„Wir schaffen nicht einmal die Hälfte unseres eigentlichen Arbeitstempos“
Wolfgang*, 52, arbeitet seit 37 Jahren in Wien als Fassader
„Ich dämme und verputze seit 37 Jahren Fassaden, aber so einen Sommer wie heuer habe ich noch nie erlebt. Bis zu 41 Grad hatte es an manchen Tagen. Wir sind trotzdem am Baugerüst in der Sonne gestanden. Eigentlich sollten wir bei diesen Temperaturen hitzefrei machen und würden dafür 60 Prozent des Lohns bekommen. Aber dafür braucht es die Einwilligung der Chefetage, und die haben wir nicht bekommen. Wir schaffen bei solchen Temperaturen nicht einmal die Hälfte unseres eigentlichen Arbeitstempos. Die Leistung ist einfach eine andere. Immer öfter müssen wir vom Gerüst steigen, uns in den Schatten setzen und eine Pause machen. Manchmal hat der Chef angerufen und gefragt, wie es uns geht. Dann hieß es, wir sollen uns halt kaltes Wasser kaufen und die Rechnung in die Firma bringen. Einen Container, in den wir uns zurückziehen können, gibt es auf der Baustelle zwar, aber er ist aus Metall. Da drin hatte es zu Mittag 50 Grad. Niemand geht freiwillig dort rein. Aber er wirft zumindest einen Schatten.

Ich bin von 7 Uhr in der Früh bis 17 Uhr auf der Baustelle. Wenn ich nach Hause fahre, ist der Tag für mich gelaufen. Dann kann ich mich nur mehr hinlegen. Körperlich ist man einfach komplett erledigt nach so einem Dienst. Es bleibt keine Lebensqualität, keine Energie für Freizeit übrig. Und am nächsten Tag komme ich schon geschlaucht auf die Baustelle, weil auch die Nächte heiß sind. Ab 34 Grad wird es wirklich unangenehm.“
„Während der Hitzephasen ging es mir so schlecht, dass ich in den Krankenstand gehen musste“
Sabrina*, 47, arbeitet im öffentlichen Dienst
„Ich bin im öffentlichen Dienst, beschäftige mich mit der Digitalisierung von Abläufen und habe einen klassischen Bürojob. Unser Büro ist klimatisiert, der Unterschied zu draußen beträgt 15 bis 20 Grad. Zur Arbeit fahre ich normalerweise zeitig in der Früh, mit dem Rad, 40 Minuten lang. Heim sind es 50 Minuten, und das war gerade im Sommer schlimm. Mit der U-Bahn könnte ich auch fahren, aber die Wege zur Station sind mir mit meinen Kreislaufproblemen zu viel. Ich brauche dauernd Pausen.
Bevor es so heiß wurde, hat mein Chef gesagt: Wer will, kann im Homeoffice bleiben. Bei mir daheim ist es im Gegensatz zu draußen eigentlich noch kühl, der Innenhof ist begrünt. Aber am Nachmittag scheint die Sonne in meine Wohnung, und die Wände heizen sich auf. Konzentrieren fällt mir da schwer. Aber noch weniger habe ich es geschafft, in die Arbeit zu fahren.

Mitte Juni gab es einen Schlüsselmoment. Ich habe ganz früh angefangen zu arbeiten, damit ich am Nachmittag nicht mehr ins Freie muss. Dann habe ich etwas vergessen und musste doch in den Supermarkt. Plötzlich ging es mir unglaublich schlecht. Mein Kreislauf klappte zusammen. Ich musste mich auf den Boden setzen und fast jemanden um Hilfe bitten. Dieser Moment hat mir Angst gemacht. Ich bin zum Arzt gegangen, der hat sogar einen Bluttest gemacht. Gemeint hat er nur: Hitze.
