Der Mythos vom nicht finanzierbaren Pensionssystem

Inhalt

  1. Seite 1 - Neoliberale Pensionsmythen
  2. Seite 2 - Gesicherte Pensionen für Junge
  3. Seite 3 - Frauen- und Männerpensionen
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Der wirtschaftsliberale Think-Tank Agenda Austria rückt aktuell beinahe im Tagesrhythmus aus, um vor dem vermeintlich nicht mehr finanzierbaren österreichischen Pensionssystem zu warnen. Von der EU-Kommission veröffentlichte Zahlen zeigen ein deutlich differenziertes Bild.

Gesicherte Pensionen für Junge

In Österreich werden monatlich 1,78 Prozent vom Bruttolohn in das staatliche Pensionskonto einbezahlt. Dieses Konto kann man jederzeit online abrufen, um zu sehen wie viel man aktuell an Pensionsgutschrift hat. „Wenn ich beispielsweise im Monat 1000 Euro verdienen würde, bedeutet das, dass monatlich 18 Euro auf meinem Pensionskonto gutgeschrieben werden“, so Panhölzl. „Wenn jemand das 45 Jahre lang macht und dann mit einem Alter von 65 Jahren in Pension geht, dann bekommt die Person 800 Euro Pension pro Monat.“ Im Schnitt ergeben sich so 80 Prozent des zuvor bezogenen Lohns oder Gehalts.

Sollte man früher die Pension antreten, gibt es Abzüge, und wenn man in einem Arbeitsumfeld ist, in dem man gerne länger bleiben möchte, so kann man das bis zum Alter von 68 Jahren machen und bekommt dafür auch einen Pensions-Bonus. „Die kurzfristige Finanzierung des Pensionssystems ist durch Reformen in den vergangenen zehn Jahren sehr gut“, meint Panhölzl. Und auch langfristig sieht der Experte keine Unfinanzierbarkeit, wie es die wirtschaftsliberale Seite tut. „Es stimmt, dass die Gesellschaft älter wird, allerdings hat man hier Vorarbeit geleistet, um die Pensionen zu sichern.“

Es stimmt, dass die Gesellschaft älter wird, allerdings hat man hier Vorarbeit geleistet, um die Pensionen zu sichern.

So erhält man seit dem Jahr 2004 im Pensionskonto 80 Prozent des Lebensdurchschnittseinkommens (aufgewertet mit der Lohnentwicklung), wenn man mit 65 Jahren in Pension geht. Bis zum Jahr 2000 war die Leistungszusage ab dem 60. Lebensjahr  80 Prozent der besten 15 Jahre, innerhalb der Inflation aufgewertet. Das bedeutet, man bekommt durch das Pensionskonto die lebensstandardsichernde Pension einfach zu einem späteren Zeitpunkt. Somit wurde die Nachhaltigkeit der Finanzierung gesichert. Auch die Beamten sind in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern in das Pensionssystem eingegliedert und leisten mit ihren Abgaben einen erheblichen Finanzierungsbeitrag.

Staatliche Pensionen vs. private Pensionsvorsorge

Staatliche und private Pensionen sind dahingehend unterschiedlich, dass bei staatlichen Pensionen ein Umlageverfahren zur Anwendung kommt, während bei der privaten Pensionsvorsorge das Kapital die zentrale Rolle spielt. Die Kapitalmärkte bestimmen, wie viel an Pension eine Person bekommt. „Das Risiko und die geringere Risikoneigung eines gesetzlichen Pensionssystems sind ein Vorteil, ebenso wie die klare Leistungszusage mit 80 Prozent,“, sagt Panhölzl. Die Politik hat in Krisensituation Spielraum und kann stabilisierende Maßnahmen treffen, das ist bei privaten Anbietern nur schwer möglich. „Auch was die Phasen der Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Kindererziehung betrifft, ist man trotzdem bei einem öffentlichen Pensionssystem immer versichert“, so Panhölzl.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat sich im Jahr 2018 die Verwaltungskostenentwicklung nach Privatisierungen von Pensionssystemen in Osteuropa und Lateinamerika angesehen und ist zu dem Schluss gekommen, dass die Prozentsätze eindeutig gestiegen sind. In unserem Nachbarland Ungarn machten vor der Privatisierung die Verwaltungskosten zwei Prozent aus. Somit gingen 98 Prozent direkt an die Pensionist:innen. Nach der Umstellung auf eine Teilprivatisierung stiegen diese Kosten auf 14,5 Prozent und somit gingen nur mehr 85,5 Prozent der Einnahmen an Pensionsbezieher:innen.

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Über den/die Autor*in

Stefan Mayer

Stefan Mayer arbeitete viele Jahre in der Privatwirtschaft, ehe er mit Anfang 30 Geschichte und Politikwissenschaft zu studieren begann. Er schreibt für unterschiedliche Publikationen in den Bereichen Wirtschaft, Politik und Sport.

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