Was, wenn der Blackout kommt?

(C) Markus Zahradnik

Inhalt

  1. Seite 1 - Blackout – nicht ob, sondern wann
  2. Seite 2 - Wie es zum Blackout kommt
  3. Seite 3 - Vorsorge statt Panik
  4. Seite 4 - Drei Fragen und Antworten zum Blackout
  5. Auf einer Seite lesen >
Minimale Abweichungen können das gesamte europäische Stromnetz zum Erliegen bringen. Expert*innen sind sich sicher: Es stellt sich nicht die Frage, ob es passieren wird – die Frage ist, wann. Aber wie kann man sich eigentlich darauf vorbereiten?
Ob in Filmen, Büchern oder Videospielen, Dystopien eint meist ein Merkmal: Es gibt einen Blackout und somit keinen Strom. Doch von Fiktion kann beim Thema Blackout keine Rede sein. Also was passiert, wenn wirklich eines Tages das Licht ausgeht? Werden wir uns, wenn der Blackout kommt, nach zwei Wochen im Mittelalter wiederfinden, wie so oft in Warnungen zu lesen ist? Werden wir im Chaos versinken? Zeit für Panik?

Im Gegensatz zu Hochwasser oder einer Pandemie kündigt sich ein Blackout nicht an. Von einem Moment auf den anderen bleibt alles stehen. Das Licht geht aus, die U-Bahn stoppt, die Gastherme versagt den Dienst. Noch bevor man von der Erkundungstour zum Sicherungskasten zurück ist, folgt der Mobilfunk.

Knappe drei Millionen Österreicher*innen würden bei einem Blackout nicht viel länger als vier Tage mit ihren Vorräten über die Runden kommen, wie eine Studie zur Ernährungsvorsorge herausfand. Hilfe könnte man in den ersten Tagen allerdings keine erwarten – die Feuerwehr wäre bei einem Blackout eine komplette Woche allein damit beschäftigt, eingeschlossene Menschen aus Aufzügen oder Gondeln zu befreien.

Mitte Februar dieses Jahres reichten in Texas Temperaturen von minus 15 Grad, um Millionen von Menschen tagelang im Dunkeln sitzen zu lassen. Die Bauteile der Erdgaskraftwerke waren schlicht nicht auf solche Kältewellen ausgelegt. Supermärkte mussten Waren entsorgen, aus der Leitung kam kein Wasser mehr.

Täglicher Balanceakt, um einen Blackout zu verhindern

Ein Blackout durch technisches Versagen ist auch bei uns möglich, denn Energie ist bisher nicht im großen Stil speicherbar. Österreich muss jedes Jahr ganze 29 Terawattstunden importieren und 23 exportieren. So wird das Stromnetz zusätzlich belastet. Die Liberalisierung des Strommarkts im europäischen Verbundsystem führt zu einem dauerhaften Engpassmanagement. Jeder Tag ist ein Balanceakt und Experten meinen es ist nur eine Frage der Zeit, wann der Blackout kommt.

Überall war erst kürzlich in den Medien zu lesen: „Europa schrammte haarscharf am Blackout vorbei.“ Einige Wochen später konnte der Vorfall schließlich rekonstruiert werden: Am 8. Jänner gehen außergewöhnlich viele Stromexporte aus Südosteuropa in Richtung Westen. Eine Kupplung im Umspannwerk Ernestinovo (Kroatien) wird überlastet. Um 14.04 Uhr und exakt 25 Sekunden fliegt die erste Sicherung, andere Leitungen werden überlastet, fliegen ebenso. Eine Kaskade. Fällt eine, fallen alle. Südosteuropa musste kurzerhand vom Verbundnetz abgetrennt werden. Ja und da stellt man sich dann schon die Frage, ist es jetzt so weit, kommt jetzt ein Blackout?

Kommt es zu Abweichungen bei der Frequenz oder der Spannung, wird Alarm ausgelöst, und es greifen sofort automatische Systeme zur Netzstabilisierung des Energiesystems ein – wenn notwendig, mit Unterstützung aus dem Kraftwerksbereich. 

Christian Call, Sprecher der Wiener Netze

„Die meisten Kund*innen im Versorgungsgebiet der Wiener Netze haben diesen Vorfall kaum oder gar nicht bemerkt“, erzählt der Sprecher der Wiener Netze Christian Call, ein Experte für Versorgungssicherheit, „kommt es zu Abweichungen bei der Frequenz oder der Spannung, wird Alarm ausgelöst, und es greifen sofort automatische Systeme zur Netzstabilisierung des Energiesystems ein – wenn notwendig, mit Unterstützung aus dem Kraftwerksbereich.“ Über das Austrian Awareness System sind alle Bundesländer miteinander ständig im Austausch. Nur 42 Sekunden später war die exakte Frequenz von 50 Hertz wieder hergestellt, nach einer weiteren Stunde waren die sicherheitshalber getrennten Bereiche in Europa wieder am Netz. Ein Blackout konnte so gekonnt verhindert werden.

Gefährlich ist es aber auch schon in Österreich geworden, und zwar mitten in Wien. Am 31. Juli 2018 waren weite Teile des siebten Bezirks ohne Strom. Ein Kabeldefekt. „Addendum“ berichtete damals über Evi Pohl-Iser, die den Bereich „Hilfe und Pflege daheim“ beim Wiener Hilfswerk leitete. Der Mobilfunk war sofort weg, elektronische Türöffner funktionierten nicht mehr. Besonders heikel: „Die Pflegeanleitungen mit Medikamentendosierungen, die via Mobilfunk von der Zentrale auf die mobilen Tablets der Mitarbeiter*innen gespielt werden, waren nicht mehr abrufbar.“ Man sieht also, ein Blackout hätte viele fatale Folgen.

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  1. Seite 1 - Blackout – nicht ob, sondern wann
  2. Seite 2 - Wie es zum Blackout kommt
  3. Seite 3 - Vorsorge statt Panik
  4. Seite 4 - Drei Fragen und Antworten zum Blackout
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Über den/die Autor*in

Leo Stempfl

Leo Stempfl arbeitet als Redakteur bei einer Wiener Tageszeitung und studiert Publizistik an der Universität Wien. Er brennt für Fußball, Innenpolitik und Reportagen, und war in fast jedem Land Europas. An freien Tagen zieht es ihn in die Berge und er hat einen lebensgroßen Aufsteller von Marko Arnautović im Wohnzimmer.

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