Wer besonders einsam ist
„Überproportional sind besonders sozial Schwächere, Arbeitslose, Erwerbstätige mit niedrigem Einkommen und chronisch Kranke von Einsamkeit betroffen“, erklärte Ministerin Schumann. Ein Bericht der OECD zeigte, dass „Menschen, die arbeitslos oder materiell benachteiligt sind, deutlich häufiger unter Einsamkeit leiden“. Dagegen helfen sollen jetzt arbeitsmarktpolitische Strategien wie die bessere Qualifizierung von Arbeitnehmer:innen, flexible Arbeitszeitmodelle sowie die Aktion 55+. Letztere startet 2026 und soll zwischen 3.000 und 6.000 Langzeitarbeitslose über 55 Jahren in Beschäftigung bringen. Auch engagierte Betriebsrät:innen können einen wichtigen Beitrag gegen Einsamkeit leisten, indem sie die Kommunikation und die Informationsflüsse im Unternehmen verbessern.
Im Gesundheitsbereich soll der Ausbau des „Social Prescribing“ in Ordinationen vorangetrieben werden: Dabei werden soziale Angebote wie Psycho- und Gesprächstherapien „verschrieben“. „750.000 Menschen leiden in Österreich unter besonders starker Einsamkeit“, unterstrich Schumann die Dringlichkeit politischen Handelns.
Die Kosten von Einsamkeit
Auch auf EU-Ebene soll das Thema „Einsamkeit“ größere Bedeutung beigemessen werden. Das Projekt „Lonely-EU“ erhebt in den nächsten drei Jahren Daten in allen Mitgliedsländern, um faktenbasiert ein Konzept gegen negative gesundheitliche und beschäftigungspolitische Auswirkungen von Einsamkeit zu entwickeln. Gefördert wird es mit drei Millionen Euro aus EU-Mitteln.
Einsamkeit ist teuer, sind sich Experten einig. Die Folgen sozialer Isolation summieren sich in Österreich jährlich auf rund zwölf Milliarden Euro, sagt Rob Blaauboer, der für Information und Kommunikation zuständige Mitarbeiter von „Lonely-EU“. Dieser Betrag setzt sich aus Kosten für Gesundheit, Krankenstände und Produktionsverlusten zusammen.
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— lonely-eu.bsky.social (@lonely-eu.bsky.social) 2. August 2025 um 08:32
Und schließlich kann soziale Isolation auch „die Demokratie schwächen, weil Einsamkeit nicht nur ein persönliches Gefühl, sondern ein gesellschaftliches Problem ist“, betonte EU-Abgeordnete Regner. So soll laut ein Bericht des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz von 2025 zeigen, dass Menschen, die isoliert und alleine sind, häufig ihre soziale und politische Teilhabe reduzieren oder gänzlich darauf verzichten.