Die Profiteure hinter den privaten Krankenanstalten

Ein Mann sitzt in einem Krankenbett.
Transnationalen Großkonzerne wie der zum Raiffeisen-Konzern gehörenden UNIQA Insurance Group, Porr oder Strabag mischen längst im Gesundheitssystem mit. | © Adobestock/nimito
Beschäftigte privater Krankenanstalten sind unter Druck und protestieren gegen Lohnkürzungen. Hintergrund sind internationale Bau- und Finanzkonzerne, für die Gesundheit längst zum Geschäftsmodell geworden ist.
Gbegen Lohnraub‟ stand auf den Schildern, die Beschäftigte des Anton-Proksch-Instituts (API) in Wien am Vormittag des 8. Jänner in die Höhe hielten. Die Aktion der Gewerkschaft vida sollte auf die sich zuspitzenden Kollektivvertragsverhandlungen bei privaten Krankenanstalten aufmerksam machen und fand an Standorten in ganz Österreich statt. Was viele nicht wissen: Hier wird nicht gegen Unbekannte demonstriert. Die privaten Krankenanstalten gehören transnationalen Großkonzernen wie der zum Raiffeisen-Konzern gehörenden UNIQA Insurance Group, Porr, Strabag oder dem Private-Equity-Konzern PAI-Partners.

Wachstumsbranche Gesundheit

Der Gesundheitsbereich ist eine Wachstumsbranche, in der es Investor:innen um Milliardenbeträge geht. Porr und Strabag gehören etwa zu den Haupteigentümern der „Klinikum Austria“-Gruppe, einer laut eigenen Angabe „führenden Betreiberin von Reha-Medizin in Österreich“. An fünf Standorten werden jährlich 10.000 Patient:innen versorgt.

Dass Baukonzerne in den Gesundheitssektor drängen, bleibt nicht auf Privatspitäler und Reha-Einrichtungen beschränkt. So ist auch die Betreibergesellschaft des eigentlich nicht profitorientierten Allgemeinen Krankenhauses in Wien in privater Hand. Lange Zeit wollten auch hier Strabag und Porr gemeinsam als neue Eigentümer der Betreibergesellschaft einsteigen, bis das Projekt Mitte Dezember 2025 abgeblasen wurde.

Finanzkonzerne wittern Geschäft

Nicht nur die Baubranche mischt mit. Hinter der VITREA-Gruppe, die 14.000 Menschen in Österreich, Deutschland und der Schweiz beschäftigt, steckt der europäische Private-Equity-Konzern PAI-Partners. Im Oktober 2024 übernahm dieser Finanzkonzern gemeinsam mit dem deutschen Unternehmen FRESENIUS Teile der VAMED, die Eigentümerin mehrerer österreichischer Gesundheitseinrichtungen war.

Zu diesen Einrichtungen gehört auch das Anton-Proksch-Institut in Wien, ein Reha-Zentrum, das aktuell wegen massiver Einsparungen in den Schlagzeilen steht. Harald Steer, API-Betriebsratsmitglied und Gesundheitssprecher der Gewerkschaft vida, warnte bereits im Vorfeld der Übernahme in einem Interview mit Arbeit&Wirtschaft, dass die PAI die Anteile vor allem zur Profitmaximierung erworben habe. Sparpakete und Personalabbau seien der erste Schritt, um die Einrichtungen gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Große Profite für Konzerne – Einsparungen für Beschäftigte

Im API und zahlreichen anderen Einrichtungen treten diese Kürzungsversuche jetzt wohl zutage. Die Verhandlungen für den KV der Privatkrankenanstalten standen im Zeichen der harten Einschnitte, die auf Bundes- und Landesebene geplant sind. Die Eigentümer wollten diesen Sparkurs an die Beschäftigten weitergeben, obwohl sie laut Gewerkschaftsangaben auf sehr profitable Jahre zurückblicken. Die von der Arbeitgeberseite angebotenen Gehaltsabschlüsse lagen deshalb unterhalb der Inflationsrate und hatten eine Laufzeit von drei Jahren.

Portrait Harald Steer, Betriebsratsvorsitzender beim Anton-Proksch-Institut der VAMED AG, im Interview über Arbeitsbedingungen verbessern.
„Schlechte Kollektivvertragsabschlüsse haben noch nie ein Spital gerettet“, sagt Harald Steer, Betriebsratsvorsitzender des Anton-Proksch-Institut. | © Markus Zahradnik

Dagegen stemmten sich die Betriebsrät:innen und die Gewerkschaft vida. „Mit Reallohnkürzungen wird es mit uns keinen Abschluss geben“, sagte Betriebsrat Harald Steer Anfang Jänner im Gespräch mit der Arbeit&Wirtschaft. „Wenn die Arbeitgeberseite das nicht einsieht, wird sie mit weiteren Protesten rechnen müssen.“

Eine implizite Drohung der Arbeitgeberseite war es, bei guten Lohnabschlüssen Stellen abzubauen und damit die angespannte Personallage für die Beschäftigten weiter zu verschärfen. Mittlerweile scheinen sich die beiden Parteien aber geeinigt haben und ein vorläufiges Ergebnis steht fest. Wie es konkret aussieht, ist noch nicht bekannt, die Zustimmung der Gremien auf Arbeitgeberseite steht noch aus.

Schlechte Abschlüsse sind keine Lösung

Von Drohungen in KV-Verhandlungen hält der Betriebsrat des Anton-Proksch Instituts laut Vorsitzendem Harald Steer nichts. Er sagte: „Schlechte Kollektivvertragsabschlüsse haben noch nie ein Spital gerettet, und auch keinen Arbeitsplatz.“

🏥✊ Es war der zweite Krankenhausstreik in der Geschichte der Zweiten Republik: In Oberösterreich legte das nicht-ärztliche Personal der Ordensspitäler vergangene Woche seine Arbeit nieder.

Wir haben mit zwei der Streikenden gesprochen. Was sie über ihre Arbeit erzählen, ist erschütternd. 👇

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— Arbeit&Wirtschaft Magazin (@aundwmagazin.bsky.social) 28. Januar 2026 um 17:00

Auch am Anton-Proksch Institut habe es in den vergangenen Jahren immer wieder Eigentümerwechsel und damit verbundene Verschlechterungen für die Belegschaft gegeben. „Doch all diese Einsparungen haben nicht verhindert, dass auch jetzt wieder eine Kündigungswelle droht.“ Deshalb sei es wichtig zu kämpfen, allen Widrigkeiten zum Trotz.

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Über den/die Autor:in

Christian Bunke

Chistian Bunke ist freier Journalist in Wien, mit Schwerpunkten in Sozialpolitik, Gewerkschaften, Stadtplanung, Militarismus, Großbritannien und Fankultur. Er ist Mitglied des FYI-Kollektivs.

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