Arbeitslosigkeit in Österreich: Aktuelle Zahlen und Entwicklung

Modellfiguren stehen auf einer Duden-Seite mit der Definition von Arbeitslosigkeit.
Die Gruppe der langzeitarbeitslosen Menschen wächst derzeit besonders schnell. Entspannung ist nicht in Sicht. | © Adobestock/Osterland
Wie entwickelt sich die Arbeitslosigkeit in Österreich? Wer ist besonders betroffen und welche Ursachen stecken dahinter? Ein Überblick über die aktuellen Arbeitslosenzahlen, die Arbeitslosenquote und die Folgen von Arbeitslosigkeit für Beschäftigte und Gesellschaft.
Wie hoch ist die Arbeitslosigkeit in Österreich? Ende September waren 306.624 Menschen beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos gemeldet. Die nationale Arbeitslosenquote lag bei 7,1 Prozent, während die international vergleichbare Erwerbslosenquote nach Eurostat-Definition betrug im August 2026 6,7 Prozent. Wir zeigen, wie sich die Arbeitslosenzahlen in Österreich entwickeln, wer besonders betroffen ist und welche Ursachen dahinterstecken.

Wie hat sich die Arbeitslosigkeit in Österreich entwickelt?

Zahl der arbeitslosen Menschen zwischen 2025 und 2026

Monat National (AMS)
September 2026 306.624
August 2026 311.448
Juli 2026 298.885
Juni 2026 295.457
Mai 2026 301.676
April 2026 320.316
März 2026 322.727
Februar 2026 357.581
Jänner 2026 379.771
Dezember 2025 363.006
November 2025 320.351
Oktober 2025 310.509
September 2025 299.180

Entwicklung der Arbeitslosenquote (AMS und Eurostat im Vergleich)

Monat Quote laut AMS (national) Quote laut Eurostat (international)
September 2026 7,1 % aktuell noch nicht verfügbar
August 2026 7,2 % 6,7 %
Juli 2026 6,9 % 6,2 %
Juni 2026 6,9 % 5,8 %
Mai 2026 7,1 % 6,0 %
April 2026 7,5 % 5,9 %
März 2026  7,5 % 5,7 %
Februar 2026 8,3 % 5,9 %
Jänner 2026 8,9 % 5,6 %
Dezember 2025 8,4 % 5,9 %
November 2025 7,5 % 5,9 %
Oktober 2025 7,3 % 5,8 %
September 2025 7,0 % 5,6 %

Was bedeutet Arbeitslosigkeit?

In Österreich gilt laut Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos, wer unfreiwillig keiner Beschäftigung nachgehen kann, aber bereit wäre, eine Arbeit aufzunehmen. Demnach gelten Menschen, die sich der Erziehung ihrer Kinder oder der Pflege von Angehörigen widmen, nicht als erwerbslos. Auch Student:innen, Schüler:innen und Pensionist:innen fallen nicht in diese Definition von Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist die Summe der zum Monatsende bei den regionalen Geschäftsstellen des AMS registrierten Personen, die nicht in Beschäftigung oder Ausbildung stehen. Personen in AMS-Schulungen werden gesondert erfasst.

Das internationale Konzept folgt den Definitionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und ermöglicht deshalb einen Vergleich mit anderen Ländern unabhängig von nationalen Besonderheiten. Für die ILO ist erwerbstätig, wer in einem ein­wöchi­gen Berichtszeitraum min­des­tens eine Stun­de lang gegen Ent­gelt oder im Rahmen einer selbst­stän­di­gen oder mit­hel­fen­den Tätig­keit gearbeitet hat.

Was sind Ursachen für Arbeitslosigkeit in Österreich?

Die Ursache für Arbeitslosigkeit ist, dass Arbeitskräfteangebot und -nachfrage nicht zusammenpassen. Das bedeutet, dass Unternehmen zu wenige offene Stellen anbieten, deren Arbeitsbedingungen den Anforderungen der Arbeitssuchenden entsprechen. Weil die Gründe dafür sehr komplex sind, unterscheidet die Wissenschaft vier verschiedene Arten von Arbeitslosigkeit.

