Kampf seit Jahrhunderten
Das Thema Arbeitszeit ist ein Aufreger, und das nicht erst seit gestern. Bereits im 19. Jahrhundert wurde um kürzere Arbeitstage gekämpft. Damals standen Zehn- bis Zwölf-Stunden-Schichten auf der Tagesordnung, in manchen Betrieben wurde bis zu 16 Stunden geschuftet, sieben Tage die Woche. Wochenenden und bezahlter Urlaub waren noch nicht erkämpft, die Arbeitsbedingungen erbärmlich. Mit der Elektrifizierung im ausgehenden 19. Jahrhundert blieb nicht nur das Licht in der Fabrik an, sie entzündete auch einen Produktivitätssprung. Die Massenproduktion war erfunden, und die Arbeit verdichtete sich.
Die Zeit war reif für den 1. Mai 1890, an dem weltweit, vor allem in Europa und den USA, für die Einführung des Acht-Stunden-Tags demonstriert wurde. Organisiert wurde die Aktion von Gewerkschaften sowie sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien. In Wien nahm der Arzt und Politiker Victor Adler eine führende Rolle ein. Mehr als 100.000 Menschen gingen auf die Straße und forderten „8 – 8 – 8“: acht Stunden Arbeit, acht Stunden Schlaf, acht Stunden Erholung. Bis zur Einführung des Acht-Stunden-Tags sollten allerdings fast drei Jahrzehnte vergehen. 1919 wurde er schließlich gesetzlich besiegelt, von Montag bis Samstag, insgesamt also 48 Stunden. Jugendliche und Frauen arbeiteten „nur“ 44 Stunden – Letztere, damit ihnen genug Zeit für die Hausarbeit blieb.

Doch was passierte zwischen 1890 und 1919? „Für eine Arbeitszeitverkürzung braucht man einen langen Atem“, sagt die Historikerin Marliese Mendel vom ÖGB. In dieser Zeit seien die ersten Kollektivverträge entstanden. Sie waren nicht nach Branchen organisiert, sondern galten etwa für Städte, Regionen oder auch einzelne Betriebe. Wo die Arbeitszeit kollektivvertraglich verankert war, war sie zumindest geregelt, auch wenn üblicherweise zwischen neun und elf Stunden gearbeitet wurde. Hatte ein Unternehmen kürzere Schichten, so sprach sich das herum.