Teilweise ging es mir während der Hitzephasen so schlecht, dass ich in Krankenstand gehen musste. Ich habe Vorhänge, die die Hitze etwas abhalten, aber wie ich den Sommer in den nächsten Jahren überstehen soll, weiß ich nicht wirklich. Ich fände es gut, wenn es öffentliche, klimatisierte Plätze gäbe für Leute, die daheim arbeiten und sich keine Klimaanlage leisten können.“
„Wir sind in den Keller gegangen, wenn wir wichtigen Stoff machen mussten“
Veronika, 35, arbeitet als Volksschullehrerin in Oberösterreich
„Besonders ab Anfang Juni war es hitzetechnisch kaum aushaltbar. Unser Gebäude wurde in den 1990er-Jahren gebaut und alle Klassenzimmer haben riesige Glasfronten. Das ist prinzipiell super, weil so viel Licht in die Klassenräume kommt. Dadurch hatte es in den Klassenzimmern allerdings über 30 Grad und wir haben keine Klimaanlage.
Ich unterrichte Volksschüler:innen und unser Lernstoff ist eng getaktet. Mehr als einen Monat vor Schulschluss nicht mehr mit den Kindern zu arbeiten, ist keine Option. Im Keller der Schule gibt es einen Raum ohne Fenster, dort ist es bei großer Hitze erträglich. Wir Lehrerinnen haben jeden Morgen besprochen, wer heute in den Keller geht, weil wichtiger Stoff durchgenommen oder ein Test geschrieben werden musste.
Die Kinder hatten große Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Auch ich habe gemerkt, dass ich im Laufe des Tages immer länger gebraucht habe, bis mir Wörter eingefallen sind und ich Fragen beantworten konnte. Oft konnte ich den Unterricht erst am Abend vorbereiten, weil ich am Nachmittag zu erschöpft war. Ich habe keine Ahnung, wie das in den nächsten Jahren weitergehen soll. Viele Schulen im Umfeld sind ähnlich gebaut, man müsste sie alle umrüsten, damit wir vernünftig mit den Kindern arbeiten können. Das macht mir Sorgen.“
Wir Lehrerinnen haben jeden Morgen besprochen, wer heute in den Keller geht, weil wichtiger Stoff durchgenommen oder ein Test geschrieben werden musste.
Veronika, Volksschullehrerin
„Während wir so geschlaucht waren, wurde die Arbeit mehr“
Nina, 50, arbeitet in Wien als Pflegekraft
„Ich bin Heimhilfe und habe 16 Jahre lang in einer Wohngemeinschaft für ältere Menschen gearbeitet, die im Mai geschlossen wurde. Im Juni bin ich in ein Pflegeheim mit Klimaanlage gewechselt. Als ich dort angefangen habe, war das schon ein Highlight. Manche Kolleg:innen haben sich richtig gefreut, wenn sie arbeiten durften, weil es angenehmer als in ihrem Zuhause war, wo sie keine Klimaanlage hatten. Nur eine Bewohnerin hat die Hitze extrem gespürt, in ihrem Zimmer hatte es trotz Klimaanlage und Ventilator 28 bis 29 Grad und wir fanden nicht heraus, woran es lag. Wir haben versucht, sie mit Coolpacks abzukühlen.
In der Wohngemeinschaft, in der ich vorher gearbeitet habe, war das anders. Die Sommer davor waren nicht so heiß wie der heuer, aber auch schon sehr heftig. Die Hitze dort war absurd und alle haben darunter gelitten, Bewohner:innen wie auch Personal. Der Aggressionspegel von Angehörigen und Bewohner:innen war hoch und wir waren völlig geschlaucht, weil wir auch zu Hause nicht schlafen konnten. Niemand hatte Lust auf etwas, keine Aktivitäten, keine Bewegung, höchstens Singen. Wir hatten Ventilatoren, aber optimal war das nicht.
Während wir so geschlaucht waren, wurde die Arbeit infolge der Hitze mehr. Das Arbeitspensum zu reduzieren, ist nicht wirklich eine Option in der Pflege. Man kann nicht einfach etwas auf morgen verschieben. Der Aufwand stieg bei der Extremhitze eher: Die Bewohner:innen schwitzten stark und mussten öfter gewaschen werden. Wir mussten viel mehr drauf achten, dass alle genug trinken, damit niemand dehydriert. In der WG mussten wir auch selbst kochen. Da kam die Hitze vom Kochen noch dazu.“
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— @Arbeiterkammer (@arbeiterkammer.at) 4. August 2026 um 10:22