Bundesjugendvertretung könnte Generation Z an die Urne holen

Eine Jugendliche bei der Abgabe eines Wahlzettels. Die Bundesjugendvertretung könnte Jugendlichen eine Stimme geben.
Die Jugend braucht in der Politik eine lautere Stimme. | © Adobe Stock/arrowsmith2
Die Bundesjugendvertretung vertritt Österreicher:innen unter 30 Jahren. Doch noch fehlt es ihr an Mitspracherecht. Wenn sich das ändert, könnte die Stimme der Jugend lauter werden.
Es gibt in Österreich auf Bundesebene vier Sozialpartner. Bundesarbeitskammer (BAK) und Österreichischer Gewerkschaftsbund (ÖGB) vertreten die Arbeitnehmer:innen. Auf der Gegenseite geben Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und die Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ) der Gesamtwirtschaft eine Stimme. Die Bundesjugendvertretung (BJV) ist nicht dabei. Sie hat lediglich einen sozialpartnerschaftlichen Status. In Debatten muss sie also nicht gehört werden, sie muss sich reinreklamieren.

Bundesjugendvertretung mit sozialpartnerschaftlichem Status

Die Sozialpartnerschaft in Österreich soll starke Gegensätze in Einklang bringen. Durch Konsenspolitik. Und zwischen der aktuellen Bundespolitik und den Interessen der Jugend gibt es laut aktuellen Studien reichlich Vermittlungsbedarf. Junge Menschen fühlen sich von der Politik nämlich nicht gehört.

Das hat einen simplen Hintergrund, wie Tamara Ehs erklärt. Sie ist Demokratiewissenschaftlerin und Mitglied im Beirat des Europäischen Forums Alpach und des Bürgerforums Europa. „Die Alterspyramide hat sich geändert. Anfang der 1980er war das Verhältnis zwischen jungen und alten Menschen relativ ausgeglichen. Mittlerweile sind die 16- bis 29-Jährigen eine politisch marginalisierte Gruppe, die als Wählerschaft keine hohe Aufmerksamkeit bekommt.“ Wahlen werden mit den Stimmen der Menschen gewonnen, die 50 Jahre und älter sind.

Die BJV wäre ein Organ, diesen Umstand zu ändern. Sie ist ein Schmelztiegel an Meinungen und Strömungen. „Die Bundesjugendvertretung hat 59 Mitgliederorganisationen. Dort lässt sich Politik mitgestalten. Dazu gehören die Jugendorganisationen von Parteien ebenso wie z. B. jene des Roten Kreuzes, die allesamt auch Interessenpolitik betreiben“, führt Ehs aus. Aktuelle Diskurse werden dort sehr kontrovers diskutiert. Aber eben aus Sicht junger Menschen.

AK und ÖGB geben der Jugend eine Stimme

Für die erheben aktuell Arbeiterkammer und Gewerkschaftsbund ihre Stimme auf der Ebene der Sozialpartner. Denn beide Organisationen genießen bei der Generation Z enormes Vertrauen. Und zahlen es zurück. Beispielsweise mit der Arbeit im Jugendvertrauensrat oder in der Gewerkschaftsjugend. Auch die 177. Vollversammlung der Arbeiterkammer tagte unter dem Motto „Jugend verdient Respekt“. Hier wurden die Probleme der Jugend und die Lösungen zusammengefasst.

Auch diese Instrumente müssen prominenter ins Bewusstsein der Jugend rücken. Ehs: „Viele Jugendliche wissen nicht, welche Beteiligungsmöglichkeiten sie haben. Sie haben ein unzureichendes Wissen über ihre politischen Möglichkeiten. Daran fehlt es in der politischen Bildung.“ Und weiter: „Die bestehenden Instrumente müssen bekannter gemacht werden. In der Demokratiebildung muss es vorrangig darum gehen, Beteiligungsmöglichkeiten aufzuzeigen.“

Alexandra Kainz vom Verein Mach Mit settz sich für mehr politische Beteiligung der Jugend ein.
Alexandra Kainz von „Mach mit“. | © Markus Zahradnik

Die Jugend braucht eine Plattform

In der Arbeiterkammer, dem Gewerkschaftsbund und der Bundesjugendvertretung können sich Jugendliche politisch einbringen. Und das natürlich unabhängig von ihrer Herkunft und ihren Interessen. Andere Einrichtungen haben dabei oft Probleme, wie Alexandra Kainz betont. Sie ist Jugendarbeiterin in einem niederösterreichischen Jugendzentrum. Außerdem hat sie den Verein „Mach mit“ gegründet. Der fördert die politische Teilhabe von Jugendlichen.

„Das Jugendzentrum wird vermehrt von bestimmten Jugendgruppen genutzt. Andere Jugendgruppen wollen dann nicht mehr hin, weil sie sich nicht zugehörig fühlen. Das ist auf dem Land genauso wie in der Stadt“, führt Kainz aus. Dabei würden sich alle Jugendlichen für dieselben politischen Diskurse interessieren. „Welche Themen häufig genannt werden, und zwar querbeet, sind Klima, Umwelt und die Unterstützung von Menschen, denen es nicht so gut geht.“ Das zeigt, dass die Gemeinsamkeiten überwiegen. Es braucht nur eine Plattform.

Über den/die Autor*in

Christian Domke Seidel

Christian Domke Seidel hat als Tageszeitungsjournalist in Bayern und Hessen begonnen, besuchte dann die bayerische Presseakademie und wurde Redakteur. In dieser Position arbeitete er in Österreich lange Zeit für die Autorevue, bevor er als freier Journalist und Chef vom Dienst für eine ganze Reihe von Publikationen in Österreich und Deutschland tätig wurde. Unter anderem sprang ein dritter Platz beim österreichischen Magazinpreis heraus.

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