  • Saisonale Arbeitslosigkeit entsteht aufgrund von Schwankungen in der Nachfrage nach Arbeitskräften im Laufe des Jahres. Diese Schwankungen können klimatische oder gesellschaftliche Hintergründe haben. Sie tritt vor allem in Branchen wie Tourismus, Landwirtschaft oder Bauwesen auf. Betroffene Beschäftigte müssen daher im Jahresverlauf regelmäßig zwischen Beschäftigung und Arbeitslosigkeit wechseln.
  • Konjunkturelle Arbeitslosigkeit schwankt mit der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und dem Wirtschaftswachstum. In Zeiten wirtschaftlicher Rezessionen nimmt die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen ab. Unternehmen drosseln ihre Produktion, was zu Entlassungen führt. Bei einer wirtschaftlichen Erholung steigt die Nachfrage wieder an, und Unternehmen stellen vermehrt Arbeitskräfte ein.
  • Friktionelle Arbeitslosigkeit tritt aufgrund des natürlichen Wechsels von Arbeitsplätzen im Laufe des Erwerbslebens auf. Beschäftigte befinden sich in einer Übergangsphase zwischen zwei Arbeitsverhältnissen, die entweder freiwillig, beispielsweise aus persönlichen Gründen oder zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, oder unfreiwillig, durch Kündigung oder Betriebsschließungen, erfolgt. Die Dauer dieser Übergangsphase hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Verfügbarkeit von Informationen, die Mobilität der Arbeitnehmer und die Vermittlungsaktivitäten des Arbeitsmarktservices (AMS).
  • Strukturelle Arbeitslosigkeit entsteht durch langfristige Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur, wie technologischen Fortschritt, Globalisierung, Umweltschutz oder demografischen Wandel. Solche Veränderungen führen dazu, dass bestimmte Branchen, Regionen oder Qualifikationen an Bedeutung verlieren oder überflüssig werden, während andere an Bedeutung gewinnen oder neu entstehen. Dies führt zu einem Missverhältnis zwischen dem Angebot und der Nachfrage nach Arbeitskräften.

Wer ist besonders von Arbeitslosigkeit betroffen?

Laut AMS-Vorstandsvorsitzender Johannes Kopf sind aktuell vor allem Frauen betroffen: „Ende September 2026 steigt die Arbeitslosigkeit bei den Frauen  um rund 9.600 bzw. 5,3 Prozent. Das liegt aber nicht an verlorenen Jobs, denn die Beschäftigung der Frauen wächst um mehr als 6.000 und damit gleich stark wie jene der Männer. Entscheidend ist vielmehr, dass deutlich mehr Frauen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen als vor einem Jahr. Durch die schrittweise Anhebung des Frauenpensionsalters bleiben mehr ältere Frauen im Erwerbsleben. Zudem waren vor einem Jahr noch rund 10.000 Frauen in Bildungskarenz. Da die Neuregelung bisher kaum in Anspruch genommen wird, dürfte ein guter Teil von ihnen heute wieder am Arbeitsmarkt sein. Dieses zusätzliche Angebot kann der Arbeitsmarkt derzeit nur teilweise aufnehmen, weil die Konjunktur dafür noch zu schwach ist und sich insbesondere der Handel, eine der wichtigsten Frauenbranchen, noch nicht stabilisiert hat.“

Welche Folgen hat Arbeitslosigkeit?

Arbeitslosigkeit hat eine ganze Reihe negativer Auswirkungen auf die betroffenen Menschen und die Gesamtwirtschaft. Die offensichtlichsten Auswirkungen von Arbeitslosigkeit sind die finanziellen Einbußen. Die finanzielle Unabhängigkeit und damit auch die Zugehörigkeit zur Gesellschaft sind in unserem Wirtschaftssystem an die Einkünfte aus einer Erwerbsarbeit gekoppelt. Arbeitslose müssen mit einem geringeren Einkommen auskommen, das oft nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu sichern. Sie sind daher auf staatliche Unterstützung angewiesen. Diese Menschen können armutsgefährdet sein.

Nicht unterschätzt werden dürfen zudem die psychischen Folgen von Arbeitslosigkeit. Eine Arbeitsstelle zu haben wir als „normal“ angesehen, arbeitslos zu sein ist häufig immer noch ein Stigma. Arbeitslose leiden oft unter einem Verlust von Selbstwertgefühl, Anerkennung und Sinnhaftigkeit. Sie fühlen sich nutzlos, isoliert und perspektivlos. Sie haben Schwierigkeiten, sich selbst zu motivieren, neue Ziele zu setzen und aktiv zu bleiben.

Damit hängen auch die gesundheitlichen Aspekte der Arbeitslosigkeit zusammen. Arbeitslose Menschen haben in höheres Risiko für verschiedene körperliche und psychische Erkrankungen, die durch Stress, Angst, Langeweile, mangelnde Bewegung und ungesunde Ernährung verursacht oder verstärkt werden können. Sie haben auch einen schlechteren Zugang zu medizinischer Versorgung und Prävention. Das alles kann auch die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt erschweren. 

