Die österreichische Landes- und Bundespolitik ist mit der Ardo-Konzernleitung im Gespräch, um die Werkschließung in Groß-Enzersdorf noch zu verhindern. Wie wahrscheinlich ist es, dass sie erfolgreich sind?
Dietmar Breiner: Das kann ich nicht beurteilen. Für uns ist diese Entscheidung der Konzernleitung jedenfalls strategisch nicht nachvollziehbar. Österreich ist ein Land, wo die Landwirtschaft noch massiv bewässern kann, der Standort hat dadurch das Potenzial, dürrebedingte Ausfälle in anderen Ländern auszugleichen.
Für Österreich wäre die Schließung natürlich ein großer Verlust, Ardo wird von Hunderten Bäuerinnen und Bauern im Land beliefert. Es wurden tatsächlich bereits zig Millionen in die Modernisierung des Werks hier in Niederösterreich investiert, aber das war nur das Notwendigste. Vor allem die hohen Energiepreise in Österreich sind auf Dauer ein Kostenfaktor. Dem Vorschlag des Betriebsrats, auf PV-Anlagen am Gelände zu setzen, ist man nicht nachgekommen.

Wie hat der Betriebsrat von der Werkschließung erfahren?
Wir haben es eine Stunde, bevor die Belegschaft informiert wurde, erfahren. Die Kolleg:innen wurden in einer großen Versammlung informiert, die Konzernchefin aus Belgien war anwesend. Jetzt verhandeln wir als Betriebsrat den Sozialplan, was sich schwierig gestaltet, weil wir nicht im direkten Kontakt mit den Belgier:innen stehen. Wir verhandeln im Wesentlichen mit einem externen Geschäftsführer, der selbst keine Entscheidungsmacht hat.
Wie reagiert man als Betriebsrat, wenn man so eine Nachricht erhält?
Da merkt man als Belegschaftsvertreter wieder: Vernetzung ist das Wichtigste. Ich habe sofort Gewerkschaft und Arbeiterkammer kontaktiert und auch politische Kontakte informiert. Ich habe versucht, alle Hebel in Gang zu setzen. Man muss dann schnell sein, die rechtlichen Rahmenbedingungen abklären. Wir haben die Bilanz des Betriebs von der Arbeiterkammer analysieren lassen, um zu wissen, wie die finanzielle Situation des Unternehmens ist und was beim Sozialplan möglich ist. Eine gewisse Schockstarre ist schon da, aber die kann man sich nur kurz erlauben.
Wir sondieren jetzt bei den Verhandlungen zum Sozialplan, welche Beschäftigten vom Verlust des Arbeitsplatzes am meisten betroffen sind, wer Schulden hat zum Beispiel, oder mehrere Kinder zu versorgen. Der Sozialplan ist gerade meine Hauptaufgabe. Der Betriebsrat muss jetzt trotz Verhandlungen davon ausgehen, dass der Worst Case eintritt und das Werk geschlossen wird. Wir dürfen keine Zeit verlieren.
Was ist euch beim Aushandeln des Sozialplans besonders wichtig?
Ich kann noch keine Details preisgeben, die Verhandlungen laufen, aber wir bemühen uns wie gesagt, vor allem sozial Benachteiligten zu helfen. Wir haben hier viele Arbeiter:innen, viele Menschen auch mit Migrationshintergrund, die nicht perfekt Deutsch sprechen. Qualifizierungsmaßnahmen werden eine zentrale Rolle spielen, um allen Mitarbeiter:innen weitere Chancen am Jobmarkt zu geben. Heute gibt es eine Betriebsversammlung, bei der wir die Leute über den Status quo informieren werden. Es ist wichtig, dass die Belegschaft jetzt nicht allein gelassen wird.
Wie ist die Stimmung in der Belegschaft?
Es gibt viel Verunsicherung, viele Sorgen, auch viele Gerüchte machen die Runde. Das Werk wird nicht auf einmal geschlossen, eine Abteilung bis Ende des Jahres, dann wird eine weitere Produktionslinie eingestellt, und so weiter. Im Sommer 2027 soll es ganz vorbei sein.
💔„Kündigung“ – ein Wort, das niemand gern hört. In Zeiten von Dauerkrisen trifft sie immer mehr Menschen.
✍️ Ute Groß, Betriebsrätin bei der „Kleinen Zeitung“, weiß, was dann zu tun ist. Wie sie Beschäftigte begleitet:
— Arbeit&Wirtschaft Magazin (@aundwmagazin.bsky.social) 21. Januar 2026 um 13:12
Das ist alles sehr traurig für viele Beschäftigte. Manche haben schon hier ihre Lehre gemacht und sind ihr ganzes Leben im Betrieb. Man muss auch bedenken: Die Schließung betrifft nicht nur 240 Mitarbeiter:innen, es sind Hunderte Landwirt:innen betroffen, die einen wichtigen Abnehmer verlieren. Die haben Maschinen gekauft, Schulden gemacht, dann trifft es natürlich auch die ganzen Zulieferer – insgesamt sind sicher über 1.000 Menschen direkt oder indirekt betroffen. Solange es eine Chance gibt, werden wir deshalb auch um das Werk und für die Belegschaft kämpfen.