Was ist eigentlich neu an der Digitalisierung?

Neu an der Digitalisierung
Im Zusammenhang mit der Digitalisierung werden immer wieder folgende Schlagworte genannt: künstliche Intelligenz, Robotik, Chatbots. Hinzu kommen die Thematiken rund um gläserne Beschäftigte, aber auch flexibleres Arbeiten durch Home-Office-Regelungen. Was ist neu an der Digitalisierung?

Digitalisierung ist ein sehr weit gespannter Begriff. Häufig wird er jedoch nicht im ursprünglichen Kontext verwendet, der das Umwandeln von analogen zu digitalen Medien meint. Vielmehr wird in diesem Zusammenhang oft auf die digitale Revolution Bezug genommen, also den technologischen Fortschritt, der viele unserer Lebensbereiche betrifft.

Neue Entwicklungen?

Digitalisierung ist jedoch kein neuer Trend. Dennoch gibt es immer wieder neue Entwicklungen, die von der Forschung und Entwicklung vorangetrieben werden:

Künstliche Intelligenz:

Künstliche Intelligenz (KI) = Automatisierung intelligenten Problemlösungsverhaltens

Von künstlicher Intelligenz (KI) spricht man dann, wenn bestimmte Entscheidungsstrukturen des Menschen nachgebildet werden, um mithilfe von Algorithmen computerbasiert eigenständig Probleme zu bearbeiten. Dafür muss eine gewisse Lernfähigkeit der Maschinen gegeben sein. Künstliche Intelligenz kann daher als Automatisierung intelligenten Problemlösungsverhaltens verstanden werden.

Man unterscheidet „schwache“ und „starke“ KI.

In den meisten Anwendungen kommt heutzutage die sogenannte „schwache KI“ zum Einsatz. Dabei werden konkrete Problemstellungen des menschlichen Denkens in Einzelbereichen durch die Simulation intelligenten Verhaltens mittels Mathematik und Informatik gemeistert.

Im Vergleich dazu geht die „starke KI“ noch einen Schritt weiter und hat zum Ziel, eine Intelligenz zu schaffen, die das menschliche Denken mechanisieren soll. Dieses Vorhaben bleibt jedoch nach wie vor eine Vision. Denn um menschliches Denken komplett nachzubauen, müsste die künstliche Intelligenz auch Gefühle wie Freude, Liebe, Angst und Hass besitzen, und eine derartige Simulation ist bisher noch Zukunftsmusik.

In den meisten Software-Lösungen steckt heutzutage bereits künstliche Intelligenz.

Was man jedoch klar sagen muss: In den meisten Software-Lösungen steckt heutzutage bereits künstliche Intelligenz. Sie ist nicht immer als solche erkennbar, aber denken wir beispielsweise an Spamfilter, die kontinuierlich lernen, welche E-Mails unerwünscht sind und somit aus unseren Posteingängen entfernt werden. Zudem gibt es Sprachassistenten wie Siri und Alexa. Aber automatisch heißt nicht zwangsläufig auch intelligent – KI zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass selbstständig Muster erkannt werden können, die der kontinuierlichen Verbesserung dienen.

Robotik:

Während künstliche Intelligenz als solche nicht sichtbar ist, weil es sich um Software-Anwendungen handelt, setzt die Robotik – oder auch Robotertechnik – auf die Interaktion mit der physischen Welt. Dabei kommen unter anderem Sensoren und Aktoren zum Einsatz. Die Entwicklung von Robotern blickt bereits auf eine lange Geschichte zurück. Mittlerweile gibt es die unterschiedlichsten Arten von Robotern: Industrieroboter, Forschungsroboter, Nanoroboter, Serviceroboter und noch viele mehr.

Chatbots:

Chatbots = textbasierte Dialogsysteme, die das Chatten mit technischen Systemen erlauben
Unter Chatbots versteht man textbasierte Dialogsysteme, die das Chatten mit technischen Systemen erlauben. Dabei greift das System auf die eingespeisten Datenbestände zu und funktioniert im Prinzip wie eine Volltextsuche. Zunächst wird die Frage nach vorgegebenen Regeln in Einzelteile zerlegt und arbeitet dann in einem zweiten Schritt an der eigentlichen Erkennung der Frage, bis schlussendlich die aus dem Prozess entstandene Antwort ausgegeben wird.