Auch gesellschaftlich kann Arbeitslosigkeit dramatische Folgen wie kulturelle und soziale Isolation, Stigmatisierung, familiäre Spannungen und private Konflikte haben. Betroffene Menschen verlieren oft den Kontakt zu ihren ehemaligen Kolleg:innen und anderen Erwerbstätigen. Sie haben weniger Möglichkeiten, an gesellschaftlichen und kulturellen Aktivitäten teilzunehmen oder neue soziale Beziehungen aufzubauen. Darüber hinaus werden sie von Teilen der Gesellschaft und Politik als faul wahrgenommen. Was Arbeitslosigkeit für Betroffene im Alltag bedeutet, zeigen drei persönliche Berichte über die schwierige Jobsuche in Österreich.

Das Schild des Arbeitsmarktservice (AMS) im Sonnenuntergang. Ein Symbolbild für die Arbeitslosigkeit in Österreich.
Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist in vergangenen Monaten langsam aber stetig gestiegen. | © Adobestock/Agata Kadar

Wie melde ich mich arbeitslos?

Wer in Österreich lebt und bereits arbeitslos ist oder den Tag kennt, an dem er arbeitslos sein wird, kann sich beim AMS arbeitslos melden. Wer sich erst meldet, wenn er schon länger arbeitslos ist, hat Lücken im Leistungsbezug und in der Kranken- und Pensionsversicherung.Der Antrag auf Arbeitslosengeld kann online über MeinAMS oder persönlich bei der zuständigen AMS-Geschäftsstelle gestellt werden. Eine rechtzeitige Antragstellung ist wichtig, um Nachteile beim Leistungsbezug und Versicherungsschutz zu vermeiden. Weitere Informationen bietet das AMS zur Arbeitslosmeldung und zum Arbeitslosengeld.

Um sich arbeitslos zu melden, müssen Sie folgenden Daten weitergeben:

  • Name (Vorname und Zuname)
  • Sozialversicherungsnummer
  • vollständige Adresse
  • Beruf
  • letzte Beschäftigung und Zeitpunkt, wann diese geendet hat oder enden wird
  • Kontaktdaten (Telefonnummer, E-Mail-Adresse)

Was hilft gegen Arbeitslosigkeit?

Arbeitslosigkeit lässt sich mit unterschiedlichen Maßnahmen bekämpfen. Dazu zählen:

  • eine aktive Arbeitsmarktpolitik
  • gezielte Aus- und Weiterbildung
  • Investitionen in die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen

Welche Maßnahmen wirksam sind, hängt unter anderem von der wirtschaftlichen Lage und den Ursachen der Arbeitslosigkeit ab.

Jobgarantie gegen Langzeitarbeitslosigkeit: Das Projekt MAGMA

Langzeitarbeitslosigkeit gilt in der Arbeitsmarktpolitik als besonders schwerwiegendes Problem. Zu dieser Gruppe zählen Personen, die ein Jahr lang ununterbrochen arbeitslos waren. In Österreich trifft das – je nach Bundesland – auf jeden vierten bis dritten arbeitslos gemeldeten Menschen zu. Bei Langzeitarbeitslosigkeit kommt eine Spirale in Gang. Menschen, die länger arbeitslos sind, tun sich schwerer eine Stelle zu finden. Je schwerer es wird, desto länger dauert die Arbeitslosigkeit. Ist der Anspruch auf Arbeitslosengeld ausgeschöpft, können Betroffene unter bestimmten Voraussetzungen Notstandshilfe beziehen. Diese fällt häufig geringer aus als das Arbeitslosengeld. Das kann die finanziellen Belastungen bei längerer Arbeitslosigkeit verschärfen.

Die niederösterreichische Gemeinde Gramatneusiedl zeigt einen möglichen Ansatz gegen Langzeitarbeitslosigkeit – mit dem „Modellprojekt Arbeitsplatzgarantie Marienthal“ (MAGMA). Dabei handelt es sich um eine lokale Jobgarantie. Im Rahmen des Projekts erhielten langzeitarbeitslose Menschen das Angebot einer öffentlich geförderten Beschäftigung. Diese Aufgaben halfen, das Leben für alle in der Gemeinde zu verbessern. Ziel war es, ihnen neue berufliche Perspektiven zu eröffnen und den Wiedereinstieg in den regulären Arbeitsmarkt zu erleichtern.

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2026
Stand der Arbeitsmarktdaten: September 2026

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Über den/die Autor:in

Christian Domke Seidel

Christian Domke Seidel hat als Tageszeitungsjournalist in Bayern und Hessen begonnen, besuchte dann die bayerische Presseakademie und wurde Redakteur. In dieser Position arbeitete er in Österreich lange Zeit für die Autorevue, bevor er als freier Journalist und Chef vom Dienst für eine ganze Reihe von Publikationen in Österreich und Deutschland tätig wurde.

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