In den vergangenen Jahren wurden mehrmals Lohnerhöhungen unterhalb der Inflationsrate abgeschlossen, die Reallöhne sind damit seit 2019 um rund 0,8 Prozent gesunken. In der Gastronomie und in der Warenherstellung betrug der Rückgang sogar bis zu 2,7 Prozent. Für 2025 weist die Statistik Austria zudem ein reales BIP-Plus von 0,7 Prozent aus.
Fachkräftemangel im Blick
„Regierung und Wirtschaft haben um Lohnzurückhaltung gebeten – mit dem Versprechen, dass dadurch Preise gedämpft und Arbeitsplätze gesichert werden. Die Beschäftigten haben geliefert, alle anderen nicht“, sagt Hebenstreit. Im heurigen September lag die Inflation bei 3,6 Prozent, die Arbeitslosenquote erreichte mit 6,7 Prozent den höchsten Wert seit August 2025.
Regierung und Wirtschaft haben um Lohnzurückhaltung gebeten – mit dem Versprechen, dass dadurch Preise gedämpft und Arbeitsplätze gesichert werden.
Roman Hebenstreit, Gewerkschaft vida
Die Gewerkschaft vida weist zusätzlich darauf hin, dass die Verhandlungsmacht der Beschäftigten systematisch untergraben werde. Personalengpässe seien vor allem durch zusätzliche Arbeitskräfte aus dem Ausland statt durch eine Attraktivierung der Stellen abgefedert worden: „Immer dann, wenn in einer Branche Arbeitskräfte knapp wurden und die Löhne hätten steigen müssen, wurde das Ventil geöffnet – mit mehr Rot-Weiß-Rot-Karten, längeren Mangelberufslisten und höheren Saisonkontingenten.“
Während Unternehmen einerseits den Fachkräftemangel beklagen würden, bilden sie gleichzeitig immer weniger Lehrlinge aus. Österreich unterschritt 2026 erstmals die Marke von 100.000 Lehrlingen, die sich in Ausbildung befanden. Gleichzeitig standen den etwa 11.700 Lehrstellensuchenden nur ca. 7.700 offene Lehrstellen gegenüber, es fehlten also fast 4.000 Ausbildungsplätze. Hebenstreit: „Wer Fachkräfte braucht, muss sie ausbilden, anständig bezahlen und ihnen Bedingungen bieten, mit denen sie bleiben.“
Weniger Steuereinnahmen durch niedrige Löhne
Die Folgen von niedrigen Lohn- und Gehaltsabschlüssen bei den KV-Verhandlungen treffen dabei nicht nur Privatpersonen, sondern auch den Staat. Rund 75 Prozent des Steueraufkommens hängen direkt oder indirekt an Löhnen und Gehältern, bezieht man öffentliche Pensionen ein, sind es bis zu 88 Prozent. 2025 entsprach das bis zu 200 Milliarden Euro. Damit werden Pensionen, Kranken- und Arbeitslosenversicherung, Familienleistungen sowie kommunale Leistungen finanziert. „Nur ein Prozent weniger Lohnentwicklung im Dienstleistungssektor kostet rund 204 Millionen Euro an Steuern und 385 Millionen Euro an Sozialbeiträgen“, rechnet vida-Vorsitzender Hebenstreit vor. Als Vergleich: Die neue Paketsteuer soll 280 Millionen Euro im Jahr einbringen. All diese Aspekte sollten in den laufenden und kommenden Verhandlungen eine Rolle spielen.
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— Arbeit&Wirtschaft Magazin (@aundwmagazin.bsky.social) 5. Oktober 2026 um 17:00