus- und Bahnbeschäftigte, Arbeiter:innen im Handel, Lkw-Fahrer:innen, Reinigungskräfte und private Sicherheitsdienste. Die Gewerkschaft verweist auf die hohe Arbeitsbelastung und den großen Personalbedarf in diesen Branchen. Anders als sonst beginnt die Herbstlohnrunde heuer im Oktober ohne die Metaller: Die Sozialpartner hatten sich im Vorjahr auf einen zweijährigen „Krisenabschluss“ verständigt.

Roman Hebenstreit sitzt auf einem Sessel und führt ein Interview.
“Wir sehen, dass es sich aufgrund der explodierenden Preise für immer mehr Menschen nicht mehr ausgeht”, Roman Hebenstreit im Interview mit Arbeit&Wirtschaft. | © Markus Zahradnik

28.9.2026

HERBSTLOHNRUNDE 2026: ALLE NEWS ZU DEN KV-VERHANDLUNGEN

Die Blätter fallen und das kann nur eines bedeuten: Die Herbstlohnrunde startet. In unserem Newsticker halten wir Sie laufend über die wichtigsten Entwicklungen, Konflikte und Hintergründe auf dem Laufenden. Es geht dabei um mehr als Prozentsätze und Lohnerhöhungen. Auch die Arbeitszeit und Arbeitbedingungen stehen diesen Herbst zur Debatte. Sie suchen die aktuellen Ergebnisse? Alle laufenden KV-Verhandlungen und Abschlüsse finden Sie in der aktuellen KV-Übersicht des ÖGB.

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