Gefahren der Digitalisierung

„Gläserne Beschäftigte“ gibt es dann, wenn Unternehmen die vorhandenen Technologien zur Kontrolle und Überwachung missbräuchlich einsetzen:

  • durch den Einsatz versteckter Kameras
  • durch das Abhören von Telefonaten
  • durch das Mitlesen von E-Mails
Digitalisierung ist nicht zwangsläufig etwas Gutes oder etwas Schlechtes. Es kommt immer auf den jeweiligen Einsatz der Technologie an. Dort, wo Menschenrechte verletzt werden, birgt sie jedoch eindeutig Gefahren. Das Schlagwort des „gläsernen Menschen“ bzw. auf die Arbeit bezogen des „gläsernen Mitarbeiters“ bzw. der „gläsernen Mitarbeiterin“ fällt in letzter Zeit öfters. Gemeint sind damit die Kontrolle und Überwachung der Beschäftigten durch das Unternehmen, die weit über das Tracken der Arbeitsergebnisse hinausgehen. Immer wieder schaffen es Fälle in die Presse, bei denen versteckte Kameras installiert wurden, um Mitarbeiter zu überwachen, Telefonate abgehört oder E-Mails mitgelesen wurden. Einiges davon verstößt klar gegen das Gesetz – von Verletzungen der Privatsphäre bis hin zu Bespitzelung der MitarbeiterInnen und der Überwachung von Büroarbeitsplätzen.

Aus technischer Sicht ist praktisch alles möglich, was aber nicht bedeutet, dass die Vorgehen auch ethisch korrekt bzw. in einigen Fällen auch legal sind. Zwar zieht die Judikatur nach und verschärft die Bestimmungen rund um den Datenschutz, jedoch wird es vermutlich noch dauern, bis die klare Unterscheidung zwischen Bespitzelung, Abhören und Überwachung auf der einen Seite und effektiver Leistungskontrolle auf der anderen Seite von allen gemeistert wird.

Entlastungschancen der Digitalisierung

Neben all den negativen Auswirkungen der Digitalisierung bringt sie jedoch auch gute Aspekte. So ist die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie durch das Remote-Arbeiten ein Stück weit leichter geworden. Wer für die Arbeit lediglich einen Computer oder Laptop benötigt, kann diese Tätigkeiten theoretisch von überall verrichten. Viele Firmen bieten bereits diverse Home-Office-Regelungen an. Meist auf einzelne Tage pro Woche oder Monat beschränkt, sorgt das Arbeiten von zu Hause dafür, dass Beschäftigte Zeit sparen können. Zeit, die sonst durch den mehr oder weniger langen Arbeitsweg wegfällt, kann so für die Familie genutzt werden.

Digitalisierung kann Beschäftigte jedoch auch entlasten.

Man kann die sich weiter entwickelnden Technologien also durchaus zum Vorteil der Beschäftigten nutzen, wie beispielsweise auch durch den Einsatz eines Industrieroboters, der den Menschen bei Arbeiten in gefährlichen oder unzumutbaren Umgebungen entlastet.

Die Frage um die Arbeitsplätze

Oft geht es beim Einsatz neuer Technologien jedoch auch um die Frage nach dem Arbeitsplatz: Nehmen uns die Roboter unsere Arbeitsplätze vor allem in der Industrie weg? Wenn künstliche Intelligenz unsere Arbeitsplätze einnimmt, wozu braucht es uns dann überhaupt noch? Wichtig ist: Man muss die technischen Entwicklungen in die richtige Perspektive rücken. So ergeben sich beispielsweise neue Arbeitsplätze, denn eine Nebenerscheinung der Digitalisierung und Automatisierung ist die Instandhaltung. Auf lange Sicht wird es nicht so sein, dass Arbeitsplätze aufgrund der Automatisierung verloren gehen. Sie werden sich lediglich verlagern, und dafür wird es oft Umschulungen und berufliche Weiterentwicklung brauchen. Und eine gewisse Weitsicht.

Über den/die AutorIn

Beatrix Mittermann

Beatrix Mittermann

Beatrix Mittermann hat internationale Betriebswirtschaft an der WU Wien, in Thailand, Montenegro und Frankreich studiert. Sie ist Autorin, Schreibcoach, Redakteurin des ÖGB Verlags sowie freie Redakteurin für diverse Magazine und Blogs.