Weil sie Zukunft hat

Foto (C) ÖGB-Verlag/Michael Mazohl
Die verschiedenen Sozialversicherungsträger werden gerne zum Problem gemacht. Dabei sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, liegen doch die wahren Probleme woanders.
Zentrale Fragen in der Sozialversicherung sind der gleiche Zugang zu Leistungen und eine Sicherung der Versorgungsqualität - und nicht die Anzahl der Krankenkassen.

Inhalt

  1. Seite 1 - Zusammenlegung der Krankenkassen bedeutet nicht automatisch reduzierte Verwaltungskosten
  2. Seite 2 - Leistungen vereinheitlichen
  3. Seite 3 - Warum die Sozialversicherung so wichtig ist
  4. Auf einer Seite lesen >
Die österreichische Sozialversicherung bildet den Kern des Sozialstaats. Nicht nur das: Nahezu jeder Mensch in Österreich profitiert an dem einen oder anderen Punkt von ihren Leistungen. Im Grunde wirkt der Sozialstaat sogar schon vor der eigenen Geburt, so diese denn hierzulande stattfindet: Schon die werdende Mutter kommt in den Genuss von Vorsorgeleistungen. Wird man krank, hat einen Arbeitsunfall oder bekommt eine Berufskrankheit, stirbt gar ein Angehöriger oder eine Angehörige – alle diese Risken und viele mehr sind abgesichert.

All das kostet natürlich viel Geld. In konkreten Zahlen ausgedrückt: Pro Jahr finanziert die Sozialversicherung Sach- und Geldleistungen in einem Volumen von rund 60 Milliarden Euro. Das entspricht 78 Prozent des Bundesbudgets bzw. 17 Prozent des BIP (jährliche österreichische Wertschöpfung). Das ist viel Geld, keine Frage. Und natürlich ein Auftrag, sorgsam mit den Mitteln umzugehen, die letztlich von der Allgemeinheit aufgebracht werden.

Zu einfache Annahme

Oft wird behauptet, die Sozialversicherung sei ineffizient, weil es in Österreich 21 verschiedene Sozialversicherungsträger gibt. Damit sind die Gebietskrankenkassen und die Kranken-, Pensions- und Unfallversicherungen gemeint. Aber die dahinterstehende Annahme, dass ein System umso effizienter ist, je weniger Träger es hat, ist doch etwas zu einfach. Betrachtet man etwa den viel bemühten Verwaltungsaufwand, so ist dieser in der Sozialversicherung gering: Von den Einnahmen werden nur 2 Prozent dafür benötigt. Dieser Anteil ist sogar zurückgegangen, im Jahr 1995 lag er noch bei 2,9 Prozent. Im internationalen Vergleich sind die Verwaltungskosten im unteren Bereich angesiedelt, und zwar selbst dann, wenn man berücksichtigt, dass die Verwaltungskosten nicht überall gleich berechnet werden. Vergleiche mit anderen Ländern zeigen: Die Reduktion der Zahl der Krankenkassen allein brachte keinen Rückgang des Verwaltungsaufwandes. In Deutschland und der Schweiz etwa sind die Verwaltungskosten trotz zahlreicher Fusionen nicht gesunken.

Was auf den ersten Blick erstaunlich wirkt, wird bei genauerer Überlegung nachvollziehbar: Größere Einheiten sind nicht automatisch günstiger. So machten die Verwaltungskosten in der verpflichtenden Krankenversicherung in Österreich 2 Prozent der Ausgaben aus. Damit steht Österreich im OECD-Vergleich gar nicht schlecht da, denn dieser Prozentsatz liegt unterhalb von jenem der Vergleichsländer Niederlande (2,14 Prozent), Belgien (2,44 Prozent), Schweiz (2,47 Prozent), Frankreich (2,8 Prozent) und Deutschland (4,56 Prozent). Privat ist nicht automatisch effizient. Private, gewinnorientierte Versicherungssysteme haben einen sehr hohen Verwaltungsaufwand – und leisten dabei sogar nur einen kleinen Teil der Versorgung. Sie müssen nämlich viel Geld für Werbung, Marketing und Vertrieb ausgeben, und sie müssen Gewinne erwirtschaften. Das sind alles Aufwandspositionen, die nicht bei den Versicherten ankommen – und die in der öffentlichen Sozialversicherung nicht vorkommen.

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  1. Seite 1 - Zusammenlegung der Krankenkassen bedeutet nicht automatisch reduzierte Verwaltungskosten
  2. Seite 2 - Leistungen vereinheitlichen
  3. Seite 3 - Warum die Sozialversicherung so wichtig ist
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