Einsamkeit stoppen: EU und Österreich starten Gegenmaßnahmen

Eine alte Frau schaut aus dem Fenster. Symbolbild: Rund Prozent der Menschen in Österreich sind einsam. Das kostet dem Staat viel Geld.
Rund 28 Prozent der Menschen in Österreich sind einsam. | © Adobestock/De Visu
Rund 28 Prozent der Österreicher:innen geben an, sich einsam zu fühlen. Einsamkeit ist also ein gesellschaftliches Problem, das hierzulande Millionen Menschen betrifft –, und das die Staatskassen belastet. Das soll sich nun ändern.
Einsamkeit ist kein Randthema. Sie schadet den Betroffenen und der Gesellschaft“, sagt Europa-Abgeordnete Evelyn Regner bei einer Pressekonferenz gemeinsam mit Korinna Schumann, Bundesministerin für Arbeit, Soziales und Gesundheit, Anfang des Jahres in Wien. So geben 30 Prozent der EU-Bürger:innen bei Befragungen an, sich einsam zu fühlen. In Österreich sind es 28 Prozent, also mehr als zwei Millionen Menschen, wie eine aktuelle Studie des Sozialministeriums von Dezember 2025 zeigt.

Wer besonders einsam ist

„Überproportional sind besonders sozial Schwächere, Arbeitslose, Erwerbstätige mit niedrigem Einkommen und chronisch Kranke von Einsamkeit betroffen“, erklärte Ministerin Schumann. Ein Bericht der OECD zeigte, dass „Menschen, die arbeitslos oder materiell benachteiligt sind, deutlich häufiger unter Einsamkeit leiden“. Dagegen helfen sollen jetzt arbeitsmarktpolitische Strategien wie die bessere Qualifizierung von Arbeitnehmer:innen, flexible Arbeitszeitmodelle sowie die Aktion 55+. Letztere startet 2026 und soll zwischen 3.000 und 6.000 Langzeitarbeitslose über 55 Jahren in Beschäftigung bringen. Auch engagierte Betriebsrät:innen können einen wichtigen Beitrag gegen Einsamkeit leisten, indem sie die Kommunikation und die Informationsflüsse im Unternehmen verbessern.

Im Gesundheitsbereich soll der Ausbau des „Social Prescribing“ in Ordinationen vorangetrieben werden: Dabei werden soziale Angebote wie Psycho- und Gesprächstherapien „verschrieben“. „750.000 Menschen leiden in Österreich unter besonders starker Einsamkeit“, unterstrich Schumann die Dringlichkeit politischen Handelns.

Die Kosten von Einsamkeit

Auch auf EU-Ebene soll das Thema „Einsamkeit“ größere Bedeutung beigemessen werden. Das Projekt „Lonely-EU“ erhebt in den nächsten drei Jahren Daten in allen Mitgliedsländern, um faktenbasiert ein Konzept gegen negative gesundheitliche und beschäftigungspolitische Auswirkungen von Einsamkeit zu entwickeln. Gefördert wird  es mit drei Millionen Euro aus EU-Mitteln.

Einsamkeit ist teuer, sind sich Experten einig. Die Folgen sozialer Isolation summieren sich in Österreich jährlich auf rund zwölf Milliarden Euro, sagt Rob Blaauboer, der für Information und Kommunikation zuständige Mitarbeiter von „Lonely-EU“. Dieser Betrag setzt sich aus Kosten für Gesundheit, Krankenstände und Produktionsverlusten zusammen.

If you are interested in the progress of the LONELY-EU project, please sign up for our newsletter at

[image or embed]

— lonely-eu.bsky.social (@lonely-eu.bsky.social) 2. August 2025 um 08:32

Und schließlich kann soziale Isolation auch „die Demokratie schwächen, weil Einsamkeit nicht nur ein persönliches Gefühl, sondern ein gesellschaftliches Problem ist“, betonte EU-Abgeordnete Regner. So soll laut ein Bericht des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz von 2025 zeigen, dass Menschen, die isoliert und alleine sind, häufig ihre soziale und politische Teilhabe reduzieren oder gänzlich darauf verzichten.

Weiterführende Artikel

Sie brauchen einen Perspektivenwechsel?

Dann melden Sie sich hier an und erhalten einmal wöchentlich aktuelle Beiträge zu Politik und Wirtschaft aus Sicht der Arbeitnehmer:innen.

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder.
Mit dem Absenden dieses Formulars stimme ich der Verarbeitung meiner eingegebenen personenbezogenen Daten für den Zweck der Versendung und Verwaltung des Newsletters sowie des Gewinnspiels zu. Diese Zustimmung kann jederzeit widerrufen werden. Details dazu finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Über den/die Autor:in

Margaretha Kopeinig

Margaretha Kopeinig ist freie Journalistin, Autorin und war Brüssel-Korrespondentin für den Kurier. Ihre universitäre Ausbildung führte sie nach Wien und Bogotá, wo sie sich mit den Schwerpunkten Politik, Soziologie und Geschichte beschäftigte.

Sie brauchen einen Perspektivenwechsel?

Dann melden Sie sich hier an und erhalten einmal wöchentlich aktuelle Beiträge zu Politik und Wirtschaft aus Sicht der Arbeitnehmer:innen.



Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder. Mit dem Absenden dieses Formulars stimme ich der Verarbeitung meiner eingegebenen personenbezogenen Daten gemäß den Datenschutzbestimmungen zu.